Projekt KDOG: Zwei Schäferhunde erschnüffeln Brustkrebs mit 100-prozentiger Sicherheit

Veröffentlicht von: Till von Bracht (27. März 2017)

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Die beiden Schäferhunde Thor und Nykios können dank ihrer feinen Nasen mit 100-prozentiger Sicherheit feststellen, ob eine Frau an Brustkrebs erkrankt ist. Und das, indem sie nur an den Verbänden schnuppern, die die betroffenen Frauen einige Zeit auf der Haut getragen haben. So lautet zumindest das Ergebnis eines Tests am Pariser Curie-Institut.

Das Forschungsprojekt, das unter dem Namen KDOG läuft, befindet sich derzeit noch in einer frühen Konzepthase. Sollte sich die Treffsicherheit der Krebsspürhunde aber in weiteren klinischen Studien bestätigen, so könnte dies die Diagnose von Brustkrebs revolutionieren – schließlich ist diese Methode einfach und kostengünstig und Werfordert keinen medizinischen Eingriff.

„Hierzulande gibt es Onkologen und andere Fachärzte, die Brustkrebs bereits in frühen Stadien erkennen können. In anderen Ländern und ländlichen Gegenden, in denen die übliche Mammographie nicht zur Verfügung steht, ist der Zugang zu diagnostischen Tests allerdings oft limitiert“, so die Projektleiterin Dr. Isabelle Fromantin. „Das bedeutet, dass viele Patientinnen erst dann den Weg in die Arztpraxen finden, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist.“

Die erste Studie des Projekts KDOG begann im August 2016. Der Hundeexperte Jacky Experton trainierte sechs Monate lang jeden Tag mit den beiden Schäferhunden Thor und Nykios. Sie sollten lernen, Tumoren aufzuspüren. Dazu schnupperten sie jeden Tag an verschiedenen Dosen, in denen sich Schweißproben sowohl von erkrankten als auch von gesunden Frauen befanden.

Das Training war wie ein Spiel, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst ging. Hatten die Hunde die Dose mit der Brustkrebs-Probe aufgespürt, gab es eine Belohnung. Hatten sie eine falsche Dose erschnuppert, gab es nichts.

Im Februar 2017 erfolgte ein erster Geruchstest, bestehend aus 31 einzelnen Prüfungen. Thor und Nykios bekamen in jeder Prüfungsrunde vier unterschiedliche Mullbinden vorlegt: Eine davon wurde zuvor von einer Frau mit Brustkrebs getragen, die anderen drei stammten von gesunden Frauen.

Das Ergebnis: Zunächst erkannten die Schnupperkünstler „nur“ 28 Proben, was einer Treffsicherheit von 90 Prozent entspricht. Doch beim zweiten Versuch konnten sie dann alle 31 sicher identifizieren.

In weiteren klinischen Durchgängen sollen in Zukunft mehr Patientinnen und zwei weitere Krebsspürhunde hinzugezogen werden. Die Forscher hoffen, die Hunde eines Tages durch hochentwickelte Geruchs-Maschinen ersetzen zu können, um Brustkrebs schnell und einfach diagnostizieren zu können.

Auf den Hund gekommen

Schon seit Jahren tauchen immer wieder Berichte auf, dass Hunde ihr Herrchen oder Frauchen auf eine Krebserkrankung aufmerksam gemacht haben – zum Beispiel im Fall von Arlene Goldberg aus Chicago. Ihr Cockerspaniel Duffy hatte auf einmal die Angewohnheit angenommen, an ihr hochzuspringen und an einem ihrer Muttermale zu schnüffeln.

Sie sprach das merkwürdige Verhalten ihres Hundes bei ihrem Arzt an, der daraufhin das Muttermal entfernte und im Labor untersuchen ließ. Dabei stellte sich heraus, dass es sich nicht um ein harmloses Muttermal handelte, sondern um ein Melanom (schwarzer Hautkrebs). 

Wissenswertes: Ihr Hund besitzt nasale Superkräfte

Hunde haben einen unglaublich guten Geruchssinn, den sie ihrer großen Riechschleimhaut und ihrer hohen Anzahl an Riechzellen zu verdanken haben. Dackel zum Beispiel besitzen rund 125 Millionen Riechzellen, bei Schäferhunden sind es sogar bis zu 250 Millionen. Zum Vergleich: Die menschliche Nase besitzt nur etwa 10 Millionen Riechzellen.

Im Riechhirn, das beim Hund etwa 10 Prozent des gesamten Gehirns einnimmt (beim Menschen nur 1 Prozent), werden die Gerüche des linken und rechten Nasenloches gesondert ausgewertet. Dadurch ist ein Hund in der Lage, zu ermitteln, in welche Richtung eine Duftspur führt.

Auch Wissenschaftler widmen sich schon seit Längerem der Fragestellung, wie sich die Supernasen von Doktor Rex und Co. auch zu medizinischen Zwecken nutzen ließen.

In diesem Zusammenhang findet man in der Literatur immer wieder Berichte von trainierten Hunden, die verschiedene Krankheiten wie

erschnüffeln konnten.

Allerdings muss man diese Ergebnisse stets mit Vorsicht genießen, da man nie mit Sicherheit vorhersagen kann, ob ein Spürhund für Krankheiten jeden Tag „gleich gut funktioniert“.

In medizinisch schlechter versorgten Ländern ist es trotzdem durchaus denkbar, dass Hunde eines Tages die Krebs-Diagnose unterstützen können.

Hierzulande geht die Entwicklung aber vermutlich eher dahin, die Stoffe, die für die Hunde bei der Krebsdiagnose wichtig sind, zu identifizieren – und sie dann mittels einer Labordiagnostik in der Atemluft, im Urin oder eben im Schweiß nachweisen zu können.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

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Quellen:

Online-Informationen des Projekts KDOG: www.kdog.fr (Abrufdatum: 27.3.2017)

Engelhardt, W., et al.: Physiologie der Haustiere Taschenbuch. Enke Verlag, Stuttgart 2015

Elliker, K.R., et al.: (2014). Key considerations for the experimental training and evaluation of cancer odour detection dogs: lessons learnt from a double-blind, controlled trial of prostate cancer detection. BMC urology, Vol. 14, Iss. 1, p. 22 (2014)

Spranger, J.: Lehrbuch der anthroposophischen Tiermedizin. Sonntag Verlag, Stuttgart 2007

Stand: 27. März 2017