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Sir Alexander Fleming

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 6. August 1881 in Lochfield (Schottland)
† 11. März 1955 in London

Alexander Fleming hatte noch Bakterien nach dem Vorbild des Altmeisters Robert Koch (1843-1910) züchten gelernt: In gläsernen Schalen, auf künstlichen Nährboden. Und er wurde damit zu einem Wohltäter der Menschheit, denn er entdeckte damit das Penicillin, die "Königin der Arzneimittel". Penicillin war das erste wirksame Antibiotikum – der amerikanische Bakteriologe Selman Abraham Waksman prägte diesen Begriff im Jahre 1945. Seine Verwendung und seine chemischen Modifikationen lösten eine Revolution in der Medizin aus und brachten gefürchtete bakterielle Infektionskrankheiten (zumindest für eine gewisse Zeit) fast zum Verschwinden.

Im Jahre 1901 begann Fleming an der St. Mary's Hospital Medical School in Paddington (London) mit dem Studium der Medizin; dem St. Mary's Hospital blieb Fleming zeitlebens beruflich verbunden. 1906 absolvierte er hier sein Abschlussexamen und begann anschließend im Impflaboratorium des Hospital unter seinem damaligen Direktor, dem Mikrobiologen Sir Almroth Edward Wright (1861-1947), der das Institut zu hohem Ansehen führte. Nach seiner Tätigkeit als Hauptmann im Royal Armya Corps während des Ersten Weltkriegs arbeitete er zunächst als Dozent für Bakteriologie im Institut des St. Mary's Hospitals. 1921 wurde Fleming Stellvertretender Leiter dieses Instituts und 1946 dessen Direktor. 1948 erfolgte die Umbenennung in "Wright-Fleming-Institute". 1928 hatte Fleming den Lehrstuhl für Bakteriologie an der University of London erhalten, den er bis zu seiner Emeritierung 1948 innehatte.

Im September 1928 beobachtete Fleming bei seiner Laboratoriumsarbeit mit Staphylokokkenstämmen, dass eine fremde Kolonie auf einer der Zuchtschalen angegangen war. Der Erreger war offensichtlich ein Schimmelpilz, der wohl von einer Spore abstammte, die sich aus der Luft auf den Nährboden abgesetzt hatte. In der Umgebung dieser Schimmelpilz-Kolonie erschienen die Staphylokokken-Kolonien durchsichtig, als ob sie aufgelöst worden waren. Damit hatte Fleming als Erster die auflösende Kraft eines Schimmelpilzes gegenüber Mikroorganismen beobachtet. Bei weiteren Versuchen stellte er auch die Wachstumshemmung dieses Schimmelpilzes fest. Er bezeichnete diesen Pilz anfangs als "mould juice" ("Schimmelsaft") - erstmals am 7. März 1929 nannte er ihn "Penicillin" (die Stoffwechselprodukte des "Penicillium notatum" oder "Penicillium chrysogenum"). Am 10. Mai 1929 reichte Fleming seinen ersten Bericht über das Penicillin beim "British Journal of Experimental Pathology" ein, der im Juni des Jahres unter dem Titel "Über die antibakterielle Wirkung von Penicillium-Kulturen ..." erschien. In diesem und späteren Berichten führte Fleming aus, dass Penicillin besonders auf die eitererregenden Staphylo-, Strept-, Gono-, Meningo- und Pneumokokken wachstumshemmend wirkt und damit ein Heilmittel gegen viele Infektionen wie Eiterungen, Lungen- und Hirnhautentzündung, darstellt. Er berichtete aber auch, dass es Bakterien gibt, die durch Penicillin nicht abzutöten sind. Von der später beobachteten "Penicillin-Resistens" zahlreicher Bakterienstämme bei häufiger Anwendung auch in Bagatellfällen konnte er damals noch nichts wissen.

Es gelang Fleming und seinen Mitarbeitern jedoch nicht, Penicillin in größeren Mengen zu isolieren, da ihm die erforderlichen Chemiker und Biochemiker nicht zur Verfügung standen. Die kleinen Mengen reichten gerade für die bis zum Jahre 1932 erfolgten Tierversuche und für die Behandlung einiger Patienten aus, die an bakteriellen Entzündungen im Gesichtsbereich litten. So wurde seine aufsehenerregende Entdeckung von der wissenschaftlichen Welt zunächst wenig zur Kenntnis genommen.

Erst im Jahre 1938 wurden die Arbeiten Flemings aufgegriffen und unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges ab 1940 die Produktion von Penicillin in Erwägung gezogen. Die Initiative erfolgte durch eine britische Arbeitsgruppe unter der Leitung der Oxforder Biochemiker Sir Ernst Boris Chain (1906-1979) und dem Pathologen Lord Howard Walter Florey (1898-1968). 1941 reisten die beiden in die USA, um für das US-Landwirtschaftsministerium die industrielle pharmazeutische Produktion von Penicillin unter Einbeziehung eines Firmenkonsortiums in die Wege zu leiten. Im gleichen Jahre begannen Chain und Florey mit umfassenden klinischen Versuchen an Menschen. Ab 1944 erfolgte die großtechnische Produktion gereinigten und konzentrierten Penicillins. Es stand jedoch im wesentlichen zunächst nur US-amerikanischen Streitkräften zur Verfügung. Erst ab März 1945 konnten es auch Zivilisten auf Rezept zum Beispiel in New Yorker Drugstores kaufen.

Im Jahre 1945 erhielten Fleming, Chain und Florey die weltweite Würdigung durch den Nobelpreis für Physiologie und Medizin "für die Entdeckung des Penicillins und seiner heilenden Wirkung bei verschiedenen Infektionskrankheiten". Ein Jahr zuvor war Fleming, den neben seinem wissenschaftlichen Ansehen große Bescheidenheit auszeichnete, geadelt worden, sodass er sich fortan Sir Alexander Fleming nennen konnte. Er verkörperte noch den Typ des intuitiven Labor-Forschers, dessen Ausstattung und Forschungsstrategie nicht ausreichen, um seine Arbeiten in größerem Umfang durchführen zu können.


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