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Harvey Williams Cushing

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 8. April 1869 in Cleveland (Ohio)
† 7. Oktober 1939 in New Haven (Connecticut)

Harvey Cushing ist einer der bedeutendsten Chirurgen der neueren Medizin und Begründer der Hirnchirurgie. Seine Bekanntheit basiert jedoch vermutlich auf dem Krankheitsbild, das mit seinem Namen verknüpft ist, dem "Cushing Syndrom", das er als erster ausführlich beschrieb.

Das Cushing Syndrom ist ein Krankheitsbild, das durch eine Überproduktion von Nebennierenrindenhormonen verursacht wird. Es macht sich unter anderem durch abnorme Vermehrung der Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten bemerkbar und zeichnet sich vor allem durch allgemeine Leistungsschwäche, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hautstreifen, Impotenz, Osteoporose, Vollmondgesicht und bei Kindern durch Wachstumsstörungen aus.

Weitere mit dem Namen Harvey Cushing verbundene medizinische Bezeichnungen sind der Cushing Tumor, der Cushing Ulkus sowie chirurgische Techniken wie die Cushing Clips und die Cushing Operation.

Harvey Cushing entstammte einer alten amerikanischen Ärztefamilie. Er studierte zunächst an der Yale University, einer Privat-Universität in New Haven (Connecticut), die sich ab Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Universitäten der USA entwickelte, und beendete sein Studium an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Von 1896 bis 1912 war Cushing an der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) – in dieser Zeit mit dem 1893 eröffneten Johns Hopkins Hospital die führende Medizinschule der USA – tätig. Zu seinen Lehrern gehörten bekannte Mediziner wie der Internist Sir William Osler (1849-1919), der Mikrobiologe und Medizinhistoriker William Henry Welch (1850-1934) und der Chirurg William Stewart Halstedt (1852-1922). Halstedt, der Cushing in die Grundlagen der Chirurgie einführte, wies ihn auch in das Gebiet der damals noch kaum ausgeübten, da größtenteils tödlich verlaufenden Neurochirurgie ein, auf dem Cushing seine bedeutendsten Leistungen vollbrachte und zu dessen eigentlichem Begründer er gehört.

Von 1912 bis 1932 lehrte Harvey Cushing als Professor der Chirurgie an der Harvard University und arbeitete als Chefchirurg des Peter Bent Brigham Hospital im nahen Boston. 1933 folgte er einem Ruf an das Neurologische Institut der Yale University, wo er auch Geschichte der Medizin lehrte.

Harvey Cushing entwickelte neue Techniken der Gehirnchirurgie und leistete wertvolle Beiträge zur operativen Behandlung von Gesichtslähmungen, Hirntumoren und Blutungen im Schädel Neugeborener und Erwachsener. Damit konnte er die noch um 1900 ungewöhnlich hohe Operationssterblichkeit bei Hirnoperationen von etwa 90 Prozent auf weniger als zehn Prozent Anfang der 1930er Jahre senken. Um diese außerordentliche Leistung zu erreichen, installierte Cushing 1923 im Peter Bent Brigham Hospital die erste Intensivstation in der Medizin.

Harvey Cushing war außerdem Pionier bei der Messung des Blutdrucks und bei der Anwendung von Röntgenstrahlen. Diese hatten seine Ambitionen als junger Wissenschaftler entscheidend gefördert, denn er war Ende 1896 der erste Mediziner in den USA, der Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule machte. Später bemerkte er einmal dazu:

"Mein erstes zur Veröffentlichung angebotenes Manuskript betraf den Fall einer Schussverletzung der Wirbelsäule mit Aufnahmen, die das Geschoss zeigten, das ein Mann in Baltimore in den Körper des sechsten Halswirbels seiner Frau gejagt hatte [...]" Er benötigte für jeweils eine Aufnahme etwa 35 Minuten.

Die umfangreiche Bibliothek, die Harvey Cushing der Yale University hinterließ, wurde zum Grundstock einer herausragenden Büchersammlung über die Geschichte der Medizin. Zu Cushings Schriften zählen "The Life of Sir William Osler" (1925), wofür er den Pulitzerpreis erhielt, und "From a Surgeon's Journal 1915-1918" (1936).


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