Vitamin D und MS: Wie groß ist der Zusammenhang?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Oktober 2017)

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Ein Mangel an Vitamin D ist vor allem für die menschlichen Knochen gefährlich. Womöglich spielt das Sonnenvitamin aber auch eine Rolle bei der Entstehung der multiplen Sklerose. Was wissen Forscher über den Zusammenhang?

Vitamin D ist ein unverzichtbarer Baustein für stabile Knochen. Es ist das einzige Vitamin, das der Körper selbst mit Hilfe der UV-Strahlung des Sonnenlichts herstellen kann. In geringen Mengen steckt Vitamin D auch in Nahrungsmitteln wie Lebertran, Fisch, Milchprodukten und Eiern. Vielleicht ist das "Sonnenhormon" aber nicht nur für die Knochen wichtig, sondern auch an der Entwicklung und dem Verlauf der multiplen Sklerose (MS) beteiligt. Diesen Zusammenhang vermuten Forscher schon länger. Bekannt ist, dass MS-Patienten sehr häufig niedrige Vitamin-D-Werte haben, vor allem in den Wintermonaten. Unklar ist bislang, ob der Vitamin-D-Mangel eine Ursache oder lediglich die Folge der Nervenerkrankung ist.

Vitamin-D-Mangel = erhöhtes MS-Risiko?

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für MS erhöht. Bei rund 800.000 Schwangeren die Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston (USA) und der finnischen Universität von Turku den Spiegel an 25-Hydroxyvitamin D im Blut bestimmt – einer Zwischenstufe beim Aufbau des Vitamin D. Die Forscher stuften Werte von 50 nmol/l (Nanomol pro Liter) und höher als normal, 30 bis 49 nmol/l als nicht ausreichend und weniger als 30 nmol/l als Vitamin-D-Mangel ein.

Durchschnittlich neun Jahre nach der Blutentnahme waren 1.092 dieser Frauen an multipler Sklerose erkrankt. Die Forscher verglichen die Blutproben mit den Proben von 2.123 gesunden Frauen und stellten fest, dass die Wahrscheinlichkeit, an multipler Sklerose zu erkranken, bei Frauen mit einem Vitamin-D-Mangel um 43 Prozent höher war. Dagegen senkten Werte von 50 nmol/l Vitamin D und darüber das spätere MS-Risiko deutlich. "Weitere Studien sind nötig, um die optimale Dosis an Vitamin D herauszufinden, die das MS-Risiko senkt", kommentiert die Studienleiterin Kassandra Munger. Aber sie geht davon aus, dass ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel über das gesamte Leben positive Effekte auf die Gesundheit hat.

Eine wichtige Rolle bei der multiplen Sklerose spielen möglicherweise auch einige Gene, die die Herstellung von Vitamin D beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Jewish General Hospital im kanadischen Montreal. Die Forscher entdeckten, dass vier Genvarianten, die den Vitamin D-Spiegel senken, in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für multiple Sklerose stehen.

Erkrankungsrisiko abhängig vom Wohnort

Ein weiterer Zusammenhang von Vitamin D und MS zeigt sich auch in dem Phänomen, dass die Erkrankungsrate zunimmt, je weiter eine Bevölkerungsgruppe vom Äquator entfernt lebt. In sonnenärmeren Gegenden bildet die Haut aufgrund der geringeren UV-Strahlung weniger Vitamin D.

Auch einige Zwillinge sind für die Forschung bei der Suche nach MS-Ursachen aufschlussreich. Besonders interessant wird es, wenn Häufig ein Zwilling an multipler Sklerose erkrankt, während der andere gesund bleibt. Studien zeigen, dass der von MS betroffene Zwilling oft deutlich niedrigere Werte an Vitamin D im Blut hat als der Zwilling ohne die Autoimmunerkrankung. In einigen Fällen war dies sogar der Fall, wenn beide Zwillinge versichern konnten, dass sie sich gleich häufig der Sonne ausgesetzt hatten.

Möglicherweise gibt es zudem eine Verbindung zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und der Krankheitsaktivität bei multipler Sklerose. Wenn der Körper wenig Vitamin D produziert, verstärkt dies unter Umständen die Entzündungsaktivität, die Häufigkeit von Schüben und das Fortschreiten der Autoimmunerkrankung, wie Untersuchungen zeigen. Eine Bestrahlung der Haut mit UV-B-Licht dagegen dämpfte die entzündlichen Prozesse und wirkte sich positiv auf die Schubrate, die Entzündungsherde und den Fortschritt der multiplen Sklerose aus. Nicht bewiesen ist allerdings, dass auch die Einnahme von Vitamin D-Präparaten in Tablettenform therapeutische Effekte hat.

Wo beginnt ein Vitamin-D-Mangel?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt der Normalwert für Vitamin D bei mindestens 50 nmol/l. Unterhalb dieses Wertes sprechen Ärzte von einer nicht optimalen Versorgung. Befinden sich weniger als 12,5 nmol/l Vitamin D im Blut, liegt ein schwerer Mangel an Vitamin D vor. Dem Robert Koch-Institut zufolge sind fast 60 Prozent der Deutschen nicht optimal mit Vitamin D versorgt, weil die nördliche Sonneneinstrahlung nicht intensiv genug ist. Rund zwei Prozent haben einen schweren Vitamin-D-Mangel. Insofern ist es für Menschen, die ein Familienmitglied mit multipler Sklerose haben, ratsam, die Vitamin-D-Werte überprüfen zu lassen.

Quellen:

Online-Information der Deutschen Multipe Sklerose Gesellschaft (DMSG): www.dmsg.de (Abrufdatum: 2.10.2017)

Munger, KL. et al.: 25-Hydroxyvitamin D deficiency and risk of MS among women in the Finnish Maternity Cohort. Neurology (2017)

Richards, B. et al.: Vitamin D and Risk of Multiple Sclerosis: A Mendelian Randomization Study. PLOS Medicine (2015)

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D: www.rki.de (Stand: 27.6.2014)