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Charles Darwin

Veröffentlicht von: Dr. med. Fabian Weiland (01. April 2014)

Biologe, Naturforscher

* 12. Februar 1809 in Shrewsbury (Grafschaft Shropshire, England)
† 19. April 1882 in Down (England)

Charles Darwin, der Begründer der Abstammungslehre (Evolutions- und Selektionstheorie), gehört zu den bedeutendsten englischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts. Sein Hauptverdienst besteht darin, dass er als Erster wissenschaftlich untersuchte, wie sich die Lebewesen der Erde entwickelt haben und welche Ursachen dafür entscheidend waren. Darwin gelangte zu dem Schluss, dass der Artenwandel und die Entstehung neuer Arten durch natürliche Selektion realisiert werden. Von Darwins Theorie leiten sich auch heute noch alle modernen Evolutionstheorien ab.

Charles Darwins Werdegang

Charles Darwin war das fünfte von sechs Kindern einer wohlhabenden und gebildeten Landarztfamilie. Sein Großvater war der bekannte Naturwissenschaftler Erasmus Darwin. 1839 heiratete Darwin seine Cousine Emma Wedgwood (1808-96) und lebte mit ihr in der Nähe von London. Seine Frau brachte zehn Kinder zur Welt, drei von ihnen starben in der Kindheit.

Im Alter von 16 Jahren nahm Darwin auf Wunsch seines Vaters an der Universität von Edinburgh ein Medizinstudium auf. Dieses brach er jedoch bereits nach zwei Jahren 1827 ab, da er bei Operationen, die damals noch ohne Betäubung erfolgten, nicht zusehen konnte (erst 1846 fand erstmals ein chirurgischer Eingriff unter Äthernarkose statt). Auf Wunsch des Vaters begann Darwin daraufhin, an der Universität Cambridge Theologie zu studieren. Er blieb hier bis zum Studienabschluss, obwohl auch dieses Fach nicht seinen Neigungen entsprach.

In Cambridge wurde Darwin von Forschern wie William Whewell, Adam Sedgwick und John Stevens Henslow für die Naturwissenschaften begeistert. Seinen eigentlichen Interessen, vor allem der Biologie und Geologie, widmete er sich so intensiv, dass er aufgrund seiner autodidaktisch erworbenen Kenntnisse zum Ende seiner Studienzeit eingeladen wurde, an einer Forschungsexpedition teilzunehmen. Die Dauer der Reise war ursprünglich auf zwei Jahre festgelegt und sollte nach Südamerika führen. Darwins Aufgabe bestand darin, die unterwegs angetroffenen Lebewesen zu studieren und zu registrieren. Die Studienreise wurde der Wendepunkt in Darwins Leben und bescherte der Wissenschaft völlig neue, bisher ungeahnte Ansichten über die menschliche und tierische Existenz.

Darwins Forschungsreise

Die auf zwei Jahre veranschlagte Forschungsreise, die eigentlich die Kartierung der Küstenlinie Südamerikas zum Zweck hatte, dauerte schließlich fünf Jahre (1831-1836) und geriet zu einer Weltumseglung. Dabei war das Leben und Arbeiten an Bord des zum Forschungsschiff umgebauten ehemaligen Marine-Zweimastseglers Namens "Beagle" schwer und für den Landmenschen Charles Darwin äußerst entbehrungsreich. Die Fahrt begann am 27. Dezember 1831 in Plymouth und führte nach Brasilien, zu den Galapagos-Inseln, nach Südafrika, zu mehreren Pazifik-Inseln, nach Neuseeland, Australien und zurück nach England, wo Schiff und Mannschaft schließlich am 2. Oktober 1936 in Falmouth anlegten.

Während der fünfjährigen Weltreise hatte Darwin die Gelegenheit, geologische Formationen der verschiedenen Kontinente sowie zahlreiche Fossilien und lebende Tiere zu untersuchen. Auf verschiedenen Inseln vor der Küste Ecuadors beobachtete Darwin Finken und andere Vögel, welche zwar offensichtlich nahe verwandt waren, aber von Insel zu Insel verschiedene Merkmale und Essgewohnheiten aufwiesen. Diese Beobachtungen führten ihn zu der Frage, ob ausgestorbene und heute lebende Tiere möglicherweise verwandt seien.

Schon während der Expedition hatte Charles Darwin aufgrund des Zustands der angetroffenen Lebewesen sowie der Versteinerungsfunde aus allen Erdschichten und Erdepochen ein Konzept von der Evolution und der Selektion der Lebewesen entwickelt, das mit der Auswertung seines reichen wissenschaftlichen Materials immer mehr Gestalt annahm. Für die Entwicklung Darwins Evolutionstheorie war von Bedeutung, dass die Galapagos-Inseln vom Festland weit entfernt liegen und zu damaliger Zeit nur von relativ wenigen Arten erreicht worden waren. Diese wenigen Arten wiesen auf den einzelnen Inseln des Archipels und auch innerhalb dieser Inseln starke Unterschiede auf. So gab es auf den Galapagos-Inseln für jede Insel eine andere Unterart der Riesenschildkröte mit jeweils eigener Form des Rückenpanzers. Ähnliche Differenzierungen beobachtete Darwin bei den später nach ihm benannten Darwin-Finken. Die Finken hatten sich im Laufe der Jahre den unterschiedlichen Lebensbedingungen optimal angepasst. Ihre Farben unterschieden sich ebenso wie die Formen ihrer Schnäbel, die dem Verzehr von Insekten, Beeren oder dem Stochern in Baumrinden angepasst waren.

Darwins Werke

Charles Darwin entwickelte aus den gewonnenen Erkenntnissen die Theorie, dass die verschiedenen Unterarten einer Spezies von einer gemeinsamen Art abstammten und sich an die unterschiedlichen Lebensbedingungen der verschiedenen Inseln angepasst hatten. Den ständigen Kampf aller Individuen innerhalb einer Art um die bestmögliche ökologische Anpassung und den Kampf zwischen den Arten identifizierte Darwin als den eigentlichen Motor der Evolution.

Als im Jahr 1859 Charles Darwins grundlegendes Werk "On the origin of species by means of natural selection" ("Über den Ursprung der Arten durch natürliche Selektion", auch als "Die Entstehung der Arten" bekannt) erschien, bedeutete dies einen Wendepunkt in der Geschichte der Biologie und Medizin. "Die Entstehung der Arten" wurde nicht nur eines der meistgelesenen, sondern auch eines der meistbekämpften Bücher des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Charles Darwins Thesen widersprachen nicht nur den wissenschaftlichen (Moral-)Vorstellungen der damaligen Zeit, sondern auch den Aussagen der Bibel. Es sollte Jahrzehnte dauern, ehe Darwins Evolutionstheorie zur dominanten Strömung innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses werden sollte. Darwins Abstammungslehre beinhaltet darüber hinaus den für die damalige Zeit kritischen Gedanken, dass sich alles Leben auf der Erde auseinander entwickelt hat, und dass eine genealogische Verwandtschaft aller Lebewesen untereinander besteht.

Die natürliche Auslese ist laut Darwin der entscheidende Faktor für die Entwicklung der Arten. Da die Zahl der Nachkommen (immer) größer ist als zur Arterhaltung erforderlich, ergibt sich ein Konkurrenzkampf, den nur die Stärksten überstehen. Die Veränderlichkeit der Organismen und der "Kampf ums Dasein" erschienen Darwin als die wichtigsten Voraussetzungen der Umwandlungen, welche die Lebewesen im Laufe der Jahrmillionen durchlaufen haben. Unter der unendlichen Vielzahl von Nachkommen jeder Generation sondert die sich ständig verändernde Umwelt das aus, was weniger lebenstüchtig ist. Nur das Bessere, Lebenstüchtigere bleibt erhalten und gibt seine "zeitgemäßen" Eigenschaften in der Vererbung an seine Nachkommen weiter, bei denen sich Verschiedenartigkeit, Auslese und Vererbung ebenso wiederholen. Um diese These zu untermauern, lieferte Darwin mit seinem zweiten großen Werk, dem 1870 erschienenen "The descent of man, and selection in relation of sex" die systematische Darstellung über die Abstammung des Menschen auch durch sexuelle Auslese.

Sozialdarwinismus

Charles Darwins Erkenntnisse spielten nicht nur für die Evolutionstheorie eine große Rolle. Unter dem Schlagwort Sozialdarwinismus machten sie auch vor zwischenmenschlichen Beziehungen nicht Halt. Unter Sozialdarwinismus versteht man eine heute wissenschaftlich diskreditierte Gesellschafts-Theorie, die Darwins Evolutionstheorie aus der Biologie auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Phänomene übertrug. Die Grundthesen des späteren Sozialdarwinismus waren bereits vor Erscheinen der Arbeiten Darwins im Umlauf. Sie erhielten durch eine bewusste Fehlinterpretation seines Werks jedoch eine scheinbar seriöse wissenschaftliche Legitimation. Auf gesellschaftlicher Ebene wurde der Sozialdarwinismus unter anderem zur Rechtfertigung von Rassismus herangezogen. Vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus diente er dazu, geistig Behinderten oder schwer Erbkranken zur Vermeidung der genetischen Degeneration das Lebensrecht abzusprechen. Dies führte schließlich zum Genozid, der massenhaften Ermordung "menschenunwerten Lebens" oder "minderwertiger Rassen".

Die Rassentheorie des Sozialdarwinismus ist längst widerlegt. In der Biologie hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass evolutionäre Vorgänge nicht von einer Höherentwicklung begleitet werden. Eine objektive Einteilung der Lebensformen in höhere und niedrigere Gruppen ist demnach unmöglich. Genetische Untersuchungen haben die Existenz eines biologisch begründbaren menschlichen Rassenbegriffs, auf dem Rassentheorien und das nationalsozialistische Menschenbild beruhten, ad absurdum geführt.

Wie umstritten Darwins Gedanken in Teilen der Welt auch heute immer noch sind, wird unter anderem dadurch deutlich, dass in einer Reihe von Bundesstaaten der USA das Lehren seiner Erkenntnisse an Schulen unerwünscht oder gar untersagt ist. An diesen Stellen wird die biblische Lehre vertreten, die Erde sei mit all ihren Lebewesen vor etwa 6.000 Jahren in einem Schöpfungsakt von Gott erschaffen worden.






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