Sport bei Erkältung, Grippe & Co.: Keine gute Idee

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (08. November 2017)

© iStock

Bei einem Infekt braucht der Körper viel Ruhe. Sport ist bei einer Erkältung, Grippe oder einem Magen-Darm-Infekt also nicht zu empfehlen. Aber warum eigentlich?

Wer krank oder nach überstandener Krankheit noch geschwächt ist und sich trotzdem körperlich stark belastet, gefährdet seine Herzgesundheit. Das gilt nicht nur bei schwerwiegenden Erkrankungen wie der echten Grippe, sondern auch bei Infekten ohne oder mit wenig Fieber – also auch bei einer eigentlich harmlosen Erkältung.

Risiko Herzinfektion

Denn bei einem Infekt der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts können die Erreger auch das Herz infizieren. Die Folge ist eine Herzmuskelentzündung. Dies geschieht gar nicht so selten: So haben schätzungsweise zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr schon eine solche Entzündung durchgemacht.

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Bei dieser fachsprachlich Myokarditis genannten Erkrankung ist der Herzmuskel (Myokard) entzündet. Wenn sich die Herzmuskelentzündung auf den Herzbeutel (Perikard) ausweitet, sprechen Mediziner von einer Perimyokarditis.

In Europa entstehen die meisten Herzmuskelentzündungen durch Viren (wie Erkältungs- oder Grippeviren). Insgesamt greifen etwa fünf bis zehn Prozent aller Virusinfektionen auf den Herzmuskel über. Aber auch andere Erreger (z.B. Bakterien, Pilze) sowie Autoimmunerkrankungen können eine Herzmuskelentzündung verursachen.

Herzmuskelentzündungen verlaufen überwiegend mild, bleiben oft unbemerkt und können folgenlos ausheilen. Die Entzündung kann aber auch schwer verlaufen und chronisch werden. Typische Anzeichen sind Herzrhythmusstörungen und eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Bei Letzterer ist man unter anderem kurzatmig, unruhig und ermüdet schnell. Im Extremfall kann Herzschwäche zu plötzlichem Herzversagen führen.

So schützen Sie Ihr Herz

Mit einer schweren Herzmuskelentzündung müssen vor allem diejenigen rechnen, die sich trotz des Infekts körperlich anstrengen: Denn damit belasten sie ihr Herz stark. Darum besteht die wichtigste Behandlungsmaßnahme gegen eine Herzmuskelentzündung auch darin, sich körperlich zu schonen: In der akuten Phase der Erkrankung ist strenge Bettruhe angesagt.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Sie Ihrem Körper bei Infekten grundsätzlich ausreichend Ruhe gönnen – auch wenn es vielleicht schwerfällt, auf den gewohnten Sport zu verzichten. Vermeiden Sie also bei einer Erkältung und sonstigen Infektionen unbedingt jede Form von körperlicher Belastung, bis Ihre Beschwerden abgeklungen sind und Sie sich wieder gesund fühlen.

Erst dann können Sie langsam wieder mit Sport beginnen. Wichtig ist, dass Sie die Belastung nur schrittweise steigern und auf Ihren Körper hören: Sobald Sie ein Anzeichen dafür bemerken, dass Sie sich noch nicht ganz von dem Infekt erholt haben (z.B. wenn Sie schon kurz nach Trainingsbeginn kurzatmig werden), brechen Sie das Training besser ab.

Was tun bei Anzeichen einer Herzmuskelentzündung?

Zu den Symptomen, hinter denen eine Herzmuskelentzündung stecken könnte, gehören:

  • allgemeine Schwäche
  • Herzrhythmusstörungen (z.B. vermehrtes Herzstolpern)
  • Atemnot
  • Schmerzen in der Brust

Wenn Sie nach einem Infekt solche Beschwerden verspüren, gehen Sie möglichst bald zu Ihrem Hausarzt oder einem Kardiologen. Denn es ist wichtig, eine Herzmuskelentzündung in einem frühen Stadium zu erkennen und zu behandeln.

Die Behandlung einer Herzmuskelentzündung besteht vor allem in viel Ruhe. Auch wenn die akute Entzündung überstanden ist, sollten Sie sich mindestens sechs Wochen lang körperlich schonen (manche Ärzte halten sogar eine sechsmonatige Ruhepause für ratsam). Das bedeutet zum Beispiel:

  • kein Sport
  • kein Ausdauertraining
  • nach Möglichkeit mit dem Fahrstuhl fahren statt die Treppe laufen

Nach einer schweren Herzmuskelentzündung sollten Sie auf Leistungssport dauerhaft verzichten. Hat die Entzündung des Herzmuskels eine Herzschwäche verursacht, kommen neben der körperlichen Schonung zusätzlich Medikamente zum Einsatz (z.B. ACE-Hemmer, Betablocker).

Bevor Sie erkältet Sport treiben, sollten Sie sich also fragen: Lieber kurzfristig aufs Training verzichten oder durch Sport bei Erkältung eine Herzmuskelentzündung riskieren, die zu einer deutlich längeren oder gar dauerhaften Sportpause zwingt?

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Symptome & Diagnose
Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Symptome & Therapie
Plötzlicher Herztod: Schnelle Hilfe kann Leben retten
Herz-Kreislauf-Check: Testen Sie Ihr Herz-Kreislauf-Risiko

Linktipps:

www.herzstiftung.de
Die Deutsche Herzstiftung e.V. bietet unabhängige Informationen über Herzkrankheiten. Hier erfahren Sie unter anderem, welche Therapien sinnvoll sind und welche Behandlungsmethoden heute nicht mehr empfohlen werden können.

Quellen:

Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung e.V.: Vorsicht vor Herzmuskelentzündung (Myokarditis): bei Grippe ist Schonung angesagt (25.10.2017)

Myokarditis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 16.5.2017)

Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung e.V.: Herzmuskelentzündung (Myokarditis) wird bei Kindern häufig übersehen (25.8.2016)



Apotheken-Notdienst