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Placebo und Placebo-Effekt

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

© Jupiterimages/iStockphoto

Als Placebo bezeichnen Mediziner ein Scheinmedikament, das keine pharmakologisch wirksamen Bestandteile enthält. Es sieht einem echten Medikament (z.B. einer Tablette) in der Regel zum Verwechseln ähnlich. Unter "Placebo-Effekt" fassen Ärzte Wirkungen zusammen, die allein durch die Verabreichung einer Arznei und den Glauben daran, sie würde helfen, entstehen.

Toms Spannungskopfschmerzen werden ihm langsam lästig – eine Tablette muss her! "Ganz hinten in der Schublade liegen die Kopfschmerztabletten", so seine Freundin. Hastig greift er die Packung und nimmt eine Tablette. Bereits eine halbe Stunde später lassen die Schmerzen nach; Tom geht es deutlich besser. Erst am Abend stellt sich heraus: In der Eile hat er versehentlich zu den falschen Tabletten gegriffen – und die Dragees geschluckt, die seiner Partnerin zu schönen Haaren und Nägeln verhelfen sollen. Dass die Tablette dennoch wirkte, ist dem Placebo-Effekt zuzuschreiben. Allein der Glaube daran, dass die Tablette gegen Kopfschmerzen hilft, hat die Beschwerden gebessert.

Das Wort Placebo leitet sich von dem Lateinischen "placere" ab, das so viel bedeutet wie: "ich werde gefallen" oder "es möge nutzen". Placebos kommen in zwei Bereichen zur Anwendung: in der klinischen Forschung (sog. placebo-kontrollierte Studien) und in der täglichen Praxis. Im Gegensatz zu Medikamenten enthält ein Placebo keinen Wirkstoff. Bessert sich ein Symptom nach der Einnahme eines Placebos, ohne dass "richtige" Medikamente zum Einsatz kamen, handelt es sich um einen Placebo-Effekt oder eine Placebowirkung.

Ein Placebo wirkt nicht durch seine Inhaltsstoffe, sondern dadurch, dass der Arzt es verabreicht.

"Placebo" wird mitunter als Synonym für mangelnde Wirksamkeit gebraucht, so in dem Ausspruch "Das ist ja nur ein Placebo-Effekt". Auch Kritik und Zweifel an der Wirksamkeit einiger Verfahren der Alternativ- und Komplementärmedizin drücken sich hin und wieder darin aus, dass ihr Effekt – eher abfällig – mit dem Effekt eines Placebos gleichgesetzt wird. Indes trägt der Placebo-Effekt nicht unerheblich zur Gesamtwirkung einer Therapie bei: Bei schulmedizinischen Medikamenten, zum Beispiel ACE-Hemmern zur Senkung des Blutdrucks, ergibt sich die Gesamtwirkung aus der pharmakologischen Wirkung des Medikaments, die auf den Inhaltsstoffen beruht, und dem Placebo-Effekt.

Da bei Verfahren der Alternativ- und Komplementärmedizin in vielen Fällen bisher nicht bekannt ist, ob und wie sie allein durch ihre Inhaltsstoffe wirken, scheint ihr Effekt vor allem oder ausschließlich auf dem Placebo-Effekt zu beruhen. Manche Experten sehen solche Verfahren, etwa die Homöopathie oder die traditionelle chinesische Medizin, als nicht eigenständig wirksam an und ordnen sie den Placebotherapien zu. Hierüber herrscht aber keine Einigkeit. Der große Unterschied zu einer bewusst eingesetzten Placebotherapie liegt darin, dass der Therapeut im Fall der Alternativ- oder Komplementärmedizin selbst davon ausgeht, eine über den Placebo-Effekt hinaus wirksame Behandlung einzusetzen. Letztlich können nur Studien zeigen, ob eine Therapie dem reinen Placebo-Effekt überlegen ist, also auch durch andere Komponenten wirkt.

Um ein Placebo handelt es sich nicht nur, wenn der Arzt ein Scheinmedikament gibt, sondern auch, wenn er eine Scheinprozedur einsetzt. Ein Beispiel für eine Scheinprozedur sind sogenannte Placebo-Akupunkturnadeln: Bei ihnen dringt die Nadel nicht in die Haut ein, sondern fährt in den Nadelhalter ein, der dann auf der Haut kleben bleibt.



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