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Adalbert Czerny

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 25. März 1863 in Szczakowa (bei Katowice, Polen)
† 3. Oktober 1941 in Berlin

Der Kinderarzt Adalbert Czerny ist der Begründer der internationalen Pädiatrieschule an der 1829 begründeten Universitätskinderklinik der Berliner Charité und führte als deren Leiter die deutsche Kinderheilkunde zur Weltgeltung. Kinderkrankheiten wie die alimentäre Säuglingsanämie (Czerny-Anämie), die lymphhatisch-exsudative Diathese (Czerny-Diathese), die paradoxe Atmung (Czerny-Phänomen bzw. -Atmung) tragen seinen Namen.

Adalbert Czerny, im Dreiländereck des damaligen Russland, Österreich und Deutschland in Szczakowa als Sohn eines Eisenbahningenieurs geboren, wuchs in Pilsen auf, studierte an der deutschen Universität in Prag Medizin, und arbeitete anschließend ab 1888 als Assistent an der zur Prager Universitätskinderklinik gehörenden Landes-Findelanstalt.

Nach seiner Habilitation im Jahre 1893 wurde Czerny als außerordentlicher Professor an die Kinderabteilung der Universität Breslau berufen, wo er die pädiatrische Klinik neu aufbaute und die Kinderheilkunde als eigenständiges Fach begründete, was 1903 mit seiner Ernennung zum Ordinarius honoriert wurde. 1910 folgte Czerny einem Ruf als ordentlicher Professor an die Universitätskinderklinik in Straßburg und 1913 einem Ruf an die Berliner Universitätskinderklinik der Charité als Nachfolger Johann Otto Leonhard Heubners (1843-1926) – dem Pionier der Kinderheilkunde. Diese leitete Czerny bis zu seiner Emeritierung 1932. Aus dem Ruhestand heraus übernahm er nochmals einen Lehrstuhl, diesmal an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf, wo er von 1934 bis 1936 die dortige Kinderklinik leitete. Die letzte Ruhestätte Czernys befindet sich in Pilsen.

Adalbert Czerny hat sich um den Auf- und Ausbau der Kinderheilkunde außerordentliche Verdienste erworben. Die von ihm begründete Schule beschäftigte sich vor allem mit der Ernährungsphysiologie und der Stoffwechselpathologie des Säuglings. Während der annähernd zwei Jahrzehnte währenden Berliner Amtszeit an der Universitätskinderklinik führte Czerny die teilweise von seinem Vorgänger begonnene Untersuchung zur Säuglingssterblichkeit fort und stellte sie erstmals auf eine wissenschaftliche Grundlage.

Erste Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte Czerny mit seinem Schüler und Mitarbeiter, Arthur Keller (1868-1934) in dem zweibändigen Werk "Des Kindes Ernährung, Ernährungsstörungen und Ernährungstherapie" erstmals 1906; weitere Veröffentlichungen folgten 1917 und 1928.

Dieses Handbuch (der "Czerny-Keller") hat die Ernährungslehre in der Kinderheilkunde und damit die Entwicklung der Kinderheilkunde bis in die heutige Zeit grundlegend bestimmt. Unter anderem prägte Czerny darin – gegenüber der bisherigen Auffassung von einer gestörten Tätigkeit des Magens und des Darmes – den umfassenden Begriff der "Ernährungsstörung", womit er den Zusammenhang von Ernährung und Krankheit hervorhob. Er unterteilte diesen Nährschaden in die drei Gruppen des ernährungsbedingten, des infektbedingten und des konstitutionsbedingten Schadens.

Adalbert Czerny, der von seinen Gegnern wegen seiner scharfen Zunge und seiner spitzen Feder gefürchtet war, war ein Arzt, der, wie sein Nachfolger in Berlin, Georg Bessau (1884-1944), in einem Nachruf schrieb, das Kind von Anbeginn an "als Ganzes, als eine Persönlichkeit, ein Individuum, ein Unteilbares" sah und behandelte. "Czerny war ein Mann, der allen Dingen auf den Grund ging, er dachte ätiologisch ... Damit ist er Begründer der modernen wissenschaftlichen Kinderheilkunde."


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