Krebs mit Fettantrieb: Wie Palmöl die Bildung von Metastasen beschleunigt

Veröffentlicht von: Till von Bracht (09. Dezember 2016)

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Damit sich ein Tumor im Körper ausbreiten kann, sind möglicherweise Fettmoleküle notwendig, die über bestimmte Andockstellen in die Krebszelle einwandern – so lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie aus dem Fachblatt „Nature“.

Aber mehr noch: Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass sich die Bildung von Tochtergeschwülsten bei Mäusen stoppen lässt, wenn man diese spezielle Fettsäure-Rezeptoren in der Hülle der Krebszellen blockiert. Damit könnte den Wissenschaftlern ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung von Metastasen gelungen sein.

Was sind Metastasen?

Metastasen sind sozusagen "Ableger" eines bösartigen Tumors. Sie entstehen, wenn sich Krebszellen vom Ursprungstumor lösen und sich an einer anderen Stelle im Körper ansiedeln und dort weiter teilen – zum Beispiel über die Blut- oder die Lymphbahnen. Man spricht auch von einer Tochtergeschwulst.

Bestimmte Krebszellen können die Wand eines Blutgefäßes durchdringen, mit dem Blutstrom in andere Körperregionen gelangen und dort Metastasen bilden. © iStock

Bestimmte Krebszellen können die Wand eines Blutgefäßes durchdringen, mit dem Blutstrom in andere Körperregionen gelangen und dort Metastasen bilden.

Metastasen sind das eigentlich Gefährliche am Krebs: Der Ursprungstumor lässt sich in der Regel gut behandeln. Haben sich allerdings Metastasen gebildet, ist die Prognose deutlich schlechter. "90 Prozent aller Krebspatienten sterben nicht am Primärtumor, sondern an den Metastasen", sagt Lukas Kenner, Leiter des Instituts für Labortierpathologie der Medizinischen Universität Wien.

Rezeptor CD36: ein generelles Kennzeichen aller metastasierenden Zellen

Auch wenn die Gefahr der Metastasen bekannt ist, so weiß man bis heute nicht genau, wohin der Krebs wann streut und wie man diese sogenannte Metastasierung verhindern kann. Dies macht die Krebs-Behandlung so schwierig.

Wissenschaftler vom Barcelona Institute of Science and Technology konnten nun allerdings herausfinden, dass es eine besondere Art von Krebszellen gibt, die über ungewöhnlich viele Fettsäurerezeptoren des Typs CD36 verfügen. Genau diese Zellen könnten für die Metastasenbildung verantwortlich sein.

Der Rezeptor CD36 ist dafür bekannt, dass er eine wichtige Rolle bei der Fettaufnahme spielt. Die Idee des Forschungsteams: CD36 sorgt dafür, dass die Krebszellen mit Fettsäuren „gefüttert“ werden und dadurch genügend Energie bekommen, um auch fernab vom Primärtumor überleben zu können.

Fettreiche Ernährung beschleunigt Metastasierung von Tumorzellen

Um diese These zu überprüfen, fütterten sie eine Gruppe von Mäusen mit Mundkrebs eine Zeit lang mit Palmöl und anderen fettigen Nahrungsmitteln. Eine vergleichbare Gruppe krebskranker Mäuse erhielt eine ausgewogene Kost.

Das Ergebnis: Bei den Mäusen, die sich besonders fettreich ernährten, war das Risiko, dass sich Metastasen bilden, mehr als doppelt so groß. Auch die Zahl und die Größe der Tumoren waren erhöht.

Hoffnung für neue Therapien: Lässt sich die Bildung von Metastasen stoppen?

Nun wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob sich die Metastasierung der Mundkrebszellen auch stoppen lässt, wenn sie den Rezeptor CD36 mithilfe eines Antikörpers gezielt „ausschalten“. Mit Erfolg: Als die Krebszellen keine funktionierenden CD36-Rezeptoren mehr hatten, verloren sie auch ihre Fähigkeit, Metastasen zu bilden.

Krebspatienten sollten den Befund allerdings keinesfalls überschätzen und sich deswegen nun besonders fettarm ernähren. Fett liefert Energie – und gerade bei starkem Gewichtsverlust im Rahmen einer Krebserkrankung kann es nötig sein, kalorienreiche Kost aufzunehmen.

Bis endgültige Aussagen darüber getroffen werden können, welche Ernährung bei Krebs sinnvoll ist und welche nicht, sind noch viele weitere Studien notwendig.

Weitere Informationen

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Quellen:

Pascual, G., et al.: Targeting metastasis-initiating cells through the fatty acid receptor CD36. Nature, Dezember 2016, doi:10.1038/nature20791

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Stand: 9. Dezember 2016