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Helene Deutsch

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 9. Oktober 1884 in Przemysl (Polen; österreichische Monarchie)
† 29. März 1982 in Cambridge (Massachussetts, USA)

Helene Deutsch war Sigmund Freuds (1856-1939) Assistentin und die erste Frau, die sich mit der Psychologie der Frau befasste. Obwohl Freud eine bis heute gültige psychoanalytisch-sexistische Theorie der Weiblichkeit verfasste, waren Frauen für ihn ein "dunkler Kontinent", deren berechtigte soziale, gesellschaftliche und politische Forderungen er mit der Frage abtat: "Was will das Weib?" Zwar hat Helene Deutsch Freuds Theorien über die Frau nie ernsthaft in Zweifel gezogen, doch hat sie in zahlreichen eigenen Veröffentlichungen erstmals auf die psychischen Probleme von Frauen aufmerksam gemacht. Für Freud gehörte sie zur denjenigen Gruppe von Frauen, die er "Feministinnen" nannte.

Helene Deutsch studierte Medizin und Psychiatrie in Wien und München. Nach ihrem Studium wendete sie sich der Psychoanalyse zu. 1912 heiratete Helene Deutsch den Wiener Internisten Felix Deutsch. Um ihre Ausbildung als Analytikerin in Berlin fortzusetzen, nahm sie in Kauf, Ehemann und Sohn für ein Jahr zu verlassen. Aus dieser Zeit stammt ihr Ausspruch: "Einsam ist, wer für niemanden die Nummer eins ist." 1918 trat Helene Deutsch der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung bei, deren neugegründetes Ausbildungsinstitut sie von 1924 bis zu ihrer Vertreibung aus Österreich leitete.

Im Jahr 1935 emigrierte Helene Deutsch mit ihrer Familie in die USA nach Boston. Hier war sie bis zu ihrem Tod als anerkannte Psychoanalytikerin tätig. Durch ihre Veröffentlichungen wurde Helene Deutsch auch international bekannt.

Helene Deutsch prägte den Begriff der "als ob"-Persönlichkeit. Damit bezeichnete sie Patienten, die sich selbst, ihrer Umwelt und dem Therapeuten "Rollen vorspielen". Erst wenn sie sich bewusst werden, dass sie sich damit von der Umwelt abgeschottet haben und diese nichts mit ihnen zu tun haben will, kommen sie mit ihrer ursprünglichen Natur (dem eigentlichen Ich) in Berührung. Dabei entsteht ein Gefühl großer Leere, begleitet von der Sehnsucht nach Empfindungen, die von chronischer Langeweile begleitet wird. Als scheinbaren Ausweg versucht die "als ob"-Persönlichkeit, der Langeweile mit steigender Sucht nach Aufregung, Aktion oder auch Drogen zu entkommen.

Helene Deutsch ist jedoch besonders durch ihre Arbeiten zur Psychologie der Frau bekannt. Hierzu gehören ihre Werke Zur Psychologie der weiblichen Sexualitätsfunktion (1925), die sich eng an die psychoanalytische Trieblehre anlehnt, The Psychology of Woman (1945; 1948 als Psychologie der Frau auch in Deutschland) und Confrontation with Myself (1973).


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