Jod: Jodmangel

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (26. November 2014)

Jodmangel entsteht, wenn man über einen langen Zeitraum hinweg zu wenig Jod zu sich nimmt. Seit den 1990er Jahren konnte jedoch die Jodversorgung in Deutschland verbessert werden: Die meisten Haushalte verwenden mittlerweile Jodsalz, auch in der industriellen Lebensmittel- und Tierfutterproduktion wird es eingesetzt.

Die Symptome eines Jodmangels sind vielfältig. Häufig führt er zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, einer sogenannten Struma (Kropf).

Seltener hat ein Jodmangel eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) zur Folge. Hier zeigen sich die Symptome meist schleichend, sodass man anfangs gar keine Beschwerden wahrnimmt. Eine bereits stärker ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion führt zu folgenden Symptomen:

Eine Ärztin tastet den Halsbereich einer Frau ab. © Jupiterimages/iStockphoto

Jodmangel kann einen Kropf verursachen.

Insgesamt sind die Betroffenen in ihrer Aktivität und Aufmerksamkeit verlangsamt. Ihre Haut ist oft trocken, kühl, blass und häufig teigig aufgetrieben. Dies ist die Folge einer vermehrten Flüssigkeitseinlagerung in das Unterhautfettgewebe. Die Stimme der Betroffenen ist infolge einer Schwellung (Myxödem) der Stimmbänder rau und heiser, die Sprache undeutlich und verwaschen.

Nimmt eine schwangere oder stillende Frau zu wenig Jod zu sich, so kann dieser mütterliche Jodmangel die Rate von Fehlbildungen oder auch Fehlgeburten erhöhen. Meist leiden die Neugeborenen zudem unter einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion und haben eine höhere Sterblichkeit.

In sehr seltenen Fällen kann sich aus einem extremen Jodmangel ein sogenannter Kretinismus entwickeln. Das Wort leitet sich von dem französischen crétin ab, was so viel bedeutet wie "Dummkopf". Der Grund: Ein voll ausgeprägter Kretinismus ist gekennzeichnet durch eine geistige Minderentwicklung. Dazu zeigen sich Merkmale wie Zwergwuchs, eine aufgestülpte Nase, eine dicke Zunge und kurze Finger. So weit kommt es heutzutage in medizinisch versorgten Regionen allerdings praktisch gar nicht mehr, da die Krankheit eindeutig diagnostiziert und medikamentös behandelt werden kann.

Abhängig davon in welchen Entwicklungs- und Lebensphasen ein Jodmangel auftritt, können unterschiedliche Erkrankungen die Folge sein.

LebensphaseJodmangelerkrankung
Fötus Fehlgeburten Fehlbildungen Kretinismus (geistige Schäden, Kleinwuchs, Taubstummheit, Schielen)
Neugeborene erhöhte Sterblichkeit angeborene Schilddrüsenunterfunktion Taubheit im unteren Frequenzbereich Entwicklungsverzögerung
Kinder und Jugendliche Struma (Kropf) Schilddrüsenunterfunktion verminderte geistige Leistungsfähigkeit verzögerte körperliche Entwicklung
Erwachsene Struma (Kropf) Schilddrüsenunterfunktion Unfruchtbarkeit eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit

Weltweit betrifft Jodmangel noch immer zwischen 1,5 und 2 Milliarden Menschen, vor allem in Entwicklungsländern. Er ist eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare geistige Schäden: Bei rund 50 Millionen Menschen ist die geistige Entwicklung durch einen Jodmangel beeinträchtigt, mehr als fünf Millionen Menschen leiden weltweit an Kretinismus.

Deutschland ist nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kein Jodmangelgebiet mehr. Es ist jedoch noch immer eine Jodmangelregion, da der Boden hierzulande sehr wenig Jod enthält. Lange Zeit herrschte daher auch in unseren Breiten ein Jodmangel, sodass noch bis zu 30 Prozent der Erwachsenen eine vergrößerte Schilddrüse – eine sogenannte Struma (Kropf) – aufweisen.

Die direkten und indirekten Kosten durch die Folgen eines Jodmangels belaufen sich in Deutschland auf rund zwei Milliarden Euro jährlich. Ein Großteil der durch einen Jodmangel verursachten Störungen ließe sich jedoch durch eine adäquate Versorgung über Jodsalz verhindern – und zwar ohne einen großen Kostenaufwand.