Schwangerschaft verändert das Gehirn der Mutter

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Dezember 2016)

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Im Laufe einer Schwangerschaft verändert sich der Körper der werdenden Mutter. Daneben gibt es aber auch Modifikationen bestimmter Hirnbereiche, die lange über die eigentliche Schwangerschaft hinaus dauern, wie jetzt eine Studie in Nature Neuroscience zeigt. Als Folge der Veränderungen kann sich die Mutter wahrscheinlich besser um das Kind kümmern und fürsorglicher mit ihm umgehen.

Während einer Schwangerschaft kommt es zu starken hormonellen Veränderungen und Anpassungen des Körpers. Wie sie sich auf das Gehirn auswirkt, wurde bislang kaum untersucht. Die Forscher verglichen deshalb die Gehirnstrukturen von Frauen vor der ersten Schwangerschaft und nach der Geburt über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren. Und stellten fest, dass es durch die Schwangerschaft zu Veränderungen im Gehirn kommt, die auch mindestens zwei Jahre nach der Geburt des Kindes noch vorhanden sind.

Bei einem Vergleich von MRT-Aufnahmen des Gehirns vor und nach der Schwangerschaft fiel den Wissenschaftlern etwas auf: Die graue Substanz nahm in einem Hirnbereich, der vor allem mit sozialen kognitiven Fähigkeiten zusammenhängt, deutlich ab. Die Forscher vermuten, dass diese Abnahme Teil eines Anpassungsprozesses sind, der die Frau auf ihre Mutterrolle vorbereitet und sie später befähigt, die Bedürfnisse und Gefühle ihres Kindes besser wahrzunehmen.

Die Abnahme der grauen Substanz bedeutet dabei jedoch nicht, dass Hirnzellen zugrunde gehen. Auch traten in Folge der Abnahme keine Gedächtnisprobleme oder andere spürbare kognitive Veränderungen auf. Den Wissenschaftlern zufolge liegen hier wahrscheinlich vielmehr Vorgänge zugrunde, die einem Prozess ähneln, der auch währen der Pubertät auftritt: dem sogenannten Synaptic Pruning (= etwa „synaptisches Stutzen“). Hierbei werden im Gehirn nur starke Verbindungen zwischen Nervenzellen (Synapsen) aufrechterhalten, schwache Verbindungen dagegen aufgelöst. Auf diese Weise wird Platz geschaffen für ein abgewandeltes neuronales Netz, das effizienter und spezialisierter ist.

Man sieht eine grafische Darstellung zweier Nervenzellen und dem synaptischen Spalt. © iStock

Beim "Synaptic Pruning" werden schwache synaptische Verbindungen gelöst.

Für diese Theorie spricht, dass vor allem Hirnareale von der Abnahme betroffen waren, die mit Funktionen zusammenhängen, die dabei helfen, die Herausforderungen einer Mutterschaft zu meistern. Die MRT-Aufnahmen zeigten zudem, dass die Hirnbereiche, in denen die graue Substanz abnahm, auch genau jene waren, die aktiv wurden, wenn die Mütter Bilder ihrer eigenen Babys betrachteten.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Forum Schwangerschaft & Geburt (mit Expertenrat)

Quellen:

Hoekzema, E., et al.: Pregnancy leads to long-lasting changes in human brain structure. Nature Neuroscience, Online-Publikation (Dezember 2016)

Stand: 22. Dezember 2016