Zu viel Lakritz in der Schwangerschaft schadet dem Baby

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (09. Februar 2017)

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Wer in der Schwangerschaft Lust auf Lakritz verspürt, sollte die herb-schwarze Masse aus Süßholz-Extrakt höchstens in kleinen Mengen verzehren. Denn zu viel Lakritz kann dem Baby schaden und die Hirnentwicklung beeinträchtigen. Das bestätigt eine weitere Studie aus Finnland.

Die Beeinträchtigungen der Hirnentwicklung haben für das Kind wahrscheinlich lebenslange Folgen. Jugendliche, deren Mütter in der Schwangerschaft viel Lakritz gegessen haben, schneiden in Intelligenztests durchschnittlich um bis zu sieben IQ-Punkte schlechter ab. Auch das Gedächtnis ist infolge des Lakritzgenusses beeinträchtigt. Daneben treten bei den Kindern oft weitere Folgen auf, wie

  • ein eingeschränkter Wortschatz,
  • eine schlechte räumliche Vorstellung,
  • Konzentrationsprobleme oder
  • eine Neigung zu aggressivem Verhalten und Regelübertretungen.

Mädchen kommen durch die Einwirkung von Lakritz zudem vergleichsweise früher in die Pubertät, die sich bei ihnen zudem schneller entwickelt.

Problematisch bei Lakritz: der Inhaltsstoff Glycyrrhizin

Schuld an den schädlichen Auswirkungen von Lakritz ist ein Stoff namens Glycyrrhizin. Während einer Schwangerschaft sorgt die Plazenta dafür, dass bestimmte Stoffe nicht oder nur in kleinen Mengen zum Ungeborenen gelangen. Glycyrrhizin schwächt diese Barrierefunktion für das Stresshormon Cortisol.

Dadurch gelangt das Stresshormon Cortisol in größeren Mengen zum Fötus. Cortisol spielt zwar für die Entwicklung des Babys eine wichtige Rolle, in großen Mengen wirkt das Stresshormon jedoch schädlich. Das könnte eine Erklärung für die Folgen beim Kind sein. Um die Ursachen sicher zu klären, sind jedoch noch weitere Forschungsarbeiten nötig.

Schwangere sowie Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten deshalb darüber aufgeklärt werden, dass Lakritz in größeren Mengen ein mögliches Risiko für das Baby ist, so die Wissenschaftler.

Wie viel Lakritz ist zu viel?
Unter größeren und damit riskanten Mengen verstehen die Forscher mehr als 250 g Lakritz beziehungsweise 500 mg Glycyrrhizin pro Woche.

Ungefährlich scheinen dagegen kleine Mengen von weniger als 125 g Lakritz beziehungsweise 249 mg Glycyrrhizin pro Woche zu sein.

In Finnland ist man den Empfehlungen bereits nachgekommen: Dort gab das Nationale Institut für Gesundheit und Sozialwesen Lebensmittelempfehlungen raus, in denen Lakritz als nicht empfehlenswert eingestuft wurde. Von kleine Mengen, wie etwa nur ein paar wenigen Lakritzstücken, geht laut den Empfehlungen jedoch keine Gefahr aus.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Forum Schwangerschaft & Geburt (mit Expertenrat)

Quellen:

Räikkönen, Katri, et al.: Maternal licorice consumption during pregnancy and pubertal, cognitive and psychiatric outcomes in children. American Journal of Epidemiology, Online-Publikation (3.2.2017)

Räikkönen, Katri, et al.: Maternal licorice consumption during pregnancy and pubertal, cognitive and psychiatric outcomes in children. American Journal of Epidemiology, Nr. 170, Iss. 9, pp. 1137-1146 (2009)

Stand: 9. Februar 2017


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