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Hermine Edenhuizen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 16. März1872 auf Burg Pewsum bei Emden
† 26. November 1955 in Berlin

Hermine Edenhuizen war Ärztin und Operateurin sowie als Fürsprecherin der Frauen. Sie war eine der ersten Frauen in Deutschland, die zu einer Zeit, als Gleichberechtigung noch unbekannt war, die Medizin zu ihrem Beruf erwählte.

Ende 1893 stöberte eine junge Frau aus gutem Hause in einer Buchhandlung in Emden und entdeckte in einer der damals seltenen Frauenzeitschriften einen Aufsatz, der ihr weiteres Leben bestimmen sollte. Es war der programmatische Leitartikel Was wir wollen in der ersten Ausgabe der sozial-politischen Zeitschrift Die Frau, herausgegeben von Helene Lange (1848-1930) – Pädagogin und Frauenrechtlerin, der viele Frauen der damaligen Zeit den Weg zu Abitur und Studium verdankten. Die neugierige Leserin war die 21-jährige Hermine Edenhuizen, eine von vier Töchtern eines früh verwitweten ostfriesischen Landarztes.

Hermine Edenhuizen bat die Verfasserin des Artikel um Rat, und Helene Lange ermutigte sie zum Medizinstudium, was zu dieser Zeit für Frauen ein schweres gesellschaftspolitisches Unterfangen war. Hermine Edenhuizen setzte sich bei ihrem liberal denkenden Vater durch und ging im Herbst 1894 nach Berlin, besuchte die von Helene Lange abgehaltenen "Gymnasialkurse für Frauen", bestand 1898 das Abitur und studierte in Berlin, Zürich und Halle Medizin. Ihren Abschluss machte sie 1902 in Bonn. Hermine Edenhuizen bestand das Staatsexamen mit "sehr gut" und die Doktorprüfung mit "summa cum laude". Ihr Dissertationsthema war die Eiweißausscheidung im Urin Schwangerer und Gebärender – ein Hinweis auf die noch heute gefahrvolle "Schwangerschaftsvergiftung" (Gestose) durch Störung der Nierenfunktion.

1903 erhielt Hermine Edenhuizen an der Universitätsfrauenklinik in Bonn als erste Frau eine bezahlte Assistentenstelle; 1909 absolvierte sie hier die Facharztausbildung zur "Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe". Während ihrer Ausbildung hatte sie Dr. Otto Heusler kennengelernt, der sich ihretwegen von seiner Frau trennte. Dies hatte erhebliches gesellschaftliches Aufsehen zur Folge, sodass Hermine Edenhuizen die Berufung an die Berliner "Klinik weiblicher Ärzte" zunächst nicht annehmen konnte. Letztlich ging sie 1909 doch nach Berlin.

1912 heiratete Hermine Edenhuizen den inzwischen geschiedenen Dr. Otto Heusler. Aufgrund der Ehegesetze, welche Frauen benachteiligten, schloss sie mit ihrem Mann einen Ehekontrakt. Darin stimmte er zu, dass sie jederzeit ihren Beruf voll ausüben durfte, und die vereinbarte Gütertrennung sicherte ihre finanzielle Eigenständigkeit. Derartige Vereinbarungen waren damals ungewöhnlich – nach geltendem Recht war der Ehemann praktisch der Vormund seiner Frau.

Nach dem Vorbild Helene Langes wurde Hermine Edenhuizen auch frauenpolitisch aktiv. Einem größeren Kreis wurde sie als Gründungsvorsitzende des Deutschen Ärztinnenbundes bekannt, dem sie von 1924 bis 1928 vorstand. Sie kämpfte für das Recht der Frau auf Berufstätigkeit und gehörte zu der kleinen Zahl der radikaleren bürgerlichen Frauen, die sich vehement für die Abschaffung des §218 (demnach wurde Schwangerschaftsabbruch unter Strafe gestellt) einsetzten. In den Jahren des Nationalsozialismus widmete sie sich bis 1945 ganz ihrer Berliner Praxis, kehrte danach nach Ostfriesland zurück und starb im Jahr 1955 im Haus ihrer in Berlin lebenden Tochter.


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