Emil Hermann Fischer

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 9. Oktober 1852 in Euskirchen (Rheinland, bei Bonn)
† 15. Juli 1919 in Berlin

Emil Fischer gilt als einer der größten Naturstoffchemiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Kaum ein anderer trug in dieser Zeit mehr zur Aufklärung der Struktur von elementaren Verbindungen in lebenden Zellen bei. Seine klassischen Arbeiten zur Ermittlung der Konstitution und Konfiguration der wichtigsten Zucker, über die Enzyme, die Proteine und die Purinkörper stellten einen entscheidenden Durchbruch in unserer Kenntnis der Zellbestandteile dar, die schließlich den Weg für die entscheidenden Fortschritte der Biochemie öffneten.

Allgemein bekannt wurde Fischer durch seine Synthetisierung von Diäthylbarbitursäure. Nachdem er deren schlaferzeugende Wirkung zusammen mit dem Physiologen Joseph Freiherr von Mering (1849-1908) erstmals 1902 in Jena erfolgreich getestet hatte, kam die Substanz 1903 als Schlafmittel unter der Bezeichnung "Veronal" in den Handel und hat seither unzählige Menschen in den Schlaf gebracht.

Emil Fischer wurde als Sohn eines Kaufmanns und Fabrikanten in Euskirchen geboten. Er machte ab 1869 eine kaufmännische Lehre in Rheydt, welche er jedoch aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Fischer studierte ab 1871 in Bonn und Straßburg Chemie und promovierte 1874 in Straßburg. Anschließend arbeitete er als Assistent an der Universität München, wo er sich 1878 habilitierte und ein Jahr später Professor wurde. 1882 erhielt Fischer in Erlangen das Ordinariat für Chemie, ging aber schon 1885 nach Würzburg und dann 1892 nach Berlin, wo er einem Ruf an das I. Chemische Institut der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität (kurz Berliner Universität; heute Humboldt-Universität zu Berlin) folgte und hier sein Lebenswerk schuf.

Emil Fischer entwickelte eine Fülle von Verfahren zur Strukturaufklärung und Synthese von Naturstoffen, vor allem von Zucker. Dabei entdeckte er das Phenylhydrazin als Medium – ein hochtoxisches Blutgift, das im Organismus als Metabolit des Anilins entsteht –, mit dessen Hilfe er die verschiedenen Zuckerarten voneinander trennen konnte. Durch seine Untersuchung der Purinkörper ermöglichte Fischer neben der Synthese des Koffeins die Grundlagen zum Verständnis des Zellkerns (Nukleus), in dem das genetische Material eines Lebewesens enthalten ist.

Nach Emil Fischers Plänen wurde das Chemische Institut in Berlin erbaut und 1900 eröffnet. Dort bildete er eine bedeutende Schule von organischen Chemikern heran; In Berlin war Fischer 1911 auch maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau der Kaiser-Wilhelm-Institute als neue Organisationsform der wissenschaftlichen Forschung beteiligt, was auch seiner extrem liberalen und internationalen Einstellung entsprach.

Im Jahre 1912 bekam Emil Fischer den Nobelpreis für Chemie für seine Forschungen zur Synthese von Kohlenwasserstoffen und Purinen.



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