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Emil Heinrich du Bois-Reymond

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 7. November 1818 in Berlin
† 26. Dezember 1896 in Berlin

Heute wäre diese Entdeckung nobelpreiswürdig: Muskeln zucken, Nerven leiten Befehle und Empfindungen weiter, weil sie elektrisch erregt werden. Du Bois-Reymond – der Mediziner, Forscher, Theoretiker, Lehrer, Publizist und Wissenschaftsmanager aus Berlin, dem diese Entdeckung im Jahre 1842 mit selbstgebastelten Apparaten gelang und damit die wissenschaftlichen Grundlagen der Elektrophysiologie begründete –, gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den meistbeachteten Persönlichkeiten der internationalen Gelehrtenwelt.

Nach seinem Abitur am Berliner Französischen Gymnasium im Jahre 1837 studierte der Abkömmling einer Hugenottenfamilie in Berlin und Bonn Theologie, Philosophie, Mathematik und Geologie. In Berlin kam er in Kontakt mit dem Anatomen und Physiologen Johannes Müller (1801-1858), der eine ganze Generation von Ärzten zu naturwissenschaftlichem Denken erzog. 1839 wechselte du Bois-Reymond daraufhin zur Medizin und wurde der Assistent von Johannes Müller. Er promovierte 1843.

1848 ging du Bois Reymond als außerordentlicher Professor für Physiologie und Pathologie nach Königsberg. Als sein Vater pensioniert wurde, musste er wieder die Assistentenstelle in Berlin annehmen, welcher er bis 1855 innehatte.

1851 wurde du Bois-Reymond auf Vorschlag von Alexander von Humboldt (1769-1859) und Johannes Müller zum Ordentlichen Mitglied der "Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin" gewählt.

Beeindruckt von den Möglichkeiten der noch jungen Elektrophysik widmete du Bois-Reymond sein Leben der Elektrophysiologie. 1854 begann er seine eigentliche Lehrtätigkeit an der Universität zunächst mit physiologischen Übungen und Vorlesungen über Anatomie und Physiologie. 1855 wurde er Außerordentlicher Professor und 1858, nach dem Tode Müllers und der Trennung der Fächer Physiologie und Anatomie, übernahm er den Lehrstuhl für Physiologie und Anatomie und die Direktion des von ihm initiierten Physiologischen Instituts der Berliner Universität. Der Neubau des Instituts wurde 1977 nach seinen Plänen errichtet.

Du Bois-Reymond war einer der bedeutendsten theoretischen Mediziner der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Befürworter einer naturwissenschaftlichen Medizin. Indem er physikalische und biologische Kenntnisse mithilfe von ihm entwickelter physiologischer Methoden und unter dem strengen Duktus der Mathematik verband, wurde er auch zum Begründer der neueren Elektrophysiologie. Internationale Anerkennung errang du Bois-Reymond mit seinen "Untersuchungen über tierische Elektrizität", dessen erster Band 1848 erschien. Durch seine hervorragenden grundlegenden naturwissenschaftlichen, exakt durchgeführten physiologischen Untersuchungsmethoden und mit den von ihm konstruierten Instrumente und Messgeräte (Schlitteninduktor, galvanisches Instrument, Elektroden und Kompensationsschaltungen) gelang ihm die Entdeckung des Nervenstroms, des Nerven- und des Muskelaktionsstroms. Seine Ergebnisse und Methoden wurden auch für die medizinische Praxis bedeutsam und führten zum Beispiel mit dem Elektrokardiogramm, dem Elektroenzephalogramm und dem Elektromyogramm zu einem Spezialzweig der medizinischen Diagnostik. Im Laufe seines langen Arbeitslebens wurde du Bois-Reymond von zahlreichen Gesellschaften und Akademien zum Auswärtigen beziehungsweise Ehrenmitglied ernannt.


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