William David Coolidge

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 23. Oktober 1873 in Hudson (Massachusetts)
† 3. Februar 1975 in New York

William Coolidge war kein Mediziner, doch er hat dieser Disziplin durch seine wissenschaftlichen Arbeiten außerordentliche Impulse verliehen. Mit seiner am 27. Dezember 1913 in New York erstmals praktisch vorgestellten "Coolidge Tube" – einer Glühkatoden-Vakuumröhre mit "aktiver" Elektronenentladung – hatte Coolidge die erste technisch hochwertige und praktisch einsetzbare Elektronenröhre geschaffen und damit vor allem die Röntgentechnik grundlegend beeinflusst.

William Coolidge studierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Elektrotechnik und belegte auch physikalische Fächer. Hier konstruierte er bereits Anfang 1896 einen elektrostatischen Apparat, mit dem er Röntgenstrahlen erzeugen konnte. Erst wenige Wochen zuvor, am 8. November 1895, hatte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) die später nach ihm benannten "X-Strahlen" entdeckt und sie im Januar 1896 erstmals einem größeren Fachpublikum vorgestellt.

Als William Coolidge am MIT Assistent in der Physikalischen Abteilung wurde, entschied er sich für das Fach Physik. Im Rahmen eines Forschungsstipendiums für Europa ging er an die Universität Leipzig, wo er im Juni 1896 bei Gustav H. Wiedemann (1826-1899) Physik studierte. Sein Doktorvater wurde der Physiker Paul Drude (1863-1906), Nachfolger von Wiedemann. Bei ihm promovierte Coolidge im Juli 1899 mit der Arbeit "Eine neue Methode zur Demonstration der elektrischen Drahtwellen" zum Dr. phil. mit Auszeichnung. Diese Arbeit trug er im gleichen Jahr auch auf der Jahreshauptversammlung der Deutschen Naturforscher und Ärzte in Düsseldorf vor. Darauffolgend veröffentlichte er "Über die elektrische Untersuchungen und elektrische Drahtwellen"; bis zu seiner Pensionierung folgten weitere 78 Publikationen. Im Winter 1898 begegnete Coolidge Röntgen, der – zu dieser Zeit Rektor der Universität Würzburg – Leipzig besuchte und dem er seine Dissertationsarbeit zeigen konnte. Röntgen war damals 53, Coolidge gerade 25 Jahre alt.

Im Herbst 1899 ging William Coolidge in die USA zurück und begann am MIT seine Forscher- und Lehrtätigkeit. 1905 folgte er einem Angebot, in das Laboratorium der General Electric Company in Schenectady (New York) einzutreten, dem ersten von der Industrie der USA gegründeten Forschungsinstitut. Hier vollendete er sein wissenschaftliches Lebenswerk.

Insbesondere die Arbeiten über das Wolfram, die Coolidge im Rahmen seiner Untersuchungen über die Metallurgie entwickelte, haben bis heute weltweite Auswirkungen. Der Schmelzpunkt dieses Metalls liegt bei 3.387 °C, doch ist es so spröde, dass es sich nicht ohne weiteres zu Drähten ziehen lässt. Das gelang erst Coolidge, der zunächst aus Wolframpulver dünne Stäbe presste, diese anschließend erhitzte und schmiedete und danach leicht ausziehen konnte. Ab 1908 wurden Wolframdrähte als Glühfäden in elektrischen Glühlampen eingesetzt, einige Jahre später auch als Katodenmaterial in Vakuumröhren. Die Wolframforschung hatte Coolidge um das Jahr 1910 auf die Idee gebracht, eine Wolframanode als Katode in Ionenröntgenröhren und in die ersten Verstärkerröhren einzusetzen.

1928 wurde William Coolidge stellvertretender Leiter der General-Electric-Forschungsanstalt und 1932 dessen Direktor. Nach 39 Jahren erfolgreicher Arbeit an diesem Institut wurde Coolidge 1944 emeritiert, hielt aber bis zu seinem Tod enge Verbindung mit den dort tätigen Wissenschaftlern.

Anlässlich der Verleihung der Röntgen-Plakette zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 1963 in Deutschland bedankte sich William Coolidge u.a. mit den Worten: "[...] Die Plakette bedeutet für mich etwas Besonderes, da sie aus Deutschland kommt, wo ich in Leipzig promovierte [...]"

Die Röntgen-Plakette – eine hoch angesehene und begehrte wissenschaftliche Auszeichnung – wurde 1951 von der heutigen Stadt Remscheid-Lennep (Röntgen wurde in Lennep geboren) gestiftet, und wird alljährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Forschung, Anwendung und Verbreitung der Röntgenstrahlen verdient gemacht haben.



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