Warum Kälte das Herz belastet

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (05. Dezember 2017)

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Winterliche Temperaturen stellen für das Herz eine Herausforderung dar. Das Risiko für einen Angina pectoris-Anfall oder für einen Herzinfarkt steigt – insbesondere bei Herzkranken. Diese sollten bei Kälte vorsichtig sein und nach Möglichkeit auf starke körperliche Belastungen wie Schneeschippen verzichten. Auf welche Warnsignale Sie achten sollten.

Niedrige Temperaturen unter dem Nullpunkt bedeuten eine besondere Belastung für das Herz: Kälte führt dazu, dass sich die Gefäße verengen. Der Blutdruck steigt und das Herz muss mehr Leistung bringen, um das Blut durch die Gefäße zu pumpen. Der Herzmuskel wird durch die verengten Gefäße schlechter durchblutet, sodass er weniger Sauerstoff erhält und nicht mehr so effektiv arbeiten kann. Auch neigen die Herzkranzgefäße bei kühlen Temperaturen eher zu Verkrampfungen.

Das Herz muss in der kalten Jahreszeit besonders viel arbeiten. Bei Kälte steigt die Wahrscheinlichkeit für Herzbeschwerden, zum Beispiel für einen Angina pectoris-Anfall oder für einen Herzinfarkt.

Bei körperlicher Arbeit, zum Beispiel beim Schneeschippen, sollten vor allem herzkranke Personen besonders vorsichtig sein. Dass Personen mit koronarer Herzkrankheit durch Schneeschippen ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder einen plötzlichem Herztod haben, konnte in Studien belegt werden. Bisher Gesunde kann es jedoch ebenfalls treffen.

Mögliche Anzeichen für ein Herzproblem sollte man daher nicht verharmlosen: "Geht ein bisher Gesunder in die Kälte hinaus und bekommt plötzlich Schmerzen, einen Druck oder Brennen im Brustkorb und Atemnot, dann ist das ein Warnzeichen. Umgehend sollte ein Arzt aufgesucht werden, der das Herz gründlich untersucht", so Prof. Thomas Meinertz, Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Kälte ist für das Herz eine Herausforderung. © iStock

Kälte ist für das Herz eine Herausforderung.

Worauf Herzkranke achten sollten

Herzkranken Personen empfiehlt Meinertz, bei Temperaturen unter null Grad einen Schal über Nase und Mund zu legen, damit die eingeatmete Luft nicht zu kalt ist. Darüber hinaus gilt für Personen mit Herzproblemen:

  • Verzichten Sie auf hohe körperliche Belastungen im Freien und überlassen Sie das Schneeschippen wenn möglich lieber gesunden Familienmitgliedern oder Freunden. Vor allem, wenn die Temperaturen im zweistelligen Minusbereich liegen, sollten Sie vorsichtig sein. Wenn Sie dennoch bei Kälte arbeiten müssen, versuchen Sie, zu starke Belastung zu vermeiden.
  • Kontrollieren Sie in der kalten Jahreszeit häufiger Blutdruck und Puls.
  • Wenn Sie bemerken, dass Ihr Körper auf Kälte stark reagiert, suchen Sie zur Sicherheit einen Arzt auf.

Symptome wie Atemnot, ein Druckgefühl oder Brennen in der Brust können Anzeichen für einen Herzinfarkt oder andere Herzprobleme sein. Auch für Personen, die bisher keine Herzbeschwerden hatten, gilt: Gehen Sie bei Beschwerden zum Arzt!

Aktiv bleiben – aber nicht übertreiben

Bewegung stärkt das Herz – auch bei Kälte. Der völlige Verzicht auf Aktivität bei Minusgraden ist daher kontraproduktiv. Vielmehr kommt es darauf an, den Körper zu fordern, aber nicht zu überfordern. Wählen Sie bei Kälte weniger belastende Aktivitäten, etwa strammes Spazierengehen, Walking oder langsames Joggen. Bei sehr tiefen Temperaturen können Sie den Sport nach drinnen verlagern: Die Auswahl ist groß, sie reicht von Schwimmen und Hallensport über Bewegung im Fitnessstudio bis hin zum Radeln auf dem hauseigenen Ergometer.

Mindestens dreimal in der Woche sollten Sie für 30 Minuten körperlich aktiv sein – es sei denn, es spricht aus medizinischer Sicht etwas dagegen. Fragen Sie Ihren Arzt!

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Woran Sie einen Herzinfarkt erkennen
Wie Sie am besten auf einen Angina pectoris-Anfall reagieren

Quellen:

Das Herz vor kalten Temperaturen schützen. Online-Informationen des Städtischen Klinikum Braunschweig gGmbH: www.klinikum-braunschweig.de (Abrufdatum: 9.1.2017)

Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung: Minusgrade können Herzanfall auslösen (6.1.2017)

Herzinfarkte mögen Kälte. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V.: www.kardiologie.org (3.9.2015)

Pressemitteilung des Bundesverbands Deutscher Internisten e.V.: Schneeschippen für Herzpatienten als Hochrisikoaktivität anzusehen (23.1.2012)

Aktualisiert am: 5. Dezember 2017



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