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Alfred Adler

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. April 2014)

© Getty Images

* 7. Februar 1870 in Rudolfsheim bei Wien
† 28. Mai 1937 in Aberdeen (Schottland)

Von Adler, dem Begründer der Individualpsychologie, der den menschlichen Haupttrieb im Macht- und Geltungsstreben sah, stammen die modernen und aktuellen Begriffe wie:

  • "Gemeinschaftsgefühl", also die Vorstellung, dass der Mensch von Natur aus kooperativ veranlagt ist und dass jeder Einzelne fest in die Gesellschaft eingebettet ist,
  • "Lebensstil", der Hang des Menschen, im Voraus seine eigene Lebensgeschichte gleichsam zu schreiben,
  • "Minderwertigkeitskomplex", das aus der Kindheit herrührende Empfinden, eine winzige Person in einer Welt von Riesen zu sein, die der Mensch in der Regel zeitlebens mit aller Raffinesse bekämpft,
  • "Überkompensation", ein Mechanismus, der aus Schwächen Stärken werden lässt,
  • "Aggressionstrieb", die Verhaltensweise, bei der ein Lebewesen ein anderes bedroht. Später milderte Adler diesen Terminus in "Geltungsstreben" ab.

Seine ausgeprägte Angst vor dem Tod bestimmte Adler, Arzt zu werden – die beste Möglichkeit, wie er meinte, dem Tod entgegenzuwirken. 1937 brach er auf einer seiner Vortragsreisen auf der Straße zusammen und starb an einem Herzanfall. Adler studierte in Wien Medizin und arbeitete nach seiner Promotion an der Wiener Universität zunächst mehrere Jahre als Augenarzt in einem Krankenhaus und eröffnete im Jahre 1900 eine Privatpraxis für Allgemeinmedizin in der Nähe des Praters. Sehr bald stellte er fest, dass viele körperliche Leiden, über die seine Patienten klagten, mit den herkömmlichen medizinischen Mitteln nicht zu beheben waren.

Um seinen Patienten besser helfen zu können, studierte er Psychiatrie. Während dieser Zeit, im Jahre 1902, stieß Adler zum Kreis von Sigmund Freud (1856-1939), dem "Vater der Psychoanalyse", wie er schon damals bisweilen ehrfurchtsvoll genannt wurde. Nahezu zehn Jahre lang verband die beiden Männer ein freundschaftliches Lehr- und Arbeitsverhältnis. Doch am Ende ihrer im großen und ganzen zwiespältigen Beziehung waren ihre unterschiedlichen Ansichten zu Grundfragen des psychologischen Denkens unüberbrückbar geworden, und sie wurden erbitterte Feinde. Adler glaubte nicht wie Freud daran, dass Störungen der kindlichen Sexualität Ursache seelischer Probleme im Erwachsenenalter seien. Freud widersprach Adlers Idee vom Aggressionstrieb, bis er sie später doch übernahm und in seine Theorie vom "Todestrieb" einfügte, worauf Adler sarkastisch vermerkte, er schätze sich glücklich, dass er ihm dieses Geschenk habe machen dürfen. Ebenso lehnte Adler Freuds patriarchalische Auffassung ab. In Adlers Augen waren Frauen und Männer von Natur aus gleichwertig und ihre Unterdrückung zum Schaden beider Geschlechter. Ein nicht unwichtiger Grund für das Zerwürfnis war zudem Freuds "Technik", seine Schüler, Mitarbeiter und Freunde wie Patienten zu behandeln und sie damit herabzusetzen.

1911 verließ Adler Freud und seinen orthodoxen psychoanalytischen Zirkel und begründete mit dem "Verein für Individualpsychologie" eine eigene tiefenpsychologische Schule, die auf Grundlage der Psychoanalyse die moderne Humanistische Psychologie bald entscheidend beeinflusste. Er war damit der erste Schüler, Mitarbeiter und Freund Freuds, der dem Begründer der Psychoanalyse den "Rücken kehrte". Seit 1926 lebte Adler mit seiner Ehefrau, Raissa Timofejewna, einer Russin und einer leidenschaftlichen Gegnerin der Zarenregierung in Russland, und seinen vier Kindern die meiste Zeit in den USA und lehrte als Gastprofessor an der Columbia University und dem Long Island College of Medicine, wenn er nicht gerade auf einer Vortragsreise außerhalb der Staaten war. 1935 siedelte er mit seiner Familie ganz in die Vereinigten Staaten über.

Adler glaubte an die Gleichwertigkeit aller Menschen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er Verhaltensweisen, die er "Körpersprache" nannte. So mussten sich zum Beispiel seine Patienten nicht – wie bei Freud – auf eine Couch legen, sondern saßen, wie er selbst, gleichberechtigt auf einem Stuhl. Es kam auch vor, dass sich Adler zu Füßen eines Kinds hinsetzte, damit es sich nicht so klein vorkam und seine Angst verlor. Adler legte in seiner Analyse der individuellen Entwicklung den Schwerpunkt nicht auf sexuelle Triebe, sondern auf das Minderwertigkeitsgefühl als motivierende Kraft im Menschen. Ihm zufolge sind bewusste und unbewusste Gefühle und Handlungen der Minderwertigkeit mit kompensierenden Abwehrmechanismen grundlegende Ursachen für das psychopathologische Verhalten. Entsprechend ist es die Aufgabe des Psychiaters oder Psychoanalytikers, solche Gefühle zu identifizieren, rational zu erklären und so den beim Patienten erzeugten kompensatorischen neurotischen Willen zur Macht aufzubrechen.

1914 bis 1937 war Adler Herausgeber der "Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie", mit der er seine Richtung von der Psychoanalyse Freuds abgrenzte, und die rasch ein wichtiges Publikumsorgan seiner Lehre wurde und auch außerhalb der Fachkreise Beachtung fand. Zu seinen Hauptwerken gehören unter anderem "Studie über die Minderwertigkeit von Organen" (1907), "Über den nervösen Charakter" (1912), "Menschenkenntnis" (1927; wohl sein wichtigstes Werk) und "The Pattern of Life" (1930).


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