Sekundäre Pflanzenstoffe

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (11. April 2014)

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Man kann sie weder riechen, schmecken noch sehen: sekundäre Pflanzenstoffe. Sekundäre Pflanzenstoffe kommen in allen pflanzlichen Lebensmitteln vor – daher auch in Vollkornbrot, Hülsenfrüchten und Kaffee.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind chemisch sehr verschiedenartig und erfüllen in den Pflanzen eine Vielzahl von Funktionen. So dienen sie zum Beispiel als Farb- und Geschmacksstoffe, schützen die Pflanzen vor Schädlingen und Krankheiten oder regulieren ihr Wachstum.

Sekundäre Pflanzenstoffe konzentrieren sich meist

  • in der Schale oder
  • den äußeren Blättern.

Werden diese entfernt (z.B. durch Schälen von Äpfeln), geht ein Teil der sekundären Pflanzenstoffe verloren.

Auf den Menschen wirken einige sekundäre Pflanzenstoffe giftig, wie zum Beispiel das in gekeimten Kartoffelknollen vorkommende Solanin. Sehr viele sekundäre Pflanzenstoffe haben jedoch möglicherweise eine gesundheitsfördernde Wirkung.

Sekundäre Pflanzenstoffe heißen nicht etwa so, weil sie zweitrangig sind. Die Bezeichnung "sekundär" dient vielmehr dazu, um die sekundären Pflanzenstoffe von den primären Pflanzenstoffen zu trennen: Zu den primären Pflanzenstoffen zählen die Hauptbestandteile der Pflanzen, also Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Die Angaben darüber, wie viele sekundäre Pflanzenstoffe es gibt, sind sehr unterschiedlich. Man schätzt jedoch, dass es zwischen 60.000 und 100.000 Substanzen sind. Ob diese auch lebensnotwendig sind, ist bisher noch unbekannt. Bei den meisten sekundären Pflanzenstoffen ist bislang auch noch nicht bekannt, wie sich diese genau auf den menschlichen Körper auswirken können.

Interessant ist jedoch, dass einige der sekundären Pflanzenstoffe, wenn man sie isoliert und einzeln einnimmt, zum Teil ihre gesundheitsfördernde Wirkung verlieren. So führen etwa Sojaprodukte zu einer Senkung des Cholesterinspiegels, nachweislich verursacht durch die darin enthaltenen Isoflavone. Die isolierten Isoflavone allein können diese Wirkung jedoch nicht hervorrufen.

Demnach scheint es wichtig zu sein, die sekundären Pflanzenstoffe im Komplex aufzunehmen, damit diese zusammen wirken oder mit anderen Inhaltsstoffen der Pflanze wechselwirken können.

In Form von Nahrungsergänzungsmitteln können sekundäre Pflanzenstoffe ihre gesundheitsfördernden Wirkungen verlieren.

Aufgrund der noch relativ geringen Datenlage können bislang keine genauen Verzehrempfehlungen gegeben werden. Wer viel Obst und Gemüse isst und regelmäßig Nüsse oder Vollkornprodukte zu sich nimmt, fördert damit jedoch auf jeden Fall die eigene Gesundheit.

Übersicht über sekundäre Pflanzenstoffe und ihre möglichen gesundheitsfördernden Wirkungen

Sekundäre PflanzenstoffeEnthalten in ...Mögliche Wirkungen
FlavonoideÄpfeln, Birnen, Trauben, Kirschen, Pflaumen, Zwiebeln, Grünkohl, Auberginen, Soja, Tee• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten
• antioxidativ
blutdrucksenkend
• entzündungshemmend
• beeinflussen das Immunsystem
• antibakteriell
PhenolsäurenKaffee, Tee, Vollkornprodukten, Weißwein, Nüssen• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• antioxidativ
CarotinoideKarotten, Tomaten, Paprika, grünem Gemüse (Spinat, Grünkohl), Grapefruit, Aprikosen, Melonen, Kürbis• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten
• antioxidativ
• beeinflussen das Immunsystem
• senken das Risiko für altersbedingte Augenerkrankungen
• entzündungshemmend
PhytoöstrogeneKaffee, Tee, Vollkornprodukten, Weißwein, Nüssen• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• antioxidativ
PhenolsäurenGetreide und Hülsenfrüchten (z. B. Sojabohnen), Leinsamen• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• antioxidativ
• beeinflussen das Immunsystem
• positive Wirkung auf den Knochenstoffwechsel
Glucosinolateallen Kohlarten, Rettich, Radieschen, Kresse, Senf• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• beeinflussen das Immunsystem
• antibakteriell
• antioxidativ
SulfideZwiebeln, Lauch, Knoblauch, Schnittlauch• senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen
• antibakteriell antioxidativ
• blutdrucksenkend
• positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel
MonoterpeneMinze, Zitronen, Kümmel• positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel
• antikanzerogen (senken das Krebsrisiko im Tierversuch)
SaponineHülsenfrüchten, Soja, Spargel, Hafer, Lakritze• antikanzerogen (senken das Risiko für bestimme Krebserkrankungen im Tierversuch)
• antibakteriell (antifungal)
PhytosterineNüssen und Pflanzensamen (Sonnenblumenkernen, Sesam, Soja), Hülsenfrüchten• positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel