Vitamin B12 (Cobalamin): Vitamin-B12-Mangel

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. November 2016)

Ursachen

Ein Vitamin-B12-Mangel kann bei ansonsten Gesunden entstehen, wenn sie über lange Zeit (bis zu mehrere Jahre) kein oder zu wenig Vitamin B12 (Cobalamin) aufnehmen. Denn die Leber speichert Vitamin B12 in einer Menge, die für circa drei Jahre den Bedarf des Körpers deckt.

Auf diese Weise tritt zum Beispiel – sofern nicht für geeigneten Ersatz an Vitamin B12 gesorgt ist (z.B. über Nahrungsergänzungsmittel oder Vitamin-B12-Spritzen) – bei einer bestimmten Gruppe von Vegetariern häufig ein Vitamin-B12-Mangel auf: Veganer verzichten auf alle tierischen Produkte, sie konsumieren also weder Fisch, Fleisch oder Innereien noch Milch, Milchprodukte oder Eier. Sofern eigentlich keine Gesundheitsprobleme bestehen, macht sich bei ihnen ein Vitamin-B12-Mangel unter Umständen erst nach 10 bis 15 Jahren bemerkbar, leichte Mangelerscheinungen treten möglicherweise schon nach 5 bis 10 Jahren auf.

Anders sieht es aus, wenn Betroffene zwar Vitamin B12 über die Nahrung zu sich nehmen, ihnen aber der sogenannte intrinsische Faktor (IF) fehlt. Dieses Eiweiß bindet normalerweise im Verdauungstrakt an Vitamin B12 und sorgt dafür, dass es über die Zellen der Darmschleimhaut aufgenommen wird. Fehlt der intrinsische Faktor, kann ein Vitamin-B12-Mangel entstehen, obwohl theoretisch eine ausreichend Versorgung über die Nahrung gegeben ist. In solch einem Fall macht sich der Mangel meist nach etwa 3 bis 5 Jahren bemerkbar.

Daneben kann es – unabhängig davon, wie viel Vitamin B12 ein Mensch mit der Nahrung aufnimmt – zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen, wenn bestimmte Erkrankungen am Verdauungstrakt bestehen. Denn der Verdaungstrakt spielt eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung:

  • Freies Vitamin B12 aus der Nahrung bindet bereits im Speichel an ein Eiweiß nahmens Haptocorrin. Dieses Eiweiß schützt das Vitamin vor der Magensäure.
  • Gebundenes Vitamin B12 aus der Nahrung wird im Magen durch das Verdauungsenzym Pepsin freigesetzt und bindet dann ebenfalls an Haptocorrin.
  • Der Komplex aus Vitamin B12 und Haptocorrin wandert weiter in den Darm.
  • Im oberen Dünndarm bindet Vitamin B12 an ein weiteres Eiweiß, den intrinsischen Faktor.
  • Im unteren Dünndarm bindet der Komplex aus intrinsischem Faktor und Vitamin B12 an Rezeptoren auf den Zellen der Darmschleimhaut.
  • Als Reaktion wird Vitamin B12 in die Zellen geschleust und gelangt von dort in die Blutbahn.

Neben Erkrankungen von Magen, Darm oder Bauchspeicheldrüse kann eine langjährige Fehlernährung einen Vitamin-B12-Mangel verursachen. Bei älteren Menschen mit Magenschleimhautschwund – der häufig Folge einer chronischen Magenschleimhautentzündung des Typs A ist (Typ-A-Gastritis) – und Menschen, deren Magen (teilweise) entfernt wurde, liegt häufig ein Vitamin-B12-Mangel vor.

Der regelmäßige Genuss von Alkohol, kann dazu führen, dass der Körper weniger Vitamin B12 aus der Nahrung aufnimmt und dadurch zu einem Vitamin-B12-Mangel beitragen. Das Gleiche gilt für die Einnahme bestimmter Medikamente – hierzu zählen vor allem Medikamente aus der Gruppe der:

Als Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel gelten außerdem

Symptome

Ein stark ausgeprägter Vitamin-B12-Mangel zeigt folgende Symptome, die sich teils auf eine Blutarmut und teils auf geschädigte Nerven zurückführen lassen:

Diagnose

Der Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel kann sich aufgrund der Symptome ergeben; nachweisen lässt sich der Mangel durch eine Blutuntersuchung.

Behandlung

Ein Vitamin-B12-Mangel erfordert eine Therapie, um die Vitamin-B12-Speicher wieder aufzufüllen, die Blutbildung zu normalisieren und keinen weiteren Schaden an Nerven und anderen Organen hervorzurufen. Dies geschieht in der Regel (zumindest zu Beginn) in Form von Vitamin-B12-Spritzen oder aber durch die Einnahme von Vitamin B12 als Kapsel oder Tablette. Je nach Ursache des Mangels kann die künstliche Zufuhr von Vitamin B12 jahre- bis lebenslang sinnvoll sein.