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Ferdinand Blumenthal

Veröffentlicht von: Dr. med. Fabian Weiland (01. April 2014)

Internist, Krebsforscher

* 5. Juni 1870 in Berlin
† 6. Juli 1941 in Riga (Lettland)

Ferdinand Blumenthal hat sich auf dem Gebiet der Krebsforschung und Krebsbekämpfung in Deutschland bleibende Verdienste erworben. Als Mitglied des Komitees für Krebsforschung sowie Mitarbeiter und späterer Leiter des Krebsforschungsinstituts an der Berliner Charité hat Blumenthal drei Jahrzehnte lang die Geschichte der Krebsforschung in Deutschland mitbestimmt.

Ferdinand Blumenthal stammt aus einer jüdischen Familie und studierte in Freiburg/Breisgau, Straßburg, Zürich und Berlin Medizin. Blumenthal promovierte 1895 in Freiburg zum Doktor der Medizin. Ein Jahr später legte er das Staatsexamen ab und wurde Volontär an der 1. Medizinischen Universitätsklinik der Charité in Berlin. Ende 1896 wurde Ferdinand Blumenthal von der Direktion der Charité zum Oberarzt ernannt. Im Januar 1898 wurde er wissenschaftlicher Assistent an der 1. Medizinischen Klinik und zugleich Leiter des Klinisch-chemischen Laboratoriums. 1899 habilitierte sich Blumenthal bei von Leyden zum Privatdozenten. 1903 bis 1907 war er Leiter des Laboratoriums des Krebsforschungsinstituts an der Charité und übernahm ab 1904 die Leitung des Chemischen Laboratoriums der Poliklinik der 1. Medizinischen Klinik. 1905 erfolgte die Ernennung Blumenthals zum Titular-Professor. 1914 erhielt er vertretungsweise die Leitung des Krebsforschungsinstituts und 1917 wurde er mit der Ernennung zum außerordentlichen Professor auch dessen Direktor, das bis dahin der Pathologe Johannes Orth (1847-1923) geführt hatte.

Schon während seines Medizinstudiums forschte Ferdinand Blumenthal über chemisch-physiologische sowie bakteriologische Fragestellungen. Noch vor seiner Habilitation arbeitete er unter anderem über Tetanus, Bernsteinsäuregärung, Pentosediabetes und den Stoffwechsel der Pentosen, über die Abspaltung von Zucker aus Eiweiß, zur Serumtherapie bei Scharlach, Masern und bei der Pneumonie und über Erysipel.

Neben mehreren Arbeiten über Fäulnis, Cholera und Diphtherie wurde Ferdinand Blumenthal besonders durch seine Untersuchungen über die Serumtherapie des Tetanus bekannt, die er in den zwischen 1896 und 1898 durchführte. Auch seine Arbeiten über die nicht-diabetische Glykosurie aus dem Jahr 1902 und die pathologischen Veränderungen des Harns im Jahr 1903 fanden große Beachtung. Als Mitglied des Lehrkörpers hielt Blumenthal Vorlesungen unter anderem über Spezielle Pathologie und Therapie und über Krebsforschung. Während seiner Tätigkeit am Krebsforschungsinstitut publizierte Blumenthal eine Reihe von Arbeiten über Pflanzentumoren, über syngene und xenogene Transplantationen von Säugetiertumoren sowie die Monographie Die chemischen Vorgänge bei der Krebskrankheit, mit der er international bekannt wurde. Blumenthal war ebenfalls Mitherausgeber der Zeitschrift für Krebsforschung.

Ferdinand Blumenthals wichtigstes Anliegen galt den immer dringlicher werdenden Problem der Geschwulstkrankheiten. Als Mitglied des Komitees für Krebsforschung und Leiter des Krebsforschungsinstituts beteiligte sich Ferdinand Blumenthal nicht nur aktiv an dessen wissenschaftlichen Programmen, sondern trat insbesondere durch praktisch-organisatorische Initiativen zur Krebsbekämpfung hervor, wie z.B. die 1905 geschaffene Einrichtung einer Fürsorgestelle für Krebskranke an der Charité.

1915 gelang es Blumenthal, die Gründung einer Poliklinik für Geschwulstkranke an der Charité durchzusetzen, die eng mit der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, der 1. Medizinischen Klinik, der Chirurgischen und der Frauenklinik der Charité zusammenarbeitete. Aufgabe dieser Abteilung war besonders die Erfassung der Krebskranken, ihre Untersuchung und Behandlung, die Fürsorge in ihrem häuslichen Umfeld, eine fünfjährige Nachsorge, die Heranbildung des zur Krebsbehandlung geeigneten ärztlichen Nachwuchses und die wissenschaftliche Auswertung der Daten. Unter Ferdinand Blumenthals Initiative wurden außerdem eine Strahlenabteilung, eine Histologisch-hämotologische Abteilung, eine Abteilung für Experimentelle Zellforschung und eine Abteilung für Experimentelle Virusforschung geschaffen.

Im April 1929 wurde das Krebsforschungsinstitut vom Staat als etatmäßige Forschungseinrichtung übernommen. 1933 wurde die Entwicklung der Krebsforschung in Berlin und Deutschland durch die politischen Umwälzungen abrupt unterbrochen, viele Wissenschaftler wurden entlassen und Blumenthal im September 1933 zwangsemeritiert.






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