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Emil von Behring

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

* 15. März 1854 in Hansdorf (Westpreußen; das heutige Ilawa in Polen)
† 31. März 1917 in Marburg (an der Lahn)

Emil von Behring ist der Entdecker des Diphtherie- und des Tetanus-Antitoxins und wurde somit zum "Retter der Kinder." Außerdem war er der Mitbegründer der modernen Immunitätslehre und Inhaber des ersten Nobelpreises im Jahr 1901 für Physiologie oder Medizin, wie der Preis offiziell hieß. Durch die "Behringsche Serumtherapie" verlor die Diphtherie ihre Schrecken. Diphtherie ist eine akute, durch Tröpfchenübertragung stark ansteckende Infektionskrankheit. Sie tritt vorwiegend im Kindesalter auf. Vor der "Behringschen Serumtherapie" lag die Sterblichkeit bei Diphtherie um 75 Prozent, bei Kehlkopfdiphtherie sogar bis 90 Prozent. Dank der Serumtherapie sank die Sterblichkeit auf ein Zehntel des Werts vor der Entdeckung Behrings. Durch die Einführung des Heilserums, vor allem durch Diphtherie-Massenimpfungen ab Anfang der 1920er Jahre, wurde Generationen von Menschen das Leben gerettet, und seit 1940 stirbt kaum noch jemand an dieser Infektionserkrankung.

Behring, Sohn eines Dorfschullehrers, studierte in Berlin an der Pépinière Medizin. An dieser militärärztlichen Akademie des preußischen Staats war die Ausbildung für begabte Schüler kostenlos. Anschließend ging Behring nach Bonn und später an die Charité in Berlin, wo er seine ärztliche Ausbildung fortsetzte. Von 1880 bis 1889 war er in Berlin als Militär- und Stabsarzt tätig. Ab 1888 arbeitete er am "Hygiene-Institut", und ab 1889 am "Institut für Infektionskrankheiten", wo er Assistent des großen Arztes und Bakteriologen Robert Koch (1843-1910) war und moderne Methoden der Bakteriologe erforschte. Bei Tierexperimenten am "Institut für Infektionskrankheiten" in Berlin gelangte Behring im Jahre 1889 zu der Erkenntnis, dass die Blutflüssigkeit (das Serum) Träger der Immunität von Tieren gegen gewisse Krankheiten sei. Im darauf folgenden Jahr machte er die Entdeckung, dass im Blut von an Diphtherie erkrankten Tiere ein Antitoxin entsteht, welches in der Lage ist, das Diphtherie-Toxin zu binden. Dies bedeutete: Nicht die Diphtherie-Bazillen selbst, sondern die von ihnen ausgeschiedenen Toxine, üben ihre verheerende Wirkung aus. Behring erkannte, dass diese Antitoxine bei bereits ausgebrochener Krankheit die körpereigene Abwehr unterstützen und somit einen Heilwert besitzen. Damit hatte er das Prinzip der passiven Immunisierung entdeckt, die er später auch bei der Tetanus-Infektion einführte. Damit war die Grundlage geschaffen, diese Eigenschaften der Blutflüssigkeit der Heilkunde dienstbar zu machen. Anlass boten insbesondere die verheerenden Auswirkungen der Diphtherie (besonders bei Kindern) und von Tetanus (besonders bei den Verwundeten auf den Kriegsschauplätzen).

Ende 1890 konnte Behring in seiner Eigenschaft als Stabsarzt erste Erfolge zur Heilung an Diphtherie erkrankter Tiere bekannt geben. In einem Aufsehen erregenden Artikel berichteten er und sein Instituts-Kollege, der japanische Arzt und Mikrobiologe Shibasaburo Kitasato (1856-1931) aus Tokio, am 4. Dezember 1890 in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" erstmals einem größeren Kreis "Ueber das Zustandekommen der Diphtherie-Immunität und der Tetanus-Immunität bei Thieren". In dem Beitrag wiesen Behring und Kitasato die Rolle der Antitoxine nach, die sich im Blutserum bilden und die von den Erregern ausgeschiedene Toxine neutralisieren. Den zweiten Teil des Artikels in der darauffolgenden Woche, der die Blutserumtherapie von Diphtherie betraf, veröffentlichte Behring allein. Zur Gewinnung größerer Mengen antitoxinhaltigen Serums begann Behring im Jahre 1891 mit dem Arzneimittelforscher und Begründer der modernen Chemotherapie, Paul Ehrlich (1854-1915), eine fruchtbare Zusammenarbeit. In Ehrlichs Berliner Privatlabor gelang es den beiden, reines hochkonzentriertes Serum herzustellen, und bald eine fast kommerzielle Produktion aufzubauen. Ab Anfang 1893 wurde das Serum durch Johann Otto Leonhard Heubner (1843-1926) in "ausgezeichneten Resultaten" angewandt. Behring ging als "Retter der Kinder" in die Medizingeschichte ein. Ein Jahr zuvor waren noch 50.000 Kinder allein in Deutschland an Diphtherie verstorben. Im November 1894 konnte in den Farbwerken in Hoechst eine Großanlage zur Herstellung des Diphtherie-Serums in Betrieb genommen werden. Die Wertbestimmungen und Kontrolle des Serums legten Behring und Ehrlich fest, die Aufsicht bei der Herstellung und dem Vertrieb oblag staatlichen Behörden. Schon Ende des Jahrs war die Diphtheriesterblichkeit durch Anwendung des Behringschen Heilserums in Deutschland auf 24 Prozent gesunken. Deutschland war das erste Land, in dem das Diphtherie-Heilserum behördlich "verordnet" wurde; Frankreich und England beispielsweise folgten 1895. Streitsucht und übermäßiges Geltungsbedürfnis sowie Prioritätsstreitigkeiten, die Behring nach eigenen Aussagen "mit aller gebotenen Rücksichtslosigkeit" führte, überschatteten sein weiteres Wirken in Berlin. 1893 ging er nach Halle, wo er ein Jahr später den Professorentitel bekam. 1895 erhielt Behring einen Ruf an das Hygiene-Institut nach Marburg, dessen Direktor er bis zu seinem Tode war.

1901 erhielt der in diesem Jahr geadelte Behring als erster Arzt der Welt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin – vier Jahre vor seinem großen Lehrer Robert Koch (1843-1910). Diese Ehrung wurde ihm zuerkannt "für seine Arbeiten über Serumtherapie und besonders für deren Anwendung gegen Diphtherie, mit denen er der medizinischen Wissenschaft neue Wege erschloss und dem Arzt eine erfolgreiche Waffe im Kampf gegen Krankheit und Tod gegeben hat". Das Thema seiner am 12. Dezember in Stockholm gehaltenen Nobelpreisvorlesung lautete: "Die Serumtherapie in der Heilkunde und Heilkunst."

Die Entwicklung von Heilseren und Impfstoffen machten Behring zu einem wohlhabenden Mann. 1904 gründete er in Marburg die nach ihm benannten Behring-Werke, die schon bald Diphtherie- und Tetanus-Seren in großen Mengen produzierten. Auf Befehl der deutschen Heeresleitung wurden ab Oktober 1915 alle verwundeten Soldaten gegen Wundstarrkrampf mit Tetanus-Impfstoff geimpft. Behrings letzte Lebenszeit war von den Schatten der Depression verdunkelt. Schmerzhafte Neuralgien hatten ihn an den regelmäßigen Gebrauch von Narkotika gewöhnt. Behring starb an den Folgen einer Lungenentzündung in Gegenwart des Internisten Gustav von Bergmann (1878-1955), der die letzte Nacht bei ihm verbrachte.


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