Paul Diepgen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 24. November 1878 in Aachen
† 2. Januar 1966 in Mainz

Paul Diepgen, dessen Enkel Eberhard (* 1941) von 1984-1989 und von 1991-2001 Regierender Bürgermeister von Berlin war, ist der Begründer des Universitätsinstituts für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften in Berlin, aus dem später das Institut für Geschichte der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität hervorging.

Diese Forschungsstätte widmet sich der historischen Entwicklung der Medizin und der exakten Naturwissenschaften. Unter Diepgens Leitung wurde sie zur bedeutendsten Universitätseinrichtung dieses Fachs. In der ihr angeschlossenen Bibliothek legte Diepgen mit den Sammelgebieten Medizingeschichte, Geschichte der Naturwissenschaften und allgemeine Wissenschafts- und Kulturgeschichte die Grundlagen für die heutige Zweigbibliothek für Wissenschaftsgeschichte der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität, die als eine der großen wissenschafts-historischen Forschungsbibliotheken nicht nur in Deutschland, sondern über Europa hinaus hohes Ansehen genießt.

Paul Diepgen studierte von 1897 bis 1902 an den Universitäten Tübingen, Leipzig, Bonn und Freiburg/Breisgau Medizin, wo er auch seine gynäkologische Ausbildung erhielt. Nach dem Staatsexamen und der medizinischen Promotion 1902 in Freiburg ließ er sich dort 1906 als Praktischer Arzt und Geburtshelfer nieder und war bis 1929 als Frauenarzt sowie als Chef der gynäkologisch-geburtshilflichen Station des Freiburger Loretto-Krankenhauses tätig. Schon während seiner Ausbildung gewann Diepgen Kontakt zur Medizingeschichte, in der er seine künftige Lebensaufgabe sah. Nach seiner philosophischen Promotion 1908 habilitierte er sich 1910 in Freiburg für das Fach Geschichte der Medizin, für das er 1920 an der dortigen Universität zum Honorarprofessor ernannt wurde.

1929 nahm Diepgen einen Ruf als Ordinarius für Geschichte der Medizin nach Berlin an und wurde damit zum Gründungsdirektor des geplanten und 1930 an der Humboldt-Universität eingerichteten Instituts für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Das von ihm in kurzer Zeit aufgebaute Universitätsinstitut ist damit nach dem 1906 eröffneten Institut in Leipzig die zweitälteste deutsche Einrichtung dieser Art. Mit ihm war auch die Bibliothek entstanden, um deren Ausbau und Niveau sich Diepgen große Verdienste erwarb. 1944 bereits emeritiert, gehörte er nach dem Kriegsende 1945 zu denjenigen Ordinarien und Emeriti, die sich für den künftigen Neuaufbau der Berliner Universität zur Verfügung stellten. 1947 folgte Paul Diepgen einer Einladung zu einer Gastprofessur nach Mainz, wo er 1949 zum Ordinarius für Geschichte der Medizin berufen wurde.

Diepgens wissenschaftliches Werk spiegelt seine Vorliebe für die Medizinhistorik wieder. Daneben war es stets sein Bestreben, aus der Medizingeschichte mehr als nur Fachgeschichte zu machen, sie als Kulturgeschichte der allgemeinen Geschichte zu sehen und anzuerkennen. Seine diesbezüglichen Arbeiten geben daher Zeugnis von der Entwicklung der Medizin im Mittelalter und in der Romantik, aber auch von der Geschichte der Volksheilkunde und der Geburtshilfe und Gynäkologie. Diepgens zweibändiges Werk "Geschichte der Medizin" (1949 Band 1, 1951 Band 2) gehört heute zu den Standardwerken der historischen Entwicklung der Heilkunde und des ärztlichen Lebens. Auch Paul Diepgens zahlreichen übrigen Buchveröffentlichungen zeugen von seiner umfassenden Kenntnis der Medizin und Naturwissenschaften. Hierzu gehören unter anderem die "Geschichte der sozialen Medizin (1934)", "Deutsche Volksmedizin" (1935), "Wissenschaftliche Heilkunde und Kultur" (1935), "Hippokrates oder Paracelsus?" (1937), "Die Frauenheilkunde der alten Welt" (1937), "Die Heilkunde und der ärztliche Beruf" (1938; als "Einführung in das Studium der Medizin" 1951 in 4. Auflage erschienen), "Das physikalische Denken in der Geschichte der Medizin" (1939). Diepgen war Ehrendoktor der Universität Madrid sowie Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien und Gesellschaften des In- und Auslandes.



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