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August Karl Gustav Bier

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© iStock

* 24. November 1861 in Helsen (bei Kassel)
† 12. März 1949 in Sauen über Beeskow (Brandenburg)

August Bier erwarb sich besondere Verdienste in der Anästhesie, wobei er von ihm entwickelte Methoden der Schmerzausschaltung zuerst an sich selbst testete, wie zum Beispiel die Lumbalanästhesie. Bier nutzte auch die Hyperämie (Blutfülle) als heilende Maßnahme gegen Entzündungen und prägte den Begriff "Blutgefühl". Besonders nachdrücklich setzte sich für die Heilgymnastik, Leibesübungen und den Sport ein; seine Hinwendung zur Homöopathie ist allerdings umstritten. Eine Reihe heilkundlicher Verfahren tragen seinen Namen: "Bier-Operation" (Verfahren zur Verlängerung des Oberschenkels, osteoplastische Unterschenkelamputation und/oder osteoplastische Sequestrotomie im Tibialbereich), "Biersche Saugglocke" (zur Erzeugung einer Hyperämie zu Heilzwecken), "Biersche Stauung" (wiederholte leichte venöse Extremitätenstauung zur Erzielung einer Hyperämie), "Bier-Lumbalkanüle" (lange Punktionskanüle für die Lumbalpunktion).

August Bier, Sohn eines Registrators in Helsen, studierte von 1881 bis 1886 in Berlin, Leipzig und Kiel, wo er sich, von dem großen Chirurgen Friedrich von Esmarch (1823-1908) beeinflusst, der Chirurgie zuwandte. Nachdem Bier zuerst als Landarzt, danach als Schiffsarzt praktiziert hatte, trat er 1888 als Assistent in die Chirurgische Universitätsklinik Kiel ein, habilitierte sich dort 1889 und wurde 1894 Extraordinarius. Biers Arbeiten zur Lokalanästhesie begannen in Kiel, wo er mit der Injizierung von Kokain-Lösungen direkt in den Rückenmarkskanal begann, um damit die schmerzleitenden Nerven zwischen Gehirn und Unterkörper zu blockieren, also eine örtliche Betäubung des Unterkörpers herbeiführte. Durch diese von ihm entwickelte, an sich selbst erprobte und am 16. August 1898 erstmals an einem schwerkranken Patienten erfolgreich angewandte Lumbalanästhesie schlagartig bekannt geworden, erhielt Bier 1899 einen Ruf nach Greifswald. Von dort ging er 1903 nach Bonn und folgte dann 1907 einem Ruf als Nachfolger von Ernst von Bergmann (1836-1907), Vertreter der streng naturwissenschaftlich ausgerichteten Chirurgie, an die Chirurgische Universitätsklinik der Berliner Charité, wo er bis zu seiner Emeritierung 1932 erfolgreich wirkte.

In Berlin erwarb sich August Bier rasch auch den Ruf eines meisterhaften Chirurgen. Zahlreiche operationstechnische Verbesserungen, aber auch die Einführung des Stahlhelms im 1. Weltkrieg, gehen auf ihn zurück. Bereits 1912 hatte er das Rittergut Sauen (zwischen Beeskow und Fürstenwalde) erworben und nach der Devise "Die richtig gemischten Gegensätze fügen sich zur Harmonie" sein großes Waldexperiment begonnen, indem er anfällige Kiefernmonokulturen durch einen abwechslungsreichen gesunden Mischwald ersetzte. Seine auf die antike Naturphilosophie zurückgehenden Gedanken fasste August Bier 1939 in dem Buch "Die Seele" zusammen, das bis heute in zahlreichen Auflagen erscheint und auch außerhalb von Fachkreisen begeisterte Leser gefunden hat.

August Bier wird als "äußerlich zwar oftmals rauer, schroffer und zu Sarkasmen neigender, innerlich aber gütiger und außerordentlich gewissenhafter Mann" beschrieben. Seine Aussprüche über die eigene Profession zeigen seinen avantgardistischen Geist: "Jede Sache lässt sich von zwei Seiten betrachten, von einer wissenschaftlichen und einer vernünftigen", sagte er einmal. Oder auf sein Fach bezogen: "Wenn man in der Chirurgie etwas nicht kann, andere aber können es, so sagt man, es ist unchirurgisch." In Fachkreisen wurde seine Beschäftigung mit der Hyperämie nicht besonders hoch geschätzt – dies kommentierte er: "Man hat mir übelgenommen, dass ich mich auch mit anderen Dingen als der Chirurgie beschäftigt habe. Man glaubt anscheinend, dass der Mensch durch die Beschäftigung mit der Chirurgie so verdummt, dass er zu nichts anderem mehr zu gebrauchen ist."


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