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Werner Otto Theodor Forßmann

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 29. August 1904 in Berlin
† 1. Juni 1979 in Schopfheim

Als Werner Forßmann auf der 55. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie im April 1931 als einer der letzten Redner ans Pult trat und bahnbrechende Möglichkeiten bei der Untersuchung und Behandlung von Herzkrankheiten aufzeigte, interessierte das die Versammlung nicht sonderlich.

Forßmann hatte ab 1922 in Berlin studiert und begann 1928 neben seiner Tätigkeit als Assistenzarzt am Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Eberswalde mit Untersuchungen zur Verbesserung der Diagnostik von Herzkrankheiten. Da man zu dieser Zeit das menschliche Herz nicht mit strahlenschwächenden Kontrastmitteln füllen konnte, lieferten Röntgenaufnahmen nur selten die gewünschten Bilder. Auch das Abklopfen mit den Händen, das Abhorchen mit dem Stethoskop oder die Deutung mit dem Elektrokardiographen erbrachten in der Regel nicht die erwünschten Resultate. Nach Versuchen an Leichen begann Forßmann im Frühsommer 1929 mit ersten Selbstversuchen. Dabei schob er sich bei vollem Bewusstsein und unter Röntgenkontrolle lange, dünne, biegsame Katheter von der Ellenbeuge aus bis in die rechte Herzhälfte vor, wobei er praktisch keinerlei Schmerzen verspürte. In den folgenden Jahren vervollkommnete verfeinerte er in unzähligen Selbstversuchen diese neuartige Technik der Herzdiagnostik und bewies, dass es zudem gefahrlos möglich ist, das Herz mit Kontrastmitteln zu füllen.

Ein Überwechseln Forßmanns an die Berliner Charité scheiterte jedoch zunächst am Widerstand des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch. Im Oktober 1929 fand Forßmann dann doch den Weg, als Assistent an Sauerbruchs Chirurgische Klinik der Charité, wo er seine Versuche unter großen Schwierigkeiten neben seiner Arbeit fortsetzte. Sauerbruch hielt nichts von seinen Experimenten und warnte ihn: "Mit solchen Kunststücken habilitiert man sich im Zirkus und nicht an einer anständigen Klinik." Folgerichtig blieb Forßmann die Anerkennung versagt, und seine Untersuchungen blieben unbeachtet.

Ende 1931 war Forßmann als Chirurg im Städtischen Krankenhaus in Mainz tätig und kehrte dann nach Berlin als Oberarzt an dieer Urologischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhaus zurück. Spätestens zu dieser Zeit wandte er sich von der Herzchirurgie ab und widmete sich ganz dem Fach Urologie, in dem er nach einem kurzen Aufenthalt als 1. Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt und daachnn ab 1938 wieder in Berlin am Robert-Koch-Krankenhaus tätig war. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst in freier Praxis und ab 1950 als Urologe an den Diakonie-Anstalten in Bad Kreuznach, danach als Chefarzt in Düsseldorf, tätig. Anschließend arbeitete er als er Chefarzt in Düsseldorf.

Als um 1944 die amerikanischen Physiologen André Frédéric Cournand und Dickinson William Richards mit Untersuchungen zum Herzkatheterismus begannen, stießen sie auch auf die Selbstversuche Forßmanns. Mit den beiden Amerikanern erhielt Forßmann dann im Oktober 1956 den Nobelpreis für Medizin. 1954 war er erstmals in Deutschland gewürdigt worden: Die Ostberliner Akademie der Wissenschaften überreichte ihm die Leibniz-Medaille überreichte. Neben seinem Herzkatheter - in Fachkreisen als "Forßmann-Cournand-Katheter" bekannt - ist Forßmanns Name auch bei einer speziellen Form der Blasenöffnung durch suprapubischen Medianschnitt (chirurgischer Ober- und Unterbauchschnitt zum Beispiel.B. bei Harnblasenpunktion, Prostatektomie) bekannt.


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