Freizeit und Beruf mit MS – aktiv im Leben!

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Juni 2016)

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Multiple Sklerose (MS) zu haben, bedeutet nicht zwangsläufig sich in Freizeit und Beruf einschränken zu müssen. Tatsächlich fördert eine aktive Freizeitgestaltung mit regelmäßiger Bewegung sogar die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen. Auch im Beruf muss sich nicht viel verändern. Dennoch gilt es bei MS, auf ein paar Dinge zu achten.

Stress und Überbelastung können bei MS einen Krankheitsschub auslösen. Das hat bei manchen Betroffene zur Folge, dass sie aus Angst vor einem Schub teilweise ganz auf Aktivitäten verzichten. Dadurch gerät die multiple Sklerose jedoch oft so sehr in den Fokus, dass sie zusätzlich belastet und kaum noch Luft zum Leben bleibt. Besser ist es, die Erkrankung beziehungsweise die Situation für sich anzunehmen – also mit der der multiplen Sklerose zu leben und nicht gegen sie. Dazu gehört es auch, sich aktiv am Leben zu beteiligen und ganz allgemein für sich selbst das richtige Maß zu finden, sich also weder zu überlasten noch komplett vom Leben auszuschließen. Das ist jedoch ein Prozess, der eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen kann.

Sport und Bewegung

Auch bei MS sind Sport und Bewegung zu empfehlen. Betroffene, die aktiv einen Sport ausüben, steigern dadurch ihre Lebensqualität. Denn regelmäßige Bewegung stärkt das Selbstbewusstsein und erleichtert oft auch den Umgang mit der Erkrankung. Wichtig ist dabei, dass MS-Betroffene eine Sportart wählen, die ihnen Spaß macht und die sich an die individuelle Leistungsfähigkeit anpassen lässt. Ballsportarten beispielsweise sind bei Beschwerden wie Sehstörungen oder Schwindel eher wenig geeignet, ebenso wie das Skifahren, wenn Koordinationsprobleme bestehen. Empfehlenswert sind in der Regel Sportarten, die den Bewegungsablauf schulen beziehungsweise diesen unterstützen, wie Radfahren in der Ebene, Reiten, Tennis oder Schwimmen.

Betroffene mit MS sollten vor dem Sport eine kurze Aufwärmphase einplanen, ebenso wie kleinere Pausen zwischendurch, um den Körper nicht zu sehr zu erhitzen. Mit der richtigen Sportkleidung lässt sich eine übermäßige Hitzeentwicklung des Körpers oft schon verringern. Je nach Sportart oder Wetterlage ist unter Umständen eine spezielle Kleidung mit Kühlelementen empfehlenswert. Wer ins Schwitzen geraten ist, kann die angestaute Körperwärme nach dem Sport unter der Dusche wieder abbauen.

Hitze – ob von außen oder von innen – kann die Symptome der multiplen Sklerose verschlimmern. Auf einen Besuch in der Sauna oder im Thermalbad sollten Betroffene generell eher verzichten.

Während eines MS-Schubs und einige Wochen danach sollte man besser keinen Sport treiben. Spezielle, individuell abgestimmte Übungen aus der Physiotherapie und Krankengymnastik sind aber jederzeit möglich.

Reisen

Auf das Reisen braucht kein MS-Betroffener zu verzichten. Im Gegenteil: Wer die Gelegenheit hat, sich bei einer Reise zu erholen, sollte dies tun. Je nach Ausprägung der multiplen Sklerose gibt es jedoch einige Dinge zu beachten. Weniger geeignet bei multipler Sklerose sind zum Beispiel im Allgemeinen extreme Klimawechsel, lange Sonnenbäder oder körperlich anstrengende Ausflüge. Der Fokus der Reise sollte vielmehr auf Erholung und Entspannung ausgerichtet sein. Prinzipiell spricht jedoch nichts gegen leichtes Bergwandern, eine Bade- oder Skiurlaub.

Welche Impfungen für Auslandsaufenthalte nötig sind, können Sie vorab mit Ihrem Arzt klären. Denken Sie bei Flügen daran, die Begleitpapiere für MS-Medikamente (z.B. bei Langzeitbehandlung mit Interferon beta oder Glatiramer) und / oder -Hilfsmittel (z.B. Spritzen) einzustecken! Medikamente zur Langzeitbehandlung von MS müssen zudem oft kühl gelagert werden – organisieren Sie sich rechtzeitig Kühltaschen für die Reise. Falls längere Autoreisen geplant sind, kann ein Kühlaggregat sinnvoll sein, das sich über den Zigarettenanzünder mit Strom versorgen lässt. Wenn Sie Hotelzimmer buchen, achten Sie darauf, dass diese möglichst einen kleinen Kühlschrank im Zimmer haben.

Beruf

Je nach Beruf können viele Betroffene mit MS diesen weiterhin ausüben, ohne mit größeren Einschränkungen rechnen zu müssen. Die multiple Sklerose ist nicht zwangsläufig ein Grund für eine Kündigung oder Berentung. Worauf sich Betroffene im Berufsalltag jedoch einstellen sollten, ist dass ihre körperliche Belastbarkeit abnimmt und sie im Laufe eines Tages möglicherweise schneller müde werden als gesunde Kollegen. Da sich die Erkrankung im Verlauf verschlimmern und dann mit stärkeren Einschränkungen einhergehen kann, ist es je nach Beruf empfehlenswert, sich frühzeitig zu überlegen, welche Alternativen es in solch einem Fall gibt. Bei einer körperlich anstrengenden oder wegen des Gefahrenpotenzials ungeeigneten Tätigkeit beispielsweise muss individuell überlegt werden, was das Beste ist. In solchen Fällen kann unter Umständen ein Arbeitsplatzwechsel oder eine Umschulung sinnvoll sein.

Wichtig zu wissen: Dem Arbeitgeber muss die Diagnose MS nicht mitgeteilt werden, sofern die Erkrankung nicht das Unfallrisiko erhöht oder Dritte gefährden könnte. Auch bei Vorstellungsgesprächen muss die Erkrankung nicht genannt werden, selbst wenn der potenzielle Arbeitgeber allgemein nach schwerwiegenden Erkrankungen fragt. Eine Ausnahme ist auch hier, wenn der neue Job durch die MS den Betroffenen selbst oder Dritte gefährden könnte. Fragt der Arbeitgeber jedoch, ob ein Schwerbehindertenausweis vorliegt, muss wahrheitsgemäß Auskunft gegeben werden.