Friedrich Dessauer

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

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* 19. Juli 1881 in Aschaffenburg
† 16. Februar 1963 in Frankfurt am Main

Friedrich Dessauer war einer der Pioniere der Strahlenbiophysik und Röntgenmedizin.

Friedrich Dessauer, das neunte Kind des Kommerzienrats Philipp Dessauer und seiner Ehefrau Elise, studierte ab 1899 in München und Darmstadt Elektrotechnik und Physik. Dessauer entwickelte erste Röntgenapparate, zu deren Herstellung er im Jahr 1900 das Elektrotechnische Laboratorium Aschaffenburg (ELA) gründete. Ab 1906 leitete Friedrich Dessauer das 1888 entstandene Elektrotechnische Institut GmbH in Frankfurt am Main, das er ein Jahr darauf mit dem ELA zu den Vereinigten Elektrotechnischen Instituten Frankfurt-Aschaffenburg (Veifa) verband, die zeitweilig 500 Beschäftigte zählten.

1918 trat Friedrich Dessauer in die Zentrumspartei ein und war 1919 bis 1924 Mitglied der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. 1920 wurde Dessauer zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt und 1922 zum Ordinarius in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main. 1921 gründete er in Frankfurt/Main das Institut für Physikalische Grundlagen der Medizin, das er bis 1934 leitete. Daneben war Friedrich Dessauer von 1924 bis 1933 als Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei, als deren Vorsitzender im wirtschaftlichen Ausschuss und als Berater der Weimarer Regierung tätig.

1933 wurde Friedrich Dessauer aufgrund seiner politischen Aktivitäten mehrfach verhaftet und 1934 seiner Ämter enthoben. Im gleichen Jahr folgte er einem Ruf an die Universität Istanbul zur Errichtung eines Instituts für Radiologie und Biophysik, dessen Lehrstuhl und Leitung er für drei Jahre inne hatte. Mit seiner Emigration ging sein Physikalisches Institut in das Kaiser Wilhelm-Institut für Biophysik über. Heute besteht es als Max Planck-lnstitut für Biophysik.

Die erste der strahlenphysikalischen und technischen Arbeiten Friedrich Dessauers – sie hatte einen neuen Unterbrecher von Röntgenröhren zum Thema – erschien bereits im Jahr 1898. 1903 folgte sein Leitfaden des Röntgensystems, 1908 beschrieb Friedrich Dessauer als einer der Ersten ausführlich die therapeutische Wirkung der Röntgenstrahlen. 1914 stellte er in seinem Buch Radium, Mesothorium und Harte X-Strahlung die tiefentherapeutische Wirkung ionisierender Strahlen vor, und 1922 formulierte Dessauer das viel diskutierte und anerkannte Trefferprinzip der Strahlenwirkung.

Unter anderem erhielt Friedrich Dessauer Ehrungen der Universitäten Frankfurt/Main (1951), Würzburg (1952), der Technischen Hochschule Darmstadt (1956), die Ehrenbürgerschaften der Städte Aschaffenburg (1956) und Frankfurt/Main (1961) sowie die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern (1956) und Schulterband (1961). Außerdem wurden vielzählige Institute und Schulen nach ihm benannt.

Friedrich Dessauers Leben war von Schmerzen geprägt – eine Folge von in jungen Jahren zugezogenen Strahlenschäden, für die er mit über 170 Operationen bezahlen musste.



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