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Karl Bonhoeffer

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 31. März 1868 in Neresheim (Württemberg)
† 4. Dezember 1948 in Berlin

Als Mitglied des Reichs- und Landesgesundheitsamts, des Senats des Heeressanitätswesens und des Erbgesundheitsobergerichts sah Karl Bonhoeffer – wie manch andere führende Psychiater – in vielen der von der Not der Nachkriegsjahre des Ersten Weltkrieges geprägten Antragstellern "wehleidige", "haltlose" Simulanten. Und diesen stand als einzig wirksame Therapie nur die Verweigerung der ohnehin mehr als kärglichen Rente zu. Das ist die eine, bedrückende Seite im Leben Bonhoeffers. Die andere, ehrende Seite ist die, dass Bonhoeffer in den Zeiten des Nationalsozialismus aktiven Widerstand gegen das Euthanasie-Programm und die Tötung psychisch Kranker geleistet hat. Hierin unterstützte er seinen 1906 geborenen Sohn Dietrich, der als protestantischer Theologe und Vorkämpfer in der Bekennenden Kirche im April 1943 aus dem Haus seines Vater geholt, und am 9. April 1945 als Widerstandskämpfer im Konzentrationslager Flossenbürg hinrichtetet wurde.

Im Jahre 1887 begann Karl Bonhoeffer an der Universität Tübingen mit dem Medizinstudium, das er 1889 in Berlin und München weiterführte und in Tübingen mit dem Staatsexamen beendete. 1892 erhielt er gleichzeitig das Doktordiplom und die Approbation. Nach kurzer Tätigkeit in Heidenheim folgten 20 Jahre in Breslau, die Bonhoeffer – mit Ausnahme der Zeit 1903/1904 in Königsberg und Heidelberg – hier als Leiter der Psychiatrischen Klinik und der Beobachtungsstation für geisteskranke Verbrecher zubrachte. 1897 habilitierte er sich dort, und hier entstanden auch seine wissenschaftlichen Arbeiten über Alkohol-, Degenerations- und symptomatische Psychosen, die seinen Ruhm begründeten und ihm 1912 das damals in Deutschland führende Ordinariat für Psychiatrie und Neurologie an der Berliner Charité einbrachten, das er bis 1938 innehatte.

Bonhoeffers wissenschaftliches Lebenswerk liegt in 98 Publikationen vor, die sich auf die Jahre 1894 bis 1948 verteilen. 30 Arbeiten gelten dem Gebiet der symptomatischen Psychosen, 40 weitere behandeln klinisch-neurologische, nahezu 20 beschreiben spezielle hirnlokalisatorische Themen und sieben Arbeiten sind dem klassischen Feld der "großen" Psychiatrie – den endogenen Psychosen – gewidmet. Drei Beiträge sind bedeutende Monographien, die Sondergebiete der Psychiatrie behandeln:

  1. Eine Studie über die akuten Geisteskrankheiten der Gewohnheitstrinker.
  2. Die Darstellung der Psychosen im Gefolge von akuten Infektionen, Allgemeinerkrankungen und inneren Erkrankungen.
  3. Die Abhandlung über die Geschichte der Psychiatrie der Charité im 19. Jahrhundert.

Sein Hauptwerk "Die Erbkrankheiten" erschien 1936; die 1947 als Fahnenabzug fertiggestellte Arbeit "Führerpersönlichkeit und Massenwahn" ging erst 1968 in Druck.

Bonhoeffer hat sich stets als Naturwissenschaftler und als ärztlicher Spezialist verstanden. Sein Hauptziel war es, die Psychiatrie als medizinisches Spezialfach im Gesamtgebiet der Medizin fest zu verankern und gleichzeitig aus einer reinen "Anstaltsmedizin" zu lösen. Daher war er darum bemüht, dass jeder werdende Arzt auch psychiatrischen Unterricht erhielt, und dass psychische Störungen nach Möglichkeit in nervenärztlichen und Allgemeinpraxen, in Ambulatorien und Polikliniken behandelt werden. Zu allen psychiatrischen Fragen, bei denen allgemeines öffentliches Interesse bestand, wurde Bonhoeffer als geschätzter Gutachter hinzugezogen. So beispielsweise zum Komplex der Renten-, Unfall- und Kriegsneurosen, zu den psychiatrischen Kriegserfahrungen, zum juristischen Terminus der "verminderten Zurechnungsfähigkeit" (die damals in das Strafgesetzbuch eingeführt wurde, und heute noch eine wichtige Rolle bei vielen Strafprozessen spielt), zur Bekämpfung des Morphinismus und Kokainismus, zu den psychiatrischen Aufgaben bei der Ausführung des am 1. Januar 1934 in Kraft getretenen "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses", zur Unfruchtbarmachung der "geistig Minderwertigen". Zu diesem Gesetz und zur Unfruchtbarmachung hat Bonhoeffer versucht, die negativen Auswirkungen durch Publikationen, psychiatrische Lehrgänge und "erbbiologischer Kurse" zu mildern.


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