Weibliche Sexualität ab 45: Einflüsse auf die Sexualität ab 45

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. September 2016)

Wie Sexualität im Alter erlebt wird, hängt von der gesamten Lebensgeschichte ab und ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Auch das Alter selbst wirkt sich individuell auf die weibliche Sexualität aus: Manche Frauen sind im Alter sexuell weniger erregbar als zuvor, verlieren den Spaß am Sex oder gar jegliches sexuelles Interesse. Andere sind mit ihrem Sexualleben nach wie vor zufrieden oder finden es sogar besser als vorher.

Wer in der Vergangenheit gelernt hat, ein zufriedenstellendes Sexualleben zu führen, hat mit großer Sicherheit auch mit zunehmendem Alter keine Probleme damit. Nicht erst ab 45 ist eine positive Einstellung zur Sexualität grundlegend, um diese freudvoll ausleben zu können.

Menopause

Gerade zu Beginn der Wechseljahre haben nicht wenige Frauen mit einem veränderten Selbstbild zu kämpfen und fürchten, an weiblicher Anziehungskraft einzubüßen. Hinzu können gesundheitliche Probleme und Veränderungen ihrer beruflichen und familiären Situation kommen, mit denen sie erst einmal klarkommen müssen. Einige Frauen haben auch – in der Regel unbegründet – Angst vor der Menopause und den hormonellen Veränderungen, die etwa ab 45 auf sie zukommen. Dabei ändert sich die weibliche Sexualität durch die Wechseljahre gar nicht so sehr.

Entsprechend sehen andere Frauen die Wechseljahre als normale Lebensphase an: Sie fühlen sich auch nach der Menopause noch unverändert attraktiv und weiblich. Manche empfinden den Wandel sogar als Gewinn – sie erlangen mehr Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen.

Viele Frauen erleben die Menopause als Erleichterung, denn sie können ihr Sexualleben nun viel freier ausleben: Keine lästige Regelblutung mehr und die dazugehörigen monatlichen Hygienemaßnahmen fallen auch weg. Für Frauen, die vorher besonders starke und/oder schmerzhafte Regelblutungen hatten (z.B. wegen einer Endometriose), steigt die Lebensqualität dadurch sogar erheblich. Hinzu kommt, dass die Frauen keine ungeplanten Schwangerschaften mehr befürchten müssen.

Allerdings kann es nach der Menopause zu Beschwerden wie einer trockenen Scheide kommen, was den Geschlechtsverkehr unangenehm oder schmerzhaft machen kann. Hier können zum Beispiel Gleitmittel einfache Abhilfe schaffen.

Wenn sich die weibliche Sexualität ab 45 ändert, kann das also nicht nur an der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren liegen. Neben der Menopause spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle – beispielsweise familiäre und gesellschaftliche Einflüsse sowie die Situation in der Partnerschaft.

Elternhaus

Ob und wie Frauen ihre Sexualität ausleben, hängt auch damit zusammen, wie die Eltern Sexualität vorgelebt haben beziehungsweise wie offen die Eltern damit umgegangen sind. Wer in einem sehr konservativen Elternhaus aufgewachsen ist, in dem das Thema eher totgeschwiegen oder nur verschämt besprochen wurde, wird sich unter Umständen mit einem freudvollen und aktiven Sexualleben schwer tun. Eine gesunde Sexualerziehung ist für das gesamte Sexualleben förderlich.

Partnerschaften

Ebenso prägend sind die erlebten Partnerschaften einer Frau. Positive Erfahrungen in jungen Jahren sind sicherlich förderlich für das sexuelle Erleben sowie auch für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Nicht weniger wichtig ist jedoch, wie die Partner in der aktuellen Partnerschaft miteinander umgehen. Vor allem wie der Lebenspartner die langsam sichtbaren Zeichen des Älterwerdens wahrnimmt und bewertet, hat bei vielen Frauen großen Einfluss auf das eigene Erleben des Alterns beziehungsweise des alternden Körpers und der Sexualität.

Wenn eine Frau ab 45 die Erfahrung machen muss, dass sich ihr Partner nicht für ihre Wechseljahre interessiert und entsprechend wenig Verständnis zeigt, wirkt sich das bestimmt nicht positiv auf das gemeinsame Sexualleben aus. Weiß der Mann hingegen die eigene Partnerin und ihren Körper in sexueller Hinsicht zu schätzen und gibt er ihr das Gefühl, attraktiv zu sein, fördert dies letztendlich ihr Selbstbewusstsein. Frauen, die ihrem eigenen Körper positiv gegenüber stehen und sich so akzeptieren können, wie sie sind, erleben eine befriedigendere Sexualität.

Die Pille

Seit den 1960er Jahren ist die Antibabypille als Verhütungsmittel nicht mehr wegzudenken. Und sie hat viel für die Frauen verändert. Denn sie ermöglichte es ihnen, sich aus starren und traditionellen Rollenbildern zu lösen. Frauen konnten nun selbst bestimmen, ob sie Kinder bekommen wollten und vor allem wann. Dadurch ergab sich auch ein sexueller freieres Leben. Gleichzeitig begannen Frauen vermehrt, Berufe zu ergreifen und ihre Lebenspläne selbstständiger zu bestimmen. Diese neue, selbstbewusstere Rolle der Frau hat auch Veränderungen im sexuellen Verhalten älterer Frauen heute angestoßen.

Gesellschaft

Das gesellschaftliche Bild der weiblichen Sexualität ab 45 ist trotz allem immer noch relativ festgefahren und kommt selten zur Sprache. Und das, obwohl Frauen ihr Sexualleben in der Regel ungeachtet ihres jeweiligen Lebensalters aktiv ausleben. Dabei ist es gar nicht so leicht, der gesellschaftlichen Wahrnehmung entgegen zu leben. Denn die setzt mit einer attraktiven Frau meist auch das Attribut jung gleich. Erste Falten und ergrauendes Haar scheinen bei Frauen von den meisten jedoch immer noch selten als attraktiv empfunden zu werden.

Das sieht bei Männern ganz anders aus. Bei ihnen steht Älterwerden sexueller Aktivität nicht im Weg und ist gesellschaftlich mehrheitlich akzeptiert. Wenn ein älterer Mann eine jüngere Freundin hat, wird sich kaum jemand deswegen auf der Straße umdrehen. Eine ältere Frau mit einem jüngeren Lebensgefährten ist dagegen für viele eher ein Stein des Anstoßes. Doch langsam beginnt sich dieses Bild zu wandeln.

Verfügbare Partner

Um die 50 wird es noch nicht stark auffallen. Tatsache ist aber, dass Frauen statistisch gesehen zunehmend länger leben als Männer (in Deutschland gibt es fünfmal so viele Witwen wie Witwer) – und dadurch unter Umständen ihren langjährigen Lebenspartner verlieren. Umfragen zeigen, dass viele Frauen in fortgeschrittenem Alter sexuelle Bedürfnisse haben und gern sexuell aktiv wären, es aber schwer haben, gleichaltrige Partner zu finden. Zudem ist nur ein Drittel der Frauen bereit, sich trotz ihrer Bedürfnisse nach einem Partnerverlust im Alter neu zu binden. In Zusammenhang mit dieser Bevölkerungsentwicklung und der sexuellen Emanzipierung der Frau nimmt allerdings die Zahl derjenigen älteren Frauen, die sich einen jüngeren Partner suchen, langsam zu.


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