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Al-Razi

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

Abu Bakr Muhammad ibn Zakariya' al-Razi; auch: Ar-Razi, Rhazes

* 28. August 865 in Raj (auch: Ray), bei Teheran (Persien; heute Iran)
† 27. Oktober 925 in Raj

Al-Razi gilt neben Abu Ali al-Hussein Ibn Abdallah Ibn Sina (Avicenna) als der größte orientalische Arzt des Mittelalters und wird daher im muslimischen Raum ehrfürchtig der orientalische Hippokrates genannt. In der Tat hat der Arztphilosoph Al-Razi in unzähligen Fachbeiträgen über die unterschiedlichsten Themen sowohl die islamische Welt als auch Westeuropa in der Heilkunde, Alchemie, Philosophie, Astronomie und Theologie beeinflusst. Al-Razis großes Verdienst liegt vor allem darin, dass er den von dem altgriechischen Arzt Claudius Galenus (Galen; 129-199) in 250 Einzelschriften niedergelegten medizinischen Wissensschatz kompendienartig strukturierte und in mehreren Lehrbüchern und Enzyklopädien (Liber ad Almansorem) zusammenfasste. Damit schuf Al-Razi einen umfassenden Lehrstoffplan für den medizinisch-theoretischen Unterricht für Ärzte und Studenten, der in seiner lateinischen Übersetzung auch im Abendland bis weit in das 16. Jahrhundert benutzt und geschätzt wurde.

Schon als Kind interessierte sich Al-Razi für Wissenschaften, Sprachen und Musik. Erst im Alter von 30 Jahren nahm er medizinische Studien auf, die er 898 in Bagdad abschloss und anschließend im Krankenhaus in seiner Heimatstadt Raj erweiterte. Hier wurde er durch seine Leistungen rasch bekannt, sodass ihn der Kalif von Bagdad an seinen Hof holte und zum Direktor des dortigen Krankenhauses ernannte. Bis zu seinem Tode – der Überlieferung nach durch eine falsch dosierte Opiumgabe eines Sklaven – genoss Al-Razi nicht nur den Ruf eines herausragenden Klinikers sondern auch eines außergewöhnlich kenntnisreichen Naturkundlers und Literaten.

Obwohl sich Al-Razi an die Autoritäten Aristoteles (384-322 v. Chr.), Galen und Hippokrates (um 460-370 v. Chr.) anlehnte, hat er doch immer kritische Distanz zu ihnen gewahrt und eine Vielzahl eigenständiger klinischer Beobachtungen und Krankheitsbilder beschrieben. Al-Razi verfasste nicht nur 33 Krankengeschichten – unter anderem über Blinddarmentzündung, Durchfall und Krampfanfälle in der Schwangerschaft –, sondern beschrieb erstmals in der Medizin zwei Krankheiten minutiös: Die Pocken und Masern. Daneben hinterließ Al-Razi eine Liste der einfachen Heilmittel mit 829 Stichwörtern. In dem nach Al-Razis Tod von seinen Schülern zusammengestellten Enzyklopädie Das umfassende Buch (Liber continens), das ursprünglich 20 Bände beinhaltete, von denen noch zehn erhalten sind, wird das Wissen der griechischen Ärzte der Antike und der zeitgenössischen orientalischen sowie indischen Mediziner vermittelt.

Viele seiner für die damalige Zeit und dem Naturverständnis neuartigen Erkenntnissen erwarb Al-Razi allein durch Beobachtung und Vergleich des gesunden und kranken Menschen. So benutzte er Alkohol zur Reinigung von Wundstellen, ohne allerdings um dessen desinfizierende Wirkung zu wissen. Al-Razi stellte eine Sehtheorie auf, in der er nicht nur als Erster die Pupillenreaktion des Auges auf Lichteinfall darstellte, sondern legte auch dar, dass die Luft die Bilder überträgt, und diese durch den "hohlen Sehnerv" die Hirnkammern erreichen. Das Gehirn apostrophierte er als den Sitz der "Lebensgeister" und als das physische Instrument der Seele. Auch in der Zahnmedizin leistete Al-Razi Entscheidendes: So machte er bestimmte Nervenreizungen für den gefürchteten "Zahnwurm" (Zahnschmerzen) verantwortlich und modifizierte zu dessen Betäubung die damals bekannten Räuchermethoden, verordnete Ätzmittel zur Zahnlockerung und empfahl das Füllen kariöser Zähne.

In seinen Schriften zur Alchemie beschrieb Al-Razi ihre Substanzen, Apparaturen und Arbeitsverfahren erstmals in wissenschaftlicher Systematik und ordnete die Alchemie damit in die naturphilosophisch geprägte Vorstufe der neuzeitlichen pharmazeutischen Chemie ein. Darüber hinaus nahm Al-Razi in seinen Beiträgen auch zu Fragen der ärztlichen Ethik Stellung und beurteilte Praktiken seiner Ärztekollegen kritisch. Al-Razi vertrat die für seine Zeit ungewöhnliche Meinung, man solle sich für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Wissenschaften einsetzen und er vertrat die Akzeptanz der Theorie, dass alle Dinge aus Atomen aufgebaut seien.


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