Vegane Ernährung in der Schwangerschaft: gesund oder nicht?

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (05. September 2016)

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Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch: Laut Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU) ernähren sich in Deutschland rund 7,8 Millionen Menschen vegetarisch und rund 900.000 Menschen vegan (Stand: Januar 2015). Viele profitieren gesundheitlich von dieser Ernährungsweise. Aber ist eine vegane Ernährung wirklich in jeder Lebensphase gesund – auch in der Schwangerschaft und Stillzeit?

Während sogenannte Ovo-Lakto-Vegetarier neben pflanzlichen Lebensmitteln auch Eier, Milch und Milchprodukte zu sich nehmen und bei ausgewogener Ernährung kein Problem haben, ihren Bedarf an allen Nährstoffen zu decken, meiden Veganer konsequent alle tierischen Lebensmittel – selbst Honig. Darum kommt eine vegane Ernährung nicht ohne angereicherte Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel aus, um eine ausreichende Nährstoffzufuhr sicherzustellen – vor allem in Phasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf wie der Schwangerschaft oder Stillzeit.

Eine vegane Ernährung ohne diese Nahrungsergänzung kann schnell zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen führen, was sich teils sehr negativ auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken kann.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit kann besonders für das Kind riskant sein: Denn da es sich im Wachstum befindet und weniger Nährstoffe speichern kann, benötigt es eine höhere Nährstoffdichte und rutscht darum schneller in eine Unterversorgung oder einen Nährstoffmangel.

An erster Stelle steht hier das Vitamin B12: Ein rein veganes Essen kann davon nicht genug liefern, da es fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Doch vor allem in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie während des Wachstums ist eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr wichtig. Wird eine Frau mit Vitamin-B12-Mangel schwanger, besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft (wie Präeklampsie, Fehlgeburt) und für Gesundheitsprobleme beim Neugeborenen.

Manche betroffenen Babys haben zum Beispiel ein zu niedriges Geburtsgewicht. Zudem kann ein Vitamin-B12-Mangel die Blutbildung stören (Anämie) sowie Gehirn, Rückenmark und Nerven des Kindes dauerhaft schädigen. Eine mögliche Folge ist zum Beispiel eine geistige Behinderung. Dies kann sogar gestillte Säuglinge von Frauen treffen, die sich rein vegan ernähren und keine Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Ausschließlich gestillte Säuglinge von Frauen, die ihre vegane Ernährung nicht durch Nährstoffpräparate ergänzen, können schon in den ersten Lebensmonaten entsprechende Folgen eines Vitamin-B12-Mangels entwickeln.

Es ist auch unklar, ob eine vegane Ernährung den Körper mit einer ausreichenden Menge an bestimmten Eiweiß-Bausteinen (sog. Aminosäuren) versorgen kann. Doch gerade für Säuglinge und Kinder, die sich noch im Wachstum befinden, ist eine ausreichende Zufuhr dieser Eiweiß-Bausteine besonders wichtig, um Wachstumsverzögerungen zu vermeiden.

Zudem kann eine vegane Ernährung zu einem Mangel an bestimmten Fettsäuren (EPA, DHA) führen. In der Schwangerschaft kann dies ebenfalls Folgen für das Kind haben: So kann ein DHA-Mangel der werdenden Mutter die Entwicklung des Gehirns und der Netzhaut des Kindes beeinträchtigen.

Weitere Nährstoffe, die eine rein vegane Ernährung ohne Nahrungsergänzungsmittel kaum ausreichend bereitstellen kann, sind die Vitamine Riboflavin und Vitamin D sowie die Mineralstoffe Calcium, Eisen, Jod, Zink und Selen. Darüber hinaus enthält veganes Essen manchmal nicht genug Energie. Auch diese Mängel in der Schwangerschaft oder Stillzeit können sich nachteilig auf die Entwicklung und Gesundheit des Kindes auswirken.

Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit ohne speziell angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist ein hohes Risiko für die kindliche Entwicklung und Gesundheit.

Entsprechend hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beschlossen, eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zu empfehlen.

Hingegen schätzen verschiedene Fachgesellschaften in anderen Ländern – unter anderem die amerikanische Akademie für Ernährung und Diätetik (Academy of Nutrition and Dietetics, AND) – die vegane Ernährung für alle Altersgruppen und auch in der Schwangerschaft und Stillzeit als geeignet ein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Veganer ihre Ernährung gut planen und mit geeigneten Nährstoffpräparaten und / oder speziell angereicherten Lebensmitteln ergänzen.

Wissenschaftliche Studien dazu, wie sich eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen auswirkt, gibt es bislang nicht.

Wenn Sie sich für eine vegane Ernährung entschieden haben, sollten Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit auf jeden Fall folgende Tipps beachten:

  • Lassen Sie sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft ausführlich zu gesunder Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit beraten.
  • Nehmen Sie dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat ein.
  • Bevorzugen Sie Lebensmittel, die eine hohe Nährstoffdichte aufweisen oder mit Nährstoffen künstlich angereichert sind.
  • Lassen Sie Ihre Blutwerte (v.a. Vitamin B12, evtl. auch weitere Nährstoffe) regelmäßig vom Arzt prüfen, um bei etwaigen Mangelzuständen rechtzeitig gegensteuern zu können.

Onmeda-Lesetipps:

Ernährung in der Schwangerschaft
Ernährung in der Stillzeit
Calcium
Eisen
Jod
Selen
Vitamin B12 (Cobalamin)
Zink

Quellen:

Online-Informationen des VEBU (Vegetarierbund Deutschland e.V.): vebu.de (Abrufdatum: 5.9.2016)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Ausgewählte Fragen und Antworten zu veganer Ernährung. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE): www. dge.de (Stand: Mai 2016)

Stand: 5. September 2016


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