Girolamo (Geronimo) Cardano

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 24. September 1501 in Pavia
† 21. September 1576 in Rom

Girolamo Cardano erblickte am 24. September 1501 im italienischen Pavia als uneheliches Kind das Licht der Welt. Er studierte von 1520 bis 1526 an den Universitäten von Pavia und Padua Medizin und Mathematik. In Pavia promovierte er 1526 im Fach Medizin. Die von Cardano angestrebte Anstellung am medizinischen Kolleg von Mailand wurde ihm nicht gewährt – vermutlich aufgrund seiner nicht legitimen Herkunft. Cardano praktizierte daher in den umliegenden Dörfern als Landarzt und übernahm schließlich eine Stelle als Dozent der Mathematik an der Piatti-Stiftung in Mailand. In dieser Zeit veröffentlichte er seine ersten beiden mathematischen Werke, denen weitere Publikationen zur Medizin, Astrologie und Mathematik folgten.

Nach mehreren erfolglosen Anträgen wurde Cardano 1539 – wohl auch durch den Einfluss reicher Fürsprecher – in das Mailänder Ärztekollegium aufgenommen. Den Ruf als erfolgreicher Praktiker erwarb sich Cardano durch die Heilung einiger prominenter Patienten. 1543 erhielt er eine Medizinprofessur an der Universität von Pavia, ab 1553 war er Professor für Medizin in Mailand und Pavia. Persönliche Schicksalsschläge bedingten 1562 Cardanos Wechsel an die Universität von Bologna. Nachdem er 1570 zunächst aufgrund von Verschuldung und schließlich wegen Ketzerei für einige Zeit inhaftiert worden war, ging er nach Rom, wo er in einer Pension des Papsts Aufnahme fand. Im römischen Ärztekolleg war Cardano bis zu seinem Tod im September 1576 tätig.

Girolamo Cardano verfasste im Lauf seines Lebens zahlreiche Schriften in den verschiedensten Wissenschaftsgebieten. Eingang in den heutigen Sprachschatz gewann Cardano durch seine Enzyklopädie der physischen, mechanischen und metaphysischen Welt "De subtilitate", in der er unter anderem die "Kardanische Aufhängung" beschrieb. Cardano wurde zum Namensgeber für das Kardangelenk und die Kardanwelle, die auch dem Autofahrer von heute ein Begriff ist. Eine Kardanwelle ist eine Sonderform der Gelenkwelle und wird zur Übertragung einer Drehbewegung genutzt.

Seinen herausragenden Ruf als Arzt festigte Cardano durch eine der bekanntesten Krankenheilungen des 16. Jahrhunderts. 1552 reiste er durch halb Europa bis nach Schottland, um den an Asthma erkrankten Erzbischof John Hamilton zu therapieren. Da Asthma zu damaliger Zeit nicht als eigenständiges Krankheitsbild galt und als Symptom vieler verschiedener Krankheiten angesehen wurde, gestalteten sich die Behandlungsmethoden vielfältig. So waren sowohl die Leibärzte des französischen Königs als auch die des deutschen Kaisers mit ihren Behandlungsmethoden erfolglos gewesen. Cardano therapierte den Erzbischof dagegen erfolgreich. Nachdem er den prominenten Patient einige Wochen beobachtet hatte, ersetzte er dessen Federbett durch Stroh, verordnete eine ausgewogene Kost, ausreichenden Schlaf und empfahl regelmäßige körperliche Aktivität. Tatsächlich erholte sich Erzbischof John Hamilton durch die Therapie und Cardano veröffentlichte den Fall in seinen "Consilia Medica", einer Sammlung von Krankengeschichten.

In der Mathematik spielt Cardano auch heute noch eine Rolle. Zum einen schrieb er "Das Buch der Glücksspiele" (Liber de Ludo Aleae), in dem die Grundlagen der mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorie enthalten sind. Vermutlich hatte Cardano schon vor der Niederschrift des Werks das Wahrscheinlichkeitsgesetz für seine Zwecke genutzt und beim Glücksspiel ausreichend Geld eingenommen, um das Medizinstudium aufnehmen zu können. 1545 wurde Cardanos bedeutendstes Werk veröffentlicht, das Algebrabuch "Ars maga de Regulis Algebraicis", in dem er Methoden zur expliziten Lösung von Gleichungen dritten und vierten Grades angab und die erste Rechnung mit komplexen Zahlen durchführte.

Neben Medizin und Mathematik versuchte Cardano, der Astrologie seinen Stempel aufzudrücken. Cardano ging davon aus, dass die Stirnfalten eines Menschen durch eine bestimmte Planetenkonstellation bestimmt würden. Aus der Gestalt der Stirnfalten versuchte er, das Schicksal der Person zu bestimmen. Cardano stellte aber nicht nur lebendigen Personen ein Horoskop aus, er veröffentlichte auch ein nachträgliches Horoskop für Jesus Christus. Kaum verwunderlich, dass Cardano mit dieser posthumen Spekulation einflussreiche Kirchenmänner erzürnte und 1570 ins Fadenkreuz der Inquisition geriet. Er wurde der Häresie angeklagt und eingekerkert. Aufgrund guter Kontakte und insbesondere durch die Einflussnahme von Erzbischof John Hamilton kam Cardano aber nach ein paar Monaten frei. Er verlor allerdings seine Professur in Bologna, das Recht zu publizieren und musste die Zwangsansiedlung in Rom hinnehmen.

Einen astrologischen "Erfolg" konnte Cardano allerdings in einer anderen Beziehung verbuchen bzw. erzwingen. In dem für sich selbst ausgestellten Horoskop prognostizierte Cardano den 21. September 1576 als eigenen Todestag. Sein Ableben am selbigen Tage ist aber kaum auf vermeintliche astrologische Genialität zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen Selbstmord.



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