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Christiaan Neethling Barnard

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 8. November 1922 in Beaufort (Südafrika)
† 2. September 2001 auf Zypern

Am 3. Dezember 1967 begann in der Transplantationschirurgie ein neues, zunächst umstrittenes Betätigungsfeld: die Herztransplantation. An diesem Tag erhielt der 55-jährige Patient Louis Washkansky im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt (Südafrika) in einer fünfstündigen Operation das Herz eines anderen Menschen an Stelle des eigenen, nicht mehr leistungsfähigen Herzens. Spender war Deenise Ann Darvall, die wenige Stunden zuvor im Alter von 25 Jahren verstorben war. An der Operation wirkte eine dreißigköpfige medizinische Gruppe unter Leitung des Chirurgen Christiaan Barnard mit. Washkansky starb am 21. Dezember 1967 an einer Lungenentzündung als Folge der Abstoßungsreaktion gegen das körperfremde Gewebe.

Barnard wurde am 8. November 1922 im Wüstenstädtchen Beaufort-West als Sohn eines protestantischen Missionars geboren. Nach vollendetem Medizinstudium sowie erfolgreicher Promotion und Assistenzzeit in Kapstadt ging Barnard in die USA bzw. an die Universität von Minnesota. Dort erst bekam er eine chirurgische Fachausbildung. In Minnesota führte er auch seine erste Herzoperation durch, bevor er 1958 wieder nach Kapstadt zurückkehrte. Dort arbeitete Barnard zunächst kurze Zeit als praktischer Arzt, bevor er chirurgischer Assistenzarzt wurde und schließlich zum Direktor der "Medical School" der Universität Kapstadt berufen wurde. Im Alter von 40 Jahren schließlich ernannte man ihn zum Professor für Thoraxchirurgie.

Bis zu seiner ersten Herztransplantation im Jahre 1967 hatte Barnard bereits etwa tausend Herzoperationen vorgenommen. Die mit der Operation am Herzen verbundenen speziellen Operationstechniken, wie spezielle Gefäßnahttechniken, sowie die Wirkung von Medikamenten am isolierten Herzen hatte Barnard ab 1963 in Tierversuchen getestet und daraufhin weiterentwickelt. In diesem Zusammenhang arbeitete er zeitweise auch eng mit dem Moskauer Chirurgen Wladimir Demichow zusammen, der mit der Verpflanzung von Hundeherzen und -köpfen experimentierte.

Am 3. Dezember 1967 schließlich gelang dem Barnard erstmalig die Transplantation eines Spenderherzens; der fünfstündige Eingriff, den er selbst als "Sprung ins kalte Wasser" bezeichnete, machte Barnard zu einem der populärsten Mediziner seiner Zeit. Im Lauf der Jahre führte Barnard zusammen mit seinem Team im Kapstädter Groote-Schuur-Krankenhaus 420 Herztransplantationen durch; die von ihm angewandte Technik wurde bisher bei 40.000 Herztransplantationen angewandt.

1983 musste Barnard seine Operationstätigkeit als Folge einer schweren Arthritis aufgeben. Stattdessen kümmerte er sich anschließend um die Christian-Barnard-Foundation für herzkranke Kinder in aller Welt, wurde Leiter einer Klinik auf der griechischen Insel Kos und befasste sich als Wissenschaftler in Oklahoma mit Alterungsproblemen.

Der Vater von insgesamt sechs Kindern, die er mit drei verschiedenen Frauen hatte, beschrieb sich selbst mit folgenden Worten: "Ich liebe die Menschen, ich liebe die Frauen und den Spaß am Leben. Ich gehe gern auf Partys." Passend zu diesem Lebensmotto führte er auch in seinem Buch "50 Wege zu einem gesunden Herzen" das Lachen als einen der möglichen Wege an und rät: "Alles, was das Leben glücklicher macht, ist gut für den Menschen. Deswegen ist Sex auch gut fürs Herz." Getreu diesem Motto brüstete er sich in seiner Autobiographie auch mit zahlreichen Eroberungen.

Die internationale Verehrung um seine Person hat Barnard einmal folgendermaßen erklärt: "Das Herz gehört zum Leben, zum Tod, zum Lieben und sogar zur Seele. Es fasziniert die Menschen, dass Du das Herz aus jemandem herausnehmen kannst, der tot war und es jemandem einpflanzen kannst, der damit weiterlebt."

Am 2. September 2001 starb Barnard im Alter von 78 Jahren an einem tödlichen Asthma-Anfall während seines Urlaubs auf Zypern.

Während damals Washkansky die erste Herztransplantation nur um 18 Tage überlebte, ist heute der operative Ersatz eines geschädigten Herzens durch das Herz eines verstorbenen Spenders mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 80 Prozent ein etabliertes Therapieverfahren. Dies ist vor allem auch auf die Weiterentwicklung der immunsuppressiven Therapie zur Verringerung der stets entstehenden Abstoßungsreaktionen zurückzuführen. Bei der Spenderauswahl kommen vor allem Verletzte mit tödlichem Schädel-Hirn-Trauma ohne schwere Schädigung von Organsystemen infrage. Kriterium für die Entnahme des Spenderherzens ist zunächst die sichere Feststellung des Tods des Spenders (in der Regel Hirntodbefund durch objektive Mittel) durch zwei Ärzte, die in keinem Abhängigkeitsverhältnis zum transplantierenden Chirurgen(team) stehen dürfen. Die Untersuchung und Entnahme des Herzens setzt in der Bundesrepublik Deutschland das Vorliegen einer testamentarischen Verfügung beziehungsweise das Einverständnis der Angehörigen des Verstorbenen voraus.


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