Unangenehme Winde? Was Sie über Pupse & Blähungen wissen sollten

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (08. September 2017)

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Jetzt ist es raus: Sie pupsen. Ich pupse. Und alle anderen auch. Nur sprechen möchte man darüber lieber nicht – und schon gar nicht zugeben, dass man vorhin im Fahrstuhl der Übeltäter war, während alle anderen mit starrer Miene so getan haben, als sei nichts geschehen. Dass Gase aus dem After entweichen, ist allerdings ein ganz natürlicher Vorgang, der uns alle betrifft.

Zugegeben, ein schönes Thema sind abgehende Winde nicht gerade. Und dass man sie im Beisein anderer möglichst unterdrückt, ist eine Frage der Höflichkeit und des gegenseitigen Respekts. Ein Tabu müssen Darmwinde aber auch nicht bedeuten, denn Pupsen ist – in einem gewissen Maß – völlig normal.

Warum muss der Mensch pupsen?

Würde der Mensch nicht hin und wieder pupsen, hätte er bald ein Problem, denn im Körper entstehen permanent Gase. Im Dickdarm siedeln über 400 verschiedene Bakterienarten. Sie haben unter anderem die Aufgabe, unverdauliche Nahrungsbestandteile zu zerlegen. Dabei bilden sich unterschiedliche Säuren, aber auch Gase. Darüber hinaus schlucken wir während des Essens eine geringe Menge Luft, die ebenfalls in den Darm gelangt.

Die Gase suchen sich ihren natürlichen Weg nach draußen. Der Großteil von ihnen gerät über kleinste, in der Darmwand befindliche Blutgefäße in die Lunge und entweicht schließlich geruchlos beim Ausatmen. Eine kleinere Menge gelangt durch den After ins Freie. Oft, aber nicht immer passiert das während des Stuhlgangs.

Wie viel Gas bildet sich – und wann ist es zu viel?

Im Normalfall entweichen über den After an einem Tag circa 10 bis 20 Pupse – oft unbemerkt. Dies entspricht einem Gesamtvolumen von einem halben bis zwei Liter Gas, welches portionsweise den Darm verlässt.

Bilden sich zu viele Gase, passiert das, was der Arzt unter Flatulenzen versteht: Der Mensch bekommt Blähungen. Eine Flatulenz liegt vor, wenn am einem Tag mindestens 24 Darmwinde abgehen.

Warum stinken manche Pupse?

"Ich habe immer wieder übel riechende Blähungen. Bin ich krank?" - Fragen wie diese stellen viele unserer User im Forum "Blähungen, Verstopfung & Co.". Geruchsintensive Darmgase müssen jedoch nicht zwangsläufig krankhaft sein.

Ob ein Pups unangenehm riecht oder nicht, kommt darauf an, welche Gase im Spiel sind. Hauptsächlich bestehen Pupse aus Kohlendioxid, Methan, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Diese geruchlosen Gase machen 99 Prozent des austretenden Gasvolumens aus – nur 1 Prozent der Gase macht sich in der Nase unangenehm bemerkbar.

Aus welchen Gasen sich ein Pups zusammensetzt und ob ein geruchsintensiver Stoff dabei ist, hängt vor allem davon ab, was wir gegessen haben. Wenn Bakterien Eiweiße aus der Nahrung abbauen, bilden sich Substanzen wie Menthandiol, Dimethylsulfid, Ammoniak und Buttersäure. Alle eint die Eigenschaft, einen unangenehmen Geruch zu verbreiten. Schon Spuren eines geruchsintensiven Gases reichen aus, um den Darmwind zum "Stinker" zu machen.

Wie entsteht das Pups-Geräusch?

Diese Frage ist schnell beantwortet: Das typische "Pupsgeräusch" entsteht, wenn die Analöffnung durch die austretenden Gase vibriert.

Warum bekommt man Blähungen?

Wenn sich im Darm zu viele Gase bilden, kann das ganz verschiedene Ursachen haben. Vor allem die Ernährung spielt häufig eine Rolle: Ballaststoffe gehören zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dazu. In hohen Mengen verursachen sie bei manchen jedoch Blähungen. Der Spruch "Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen" kommt nicht von ungefähr: Wer Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen oder Linsen in größeren Mengen verzehrt, nimmt viele Kohlenhydrate in Form von Ballaststoffen auf. Werden die unlöslichen Bestandteile der Ballaststoffe von Bakterien abgebaut, entstehen Gase. Auch andere Lebensmittel, die viele unlösliche Ballaststoffe enthalten, können Blähungen begünstigen, so zum Beispiel Vollkornprodukte oder Kohl. Aber: Ob die Ernährung tatsächlich zu Blähungen führt, ist individuell ganz verschieden und hängt auch davon ab, ob man die jeweilige Kost gewöhnt ist.

Weitere mögliche Ursachen von Blähungen sind zum Beispiel:

Bohnen sind bekannt dafür, Blähungen auszulösen. © iStock

Bohnen sind bekannt dafür, Blähungen auszulösen.

Wann sollte man mit Blähungen zum Arzt?

Blähungen sind meist harmlos. Suchen Sie zur Abklärung aber einen Arzt auf, wenn Sie

Besonders dringend ist der Arztbesuch nötig, wenn Sie

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Flatulenz. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 11.4.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Berends, J., et al.: Duale Reihe Physiologie. Thieme, Stuttgart 2016

Rassow, J., et al.: Duale Reihe Biochemie. Thieme, Stuttgart 2016

Intestinal gas. Online-Informationen der Mayo Clinic: www.mayoclinic.org (Stand: 3.8.2016)

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm, Leber und Stoffwechsel sowie von Störungen der Ernährung e.V. (Gastro-Liga): Blähungen – Meteorismus. Ratgeber für Patienten. Online-Publikation: www.gastro-liga.de (Stand: 2003)



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