Placebo und Placebo-Effekt: Wie entsteht der Placebo-Effekt?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Bisher liegen keine umfassenden Erkenntnisse darüber vor, wie der Placebo-Effekt entsteht. Unter den Aspekten, die bisher bekannt sind, unterscheiden Mediziner zwischen tatsächlichen und scheinbaren Komponenten.

Tatsächliche Effekte

Tatsächliche Effekte eines Placebos entstehen aufgrund zweier Phänomene – bewusster und unbewusster. Es lassen sich fünf Aspekte unterscheiden:

  • unbewusste Konditionierung
  • bewusste Erwartungshaltung des Patienten
  • Art der Verabreichung (Applikationsform)
  • Umstände der Verabreichung
  • Arzt-Patient-Beziehung

Unbewusste Konditionierung: Wer schon mal die Erfahrung gemacht hat, dass ein Medikament die Beschwerden gebessert hat, verknüpft dies positiv mit der Einnahme der Arznei. Beim nächsten Mal wird er erneut davon ausgehen, dass das Medikament – genau wie bei der Einnahme zuvor – zum Beispiel seine Schmerzen lindert, seinen Husten stoppt oder die Kopfschmerzen vertreibt. Diese unbewusste Annahme, dass eine Pille, ein Saft, eine Salbe, Tropfen oder ein Spray erneut helfen wird, ändert die Einstellung zu dem Medikament oder auch einem Placebo in einer positiven Weise.

Die unbewusste Konditionierung greift auch im umgekehrten Fall: Verbindet eine Person etwas Negatives mit einem (Schein-)Medikament, sei es, dass sich ihr Zustand unter der Therapie nicht gebessert oder gar verschlechtert haben, überträgt sich dies auf zukünftige Einnahmen. Die Person hat gelernt, dass das Medikament nicht hilft. Dies wird auch als Dekonditionierung bezeichnet.

Bewusste Erwartungshaltung: Sehr bewusst hingegen ist die Erwartung, dass ein Medikament hilft. Verstärkt wird sie dadurch, dass der Arzt die Therapie begründet und verschreibt, der Apotheker sie häufig zusätzlich (positiv) kommentiert und Rat gibt und der Patient aus seinem näheren Umfeld Meinungen eingeholt hat.

Weitere Faktoren: Der Placebo-Effekt richtet sich zudem nach weiteren Umständen: von der Farbe der Pillen über deren Preis, von der Ausstrahlung des Arztes und seinem Einfluss auf den Patienten bis zur Atmosphäre bei der Behandlung. Beispielsweise schreiben Patienten laut Untersuchungen roten, gelben und orangefarbenen Pillen eher eine stimulierende Wirkung zu, blaue und grüne finden sie beruhigend. Von teuren Medikamenten erwarten sie eher einen Effekt und ein empathisches, vertrauensvolles Gespräch mit dem Arzt steigert den Placebo-Effekt.

Scheinbare Komponenten

Scheinbare Komponenten der Placebo-Wirkung lassen sich statistischen Effekten zuordnen, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme eines Placebos stehen. Diese Effekte treten zufällig auf und hängen weder mit dem Placebo-Effekt noch mit der Wirkung eines Inhaltsstoffs zusammen. Darunter fallen:

  • der spontane Verlauf der Krankheit, bei der stets Besserung und Verschlechterung der Symptome ohne äußere Einflüsse möglich sind
  • die sog. Regression zur Mitte, ein statistischer Effekt, der bedeutet, dass ein zuvor stark ausgeprägtes Merkmal (z.B. hohe Blutdruck- oder Blutzuckerwerte) bei weiteren Messungen niedriger ausfallen. Dies liegt daran, dass es wahrscheinlicher ist, dass die Werte sinken, als dass sie weiter steigen. Dies verleitet dazu, die Verbesserung der Werte der Wirkung des Medikaments zuzuschreiben.


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