Schwangerschaft: Jungs führen häufiger zu Komplikationen

Veröffentlicht von: Till von Bracht (27. Juli 2016)

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Jede Schwangerschaft ist anders: Einige Frauen haben fast gar keine Beschwerden, während andere schon früh unter Morgenübelkeit und Sodbrennen leiden. Die meisten Beschwerden sind zwar harmlos – in manchen Fällen kann es in der Schwangerschaft allerdings auch zu ernsteren Komplikationen kommen.

Aber woran liegt das eigentlich? Spielt es für bestimmte Schwangerschaftskomplikationen vielleicht eine Rolle, ob das ungeborene Baby ein Junge oder ein Mädchen ist?

Diese Frage haben sich auch Forscher der Universität in Adelaide gestellt und mehr als 500.000 Schwangerschaften und Geburten untersucht – mit einem eindeutigen Ergebnis: Bei Jungen kommt es in der Schwangerschaft häufiger zu Komplikationen als bei Mädchen.

Was die Wissenschaftler feststellen konnten:

  • Frühgeburten: Männliche Babys haben ein 27 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt vor der 29. SSW.
  • Schwangerschaftsdiabetes: Schwangere, die einen Jungen bekommen, erkranken häufiger an Schwangerschaftsdiabetes.
  • Präeklampsie: Ist das ungeborene Kind ein Junge, so haben Frauen ein höheres Risiko, während der Schwangerschaft eine sogenannte Präeklampsie (erhöhter Blutdruck und vermehrte Eiweißausscheidung im Urin) zu entwickeln.

“Es gibt keinen Zweifel: Das Geschlecht des Babys hat einen direkten Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft”, so die leitende Forschungsbeauftrage Claire Robert vom Robinson-Forschungsinstitut der Universität Adelaide.

Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch schon frühere Studien gekommen: So haben zum Beispiel die Wissenschaftler Laura Aibar von der Universitätsklinik Virgen de las Nieves und Gian Carlo Di Renzo von der Universität Perugia in zwei unterschiedlichen Studien festgestellt, dass Jungen häufiger per Kaiserschnitt zur Welt kommen als Mädchen.

Ist die Plazenta verantwortlich?

Die genauen Ursachen für die Unterschiede sind noch unklar. Die australischen Forscher vermuten allerdings, dass die Plazenta eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Die Plazenta stellt die wichtigste Verbindung zwischen der Mutter und dem ungeborenen Kind dar: Über sie gelangen Sauerstoff und Nährstoffe zum Babys. Gleichzeitig schützt die Plazentaschranke das Kind vor vielen schädlichen Stoffen aus dem Blut der Mutter.

Auf der anderen Seite wandern aber auch Zellen und Moleküle des Ungeborenen in den Kreislauf der Mutter – und beeinflussen möglicherweise die Funktion der Gene in der Plazenta. Diese Vermutung wird von Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Graz unterschützt: „Unsere Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass die Expression bestimmter Gene stark vom Geschlecht des Fötus beeinflusst wird", erklärt Gernot Desoye, Leiter der Plazenta-Forschungsgruppe. 

Was bedeutet das für die Zukunft?

Wie genau das Geschlecht des Kindes die Plazentafunktion und den Verlauf der Schwangerschaft beeinflusst, muss allerdings noch in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Umfassendere Erkenntnisse in diesem Bereich könnten dazu führen, dass Ärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen zukünftig auch das Geschlecht des Kindes stärker berücksichtigen – um letztendlich über spezifische Interventionen Schwangerschaftskomplikationen vermeiden zu können.

Quellen:

Verburg, P., et al.: Sexual Dimorphism in Adverse Pregnancy Outcomes-A Retrospective Australian Population Study 1981-2011. PloS one, Vol. 11, Iss. 7 (2016)

Cvitic, S., et al.: The human placental sexome differs between trophoblast epithelium and villous vessel endothelium. PloS one, Vol 8, Iss. 10 (2013)

Aibar, L., et al.: Fetal sex and perinatal outcomes. Journal of perinatal medicine, Vol. 40, Iss. 3, pp. 271-276 (2012)

Di Renzo, G.C., et al.: Does fetal sex affect pregnancy outcome? Gender medicine, Vol. 4, Iss. 1, pp. 19-30 (2007)

Stand: 27. Juli 2016