Erstickungsgefahr: Warum Taschentuch-Packungen nicht in Babyhände gehören

Veröffentlicht von: Till von Bracht (07. Oktober 2016)

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Immer wieder sieht man, wie Babys und kleine Kinder mit Packungen von Papiertaschentüchern spielen. Na klar, die knisternden und raschelnden Geräusche machen die kleinen Plastiktüten spannender als so manche Rassel aus dem Spielzeugladen.

Doch Vorsicht: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt davor, Babys unbeaufsichtigt mit Verpackungen spielen zu lassen, die kleine Klebelaschen zum Wiederverschließen besitzen – wie zum Beispiel Taschentücher-Verpackungen. Die Kinder können sie ganz leicht verschlucken und im schlimmsten Fall sogar daran ersticken.

„In den vergangenen zehn Jahren wurden dem BfR insgesamt 23 Fälle von Kliniken und Giftinformationszentren mitgeteilt, bei denen es zum Verschlucken solcher Klebelaschen kam“, berichtet BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Auch andere Alltagsgegenstände können gefährlich werden

Im ersten Lebensjahr erkunden Babys ihre Umwelt vorwiegend mit dem Mund. Nahezu alles, was sie in die Finger bekommen, stopfen sie in den Mund und testen, ob sich der Gegenstand hart oder weich, kalt oder warm anfühlt – oder ob er süß oder sauer schmeckt.

Die meisten Dinge sind zwar nicht sonderlich appetitlich, aber ungefährlich. So haben wahrscheinlich alle Eltern schon mal miterlebt, wie die kleinen Entdecker auf dem Spielplatz einen großen Löffel voller Sand stolz in den Mund geschoben haben – um dann festzustellen: So richtig lecker ist das nicht. Gleiches gilt übrigens auch für Hunde- oder Katzenfutter.

Gefährlich wird es allerdings bei kleinen Gegenständen, die eine glatte Oberfläche besitzen – zum Beispiel Erdnüsse oder Murmeln. "Je kleiner die Sachen sind, umso gefährlicher sind sie, denn ehe man sich’s versieht, gelangen sie in die Luftröhre", erklärt Ralf Sick, Leiter der Johanniter-Akademie in Berlin, der auch Erste-Hilfe-Kurse für Eltern leitet. Anschließend können sich die kleinen Gegenstände in den tieferen Abschnitten der Lunge, den Bronchien, festsetzen und zum Beispiel eine Lungenentzündung verursachen.

Ebenfalls vorsichtig sollte man bei elektronischen Kleingeräten mit Knopfzellen sein. Wenn Kleinkinder nur lange genug damit rumspielen, kann es passieren, dass die verführerisch glänzenden Plättchen aus dem Batteriefach herausfallen. Verschluckte Knopfzellen werden in der Regel ohne Probleme wieder ausgeschieden – können im Einzelfall aber auch in der Speiseröhre hängen bleiben und schwere Verätzungen verursachen.

Vergiftungsgefahr: Haushaltsprodukte, Chemikalien und Medikamente gehören sicher verstaut

Natürlich lässt man Kleinkinder nicht mit Abflussreinigern, Spülmittel, Chemikalien oder Medikamenten spielen – das sollte wohl den meisten klar sein. Viele Eltern unterschätzen allerdings die Neugier und die Fähigkeit ihrer Kinder, durch Klettern an scheinbar Unerreichbares zu gelangen.

Daher sollte man Produkte, die zu gefährlichen Vergiftungen führen können, stets sicher verschließen. Hierzu gehören etwa:

  • Abbeizer
  • Abflussreiniger
  • Ammoniakzubereitungen
  • Backofenreiniger
  • Benzin
  • Chemikalien
  • Entkalker
  • Essigessenz
  • Lampenöle
  • Grillanzünder
  • Methanol
  • Babypuder
  • Rohrreiniger
  • Unkrautvernichter
  • Bremsflüssigkeit

Sollte Ihr Kind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eines dieser Produkte verschluckt haben, sollten Sie umgehend ein Giftinformationszentrum anrufen!

Quellen:

Presseinformation des Bundesinstituts für Risikobewertung: Klebelaschen von Papiertaschentücher-Verpackungen können zu Erstickungsunfällen bei Kleinkindern führen (5.10.2016)

Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern. Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung: www.brf.bund.de (Stand: 2009)

Stand: 07.10.2016



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