Pollenalarm – 8 Fakten über Pollen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (27. April 2017)

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Kaum ist der Winter vorbei, fliegen sie wieder millionenfach herum und rufen bei vielen Menschen allergische Reaktionen hervor: Pollen. Über 25 Prozent aller Erwachsenen leiden unter Heuschnupfen. Grund genug, sich die Auslöser einmal etwas genauer anzuschauen.

1. Pollen sind das Sperma der Pflanzen.

Pollen enthalten das männliche Erbgut der Pflanzen und entsprechen in ihrer Funktion daher den männlichen Samenzellen. Den saisonalen Pollenflug könnte man dann sozusagen als sexuell aktive Phase der Pflanzenwelt betrachten.

2. Erst auf den Schleimhäuten setzen Pollen ihre Allergene frei.

Pollen bestehen aus zwei Hüllen. Die innere begrenzt den eigentlichen Zellinhalt. Hieraus stammen auch überwiegend die Allergene, die bei manchen Menschen Heuschnupfen-Symptome auslösen. Die Allergene gelangen aus dem Inneren ins Freie, wenn die Pollen Feuchtigkeit ausgesetzt sind und dann aufquellen. Auf diese Weise gelangen sie auf die Oberfläche des Pollenkorns – eigentlich, um mit einer passenden Blütennarbe in Kontakt zu kommen und so die Blüte zu befruchten. Da die Schleimhäute des Menschen ebenfalls feucht sind, passiert das leider auch in der Nase, den Augen und der Lunge. Bei Allergikern löst dieser fehlgeleitete Befruchtungsversuch dann eine allergische Reaktion aus.

3. Vor allem 6 Pflanzenfamilien spielen in Deutschland eine Rolle für Heuschnupfen.

Von den etwa 4.000 Pflanzenarten in Deutschland spielen nur etwa 100 Arten eine Rolle für die Entstehung von Pollenallergien. Diese gehören fast alle zu sechs bestimmten Pflanzenfamilien, nämlich zur Familie der

  • Gräser (Gräser, Getreide etc.),
  • Birkengewächse (Birke, Buche, Erle, Hasel etc.),
  • Korbblütler (Beifuß, Ambrosia etc.),
  • Ölbaumgewächse (Olive, Esche etc.),
  • Zypressengewächse (Zypresse, Wacholder etc.) und
  • Brennnesselgewächse (Brennnessel, Glaskraut etc.).

4. Pollen sind winzig klein.

Richtig klein sind vor allem Pollen von Pflanzen, die sich mittels Windbestäubung fortpflanzen: Sie sind im Durchschnitt nur 10 bis 150 Mikrometer groß, das entspricht 0,01 bis 0,15 Millimetern.

Keine Pollen sind übrigens die wolligen Flocken, die man manchmal fliegen sieht, oder das Weiße an der Pusteblume. Hierbei handelt es sich vielmehr um den Erfolg einer Bestäubung – ein fertiges Samenkorn, dem das weiße wattige Material als Flug- oder Schwebhilfe dient (z.B. bei Pappelsamen).

5. Pollen fliegen kilometerweit.

Vor allem Pollen von Windbestäubern sind wahre Weitflieger und können bis zu mehrere Kilometer weit fliegen. So lassen sich etwa in Dresden Ambrosia-Pollen aus Ungarn nachweisen. Während ihres Flugs erreichen sie dabei Luftschichten in bis zu 2.000 Metern Höhe.

Bildergalerie: Pollen – kleine Kunstwerke der Natur

6. Manche Pollen haben ein höheres Allergiepotenzial als andere.

Die Pollen mancher Pflanzen lösen häufiger Allergien aus als andere. Wie hoch das Allergiepotenzial einer Pollenart ist, hängt davon ab,

  • wie weit verbreitet die Pflanze ist. Gräser kommen zum Beispiel in viel mehr Gebieten vor als Orchideen.
  • wie viele Pollen freigesetzt werden. Vor allem Pflanzen, die sich über Windbestäubung fortpflanzen, produzieren viele Pollen. Diese müssen außerdem sehr klein und leicht sein, damit sie ausreichend weit über die Luft getragen werden. Nach der Freisetzung sinken Pollen von Windbestäubern nach ein bis mehreren Kilometern Flugstrecke wieder zu Boden. Pflanzenarten, die sich über Insektenbestäubung fortpflanzen oder sich selbst bestäuben, haben dagegen meist größere und schwerere Pollen – und in der Regel ein geringes Allergiepotenzial.
  • wie aggressiv die Allergene sind. Bei manchen Pflanzen (wie Ambrosia, Roggen) genügt schon der Kontakt zu wenigen Pollen, damit sich eine Allergie neu entwickelt. Andere Pollen wiederum haben bestimmte Eigenarten, die sie besonders aggressiv machen. Birken- und Gräserpollen etwa locken durch ihre chemischen Eigenschaften bestimmte Immunzellen im Körper förmlich herbei, die dann zur Entwicklung einer Allergie beitragen.

7. Je nach Pflanze können schon sehr wenige Pollen bei Allergikern Symptome hervorrufen.

Bei einer Allergie gegen Ambrosia genügt zum Beispiel schon ein Pollenkorn pro Kubikmeter Luft, um Heuschnupfenbeschwerden auszulösen. Bei einer Beifuß-Allergie sind es 13 Pollen.

8. Für manche Pollen beginnt die Saison schon im Dezember

Die Saison für Haselpollen beginnt beispielsweise eigentlich erst im Januar. Haselpollen fliegen aber schon ab 5 Grad Celsius Außentemperatur. Deswegen kann die Allergiesaison für Haselallergiker auch schon mal im Dezember beginnen.


Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Tipps gegen Heuschnupfen
Pollenflugkalender
Allergie-Risikotest
Forum Allergie & Asthma (mit Expertenrat)

Quellen:

Online-Informationen der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: www.pollenstiftung.de (Abrufdatum: 27.4.2017)

Pollenjagd mit dem Flugzeug: Sie sind überall. Online-Informationen des Helmholtz-Zentrums München: www.helmholtz-muenchen.de (3.4.2017)

Trautmann, A., et al.: Allergologie in der Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

Heppt, W., et al.: Praktische Allergologie. Thieme, Stuttgart 2011

Grevers, G., et al.: Taschenatlas Allergologie. Thieme, Stuttgart 2008 –

Stand: 27. April 2017