Selen: Überdosierung und Vergiftungen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (05. November 2015)

Inwieweit Selenverbindungen giftig sind, hängt davon ab, wie gut der Magen-Darm-Trakt die jeweiligen Verbindungen aufnimmt (resorbiert) und an das Blut abgibt.

Die Verbindungen Selenit, Selenat und Selenoaminosäuren werden beispielsweise besonders gut aufgenommen. Elementares Selen und stabile Metallselenide resorbiert der Magen-Darm-Trakt dagegen nur schlecht. Konkrete Angaben über die giftigen Konzentrationen der einzelnen Selenverbindungen gibt es in der Literatur nur unzureichend, es werden lediglich die Mengen des reinen Elements Selen angegeben, die noch als ungiftig gelten. Bei einer regelmäßigen Zufuhr von Selen gilt die Menge von etwa 200 Mikrogramm noch als ungiftig.

Akute Selenvergiftungen sind selten und in der Regel auf eine überhöhte orale Zufuhr von Selen zurückzuführen. Es kann aber auch durch das Einatmen des sehr giftigen Selenwasserstoffs H2Se zu einer akuten Vergiftung kommen.

Durch die Vielzahl der Selenverbindungen (Selenid, Selenit, Selenat, Selenoaminosäuren usw.) und die unterschiedlichen Aufnahmewege (Lunge, Haut, Magen-Darm-Trakt) kann kein allgemeines Beschwerdebild einer Selenvergiftung beschrieben werden. Allen gemeinsam ist allerdings, dass der Atem der vergifteten Person nach Knoblauch riecht.

Als weitere Symptome zeigen sich Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Haarausfall. Auch periphere Neuropathien, also Veränderungen an den Nerven, können durch einen Überschuss an Selen entstehen, und die Zähne können durch Selen anfälliger für Karies werden.

Wenn der giftige Selenwasserstoff eingeatmet wurde, können starke Reizungen der Augen, Nase und der oberen Atemwegen auftreten. Gelangen größere Mengen an Selenwasserstoff in die Atemwege, besteht die Gefahr eines Lungenödems.