Pilze sammeln und essen: Für Unerfahrene ein Risiko

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (01. September 2017)

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In der Pilzzeit lockt es viele Menschen in die Wälder, um Pilze zu sammeln und anschließend zu verzehren. Ohne ausreichende Kenntnisse kann das aber böse ausgehen. Worauf kommt es beim Pilzsammeln an?

Das warme, feuchte Wetter beschert Pilzliebhabern einen frühen Start in die Pilzsaison. Damit steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit für Pilzvergiftungen.

Laut Giftinformationszentrum Nord in Göttingen haben sich im Juli und August dieses Jahres schon deutlich mehr Menschen eine Pilzvergiftung zugezogen als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Darunter gab es auch mehrere sehr schwere Vergiftungen durch Knollenblätterpilze.

Grüner Knollenblätterpilz © Wikimedia Commons

Eine besonders giftige heimische Pilzart ist der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides): Die in ihm enthaltenen Giftstoffe können die Leber schwer schädigen und im Extremfall tödlich sein. Erste Symptome der Knollenblätterpilzvergiftung sind heftige Brechdurchfälle. (Quelle: Wikimedia Commons, Justin Pierce, CC BY-SA 3.0)

Wie kommt es zu Pilzvergiftungen?

Auch essbare Pilze können Vergiftungserscheinungen verursachen. Tatsächlich entstehen Pilzvergiftungen am häufigsten durch Speisepilze, die

  • entweder beim Verzehr schon zu alt waren
  • oder zu lange bzw. falsch gelagert wurden.

Giftige Pilze, die aufgrund einer Verwechslung mit Speisepilzen oder durch Unachtsamkeit auf dem Teller landen, sind ebenfalls häufig für Pilzvergiftungen verantwortlich. Manche Pilzsammler können die teils stark giftigen Pilze, die hierzulande heimisch sind, nicht einmal bestimmen.

Wie groß ist die Verwechslungsgefahr?

Gerade im Zusammenhang mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz heißt es immer wieder, dass er in anderen Ländern (wie Russland oder Syrien) essbare Doppelgänger habe, die von dem Giftpilz kaum zu unterscheiden seien.

Wenn giftige Pilze auf dem Teller landen, liegt das jedoch eher daran, dass die Pilzsammler

  • die traditionellen Bestimmungsmerkmale zu wenig kennen,
  • bestimmte Merkmale bei der Pilzbestimmung nicht beachten,
  • leichtsinnig sind oder
  • auch einfach Pilze sammeln gehen, ohne jegliches Hintergrundwissen zu haben.

Ein hohes Risiko, giftige Pilze mit Speisepilzen zu verwechseln, besteht nur bei mangelnden Kenntnissen in der Pilzbestimmung. Echte Doppelgänger von essbaren Pilzen sind nicht bekannt.

Pilze sammeln: So gehen Sie auf Nummer sicher!

  • Erst Erfahrungen sammeln: Unerfahrene Sammler sollten grundsätzlich keine selbst gesammelten Pilze verzehren.
  • Lernen, lernen, lernen: Vertiefen Sie Ihre Kenntnisse – zum Beispiel mit guten Büchern zur Pilzbestimmung, durch den Besuch von Pilzberatungsstellen oder in einem Kurs bei der Volkshochschule (VHS).
  • Geprüfte Pilzkenner hinzuziehen: Sie können auch von einem geprüften Pilzsachverständigen prüfen lassen, ob die von Ihnen gesammelten Pilze essbar sind. Vertrauen Sie aber nicht auf selbsternannte Pilzkenner. Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) können sich entsprechend ausweisen.
  • Nur "alte Bekannte" mitnehmen: Sammeln Sie nur Pilze, die Sie schon kennen und eindeutig bestimmen können.
  • Vor dem Essen erst mehrmals bestimmen: Essen Sie niemals Pilze, die Sie zum ersten Mal bestimmen. Sammeln Sie nur Pilze, die Sie zuvor schon mehrfach bestimmt haben. Lassen Sie einen Pilz beim geringsten Zweifel besser stehen.
  • Passendes Gefäß verwenden: Nehmen Sie einen Korb oder ein anderes luftiges Gefäß zum Pilzsammeln mit.
  • Auf Qualität achten: Lassen Sie alt aussehende, madige und zu kleine Pilze stehen.

Speisemorcheln © iStock

Die Speisemorchel ist ein beliebter Speisepilz. In Deutschland steht sie zwar – ebenso wie alle anderen Morchelarten – unter Schutz. Für den Eigenbedarf darf man sie aber sammeln.

Wildpilze werden teils auch auf dem Markt oder im Restaurant angeboten. Wenn Sie Zweifel haben, ob die Pilze wirklich essbar sind, fragen Sie einfach nach, ob ein Pilzsachverständiger sie kontrolliert hat.

Übrigens: Auch heute noch sind Pilze infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl radioaktiv belastet. Wie stark diese Belastung ist, hängt von Standort und Pilzart ab. Am stärksten belastet sind Pilze in Ost- und Süddeutschland. Besonders betroffen sind Waldpilze (wie Maronenröhrlinge). Wer seine persönliche Strahlenbelastung verringern möchte, sollte also in den stärker betroffenen Gebieten auf den Verzehr wild wachsender Pilze verzichten.

Maronenröhrlinge © iStock

Manche Waldpilze, wie beispielsweise Maronenröhrlinge, sind je nach Standort noch so stark radioaktiv belastet, dass sie nicht als Lebensmittel in den Handel gelangen dürfen.

Nicht nur der Verzehr ungeeigneter Wildpilze kann gesundheitsgefährdend sein. Auch wenn Sie Zuchtpilze kaufen, ist es ratsam, auf Qualität zu achten und nur bei frisch und appetitlich aussehender Ware zuzugreifen.

Marktstand mit Speisepilzen © iStock

Kaufen Sie nur frische Speisepilze und bereiten Sie sie möglichst bald zu. Denn auch der Verzehr von falsch oder zu lange gelagerten Pilzen kann zu Vergiftungen führen.

Pilzvergiftung – was tun?

Wenn jemand nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden entwickelt, kann womöglich eine Pilzvergiftung dahinterstecken. Dann ist schnelles Handeln nötig, denn manche Pilzvergiftungen können im Extremfall tödlich enden.

Behandeln Sie darum jeden auch noch so geringen Verdacht auf eine Pilzvergiftung als Notfall!

Eine Pilzvergiftung kann sich schon wenige Minuten nach der Pilzmahlzeit bemerkbar machen. Manchmal dauert es aber auch ein paar Tage, bis die ersten Symptome auftreten. Zu den möglichen Anzeichen gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Ergreifen Sie in solchen Fällen folgende Sofortmaßnahmen:

1. Arzt oder Giftzentrale kontaktieren! Rufen Sie eine der Giftnotruf-Zentralen an, gehen Sie zum Hausarzt oder begeben Sie sich ins nächstgelegene Krankenhaus.

Die Giftnotrufe beraten Laien und medizinisches Fachpersonal bei Vergiftungen durch Medikamente, Pflanzen, Drogen, Tiere, Pilze, Haushaltsmittel oder Chemikalien. Die Giftnotrufnummern lauten:

Region Notrufnummer
Berlin +49 (0)30 - 1 92 40
Bonn +49 (0)228 - 1 92 40
Erfur +49 (0)361 - 73 07 30
Freiburg +49 (0)761 - 1 92 40
Göttinge +49 (0)551 - 1 92 40
Homburg/Saar +49 (0)6841 - 1 92 40
Main +49 (0)6131 - 1 92 40
München +49 (0)89 - 1 92 40

Dabei ist es wichtig, dass Sie folgende Angaben machen:

  • Hat außen Ihnen noch jemand von den Pilzen gegessen?
  • Wann haben Sie die Pilze verzehrt?
  • Welche Beschwerden sind wann und in welcher Reihenfolge aufgetreten?
  • Wie groß war die Pilzmenge in der Mahlzeit?
  • Haben Sie mehrere Portionen gegessen?
  • Welche Pilzart(en) glaubten Sie zu verzehren?
  • Haben Sie Alkohol getrunken?
  • Haben Sie Medikamente eingenommen? Wenn ja, welche?

2. Pilzreste sichern! Stellen Sie alle Reste der verzehrten Pilze (z.B. vom Pilzeputzen), Reste der Mahlzeit und eventuell auch Erbrochenes sicher und nehmen Sie sie mit, wenn Sie zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren. So können die Pilze (und ggf. das passende Gegengift) bestimmt werden.

Hände weg von Hausmitteln!

Versuchen Sie niemals, eine Pilzvergiftung auf eigene Faust durch Hausmittel zu behandeln. Denn dadurch kann sich die Prognose deutlich verschlechtern.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Pilzvergiftung (Myzetismus): Symptome & Therapie
Notrufnummern für Deutschland
Notrufnummern für Österreich
Notrufnummern für die Schweiz

Linktipps:

Informationszentrale gegen Vergiftungen
Neben den Giftnotrufnummern Deutschlands finden Sie auf dieser Website unter anderem Infos zu Giftpflanzen, giftigen Pilzen, Gifttieren und Drogen.

Pilzsachverständige finden
Hier können Sie nach Pilzsachverständigen in Ihrer Nähe suchen, die unter anderem ratsuchende Pilzsammler und Kliniken in Fragen der Giftigkeit oder Essbarkeit von Pilzarten beraten.

Quellen:

Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V.: www.dgfm-ev.de (Abrufdatum: 1.9.2017)

Online-Informationen des NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.: www.nabu.de (Abrufdatum: 1.9.2017)

News des Deutschen Ärzteblatts: Experten befürchten frühe Pilzvergiftungswelle (21.8.2017)

Vergiftungsrisiko durch selbstgesammelte Pilze. Online-Informationen des Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (GIZ-Nord): www.giz-nord.de (Stand: 16.8.2017)

Strahlenbelastung von Pilzen und Wildbret. Online-Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS): www.bfs.de (Stand: 8.5.2017)

Kabai, E., et al.: Radioaktive Kontamination von Speisepilzen. Aktuelle Messwerte (Stand: 2015). Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Fachbereich Strahlenschutz und Umwelt, Salzgitter (November 2016)

Presseinformation Nr. 37/2016 des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): Gefährliche Verwechslung: Pilzvergiftungen können tödlich sein (29.9.2016)



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