Pflegezeit & Co.: Jobauszeit für die Pflege eines Angehörigen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (21. März 2017)

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Wenn ein nahestehender Mensch zum Pflegefall wird, wollen viele Angehörige vor allem eins: für den anderen da sein, und das am liebsten in häuslicher Umgebung. Für Berufstätige erscheint diese Aufgabe auf den ersten Blick kaum lösbar. In diesem Fall ist es gut, seine Rechte zu kennen, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Beruf und häusliche Pflege zu vereinbaren.

Berufstätige können ihren Job unter bestimmten Voraussetzungen für eine gewisse Zeit unterbrechen oder die Stundenanzahl reduzieren, um sich um die Pflege eines nahen Angehörigen zu kümmern. Zu nahen Angehörigen zählen zum Beispiel Lebenspartner, Geschwister, Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Kinder oder Enkel.

Abhängig von der persönlichen Situation bietet der Gesetzgeber verschiedene Möglichkeiten an:

  • Die Pflegeunterstützung (Pflegeunterstützungsgeld) dient der kurzfristigen Jobauszeit.
  • Die Pflegezeit erlaubt eine Freistellung bis zu 6 Monaten.
  • Die Familienpflegezeit sieht eine bis zu 2 Jahre lange Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 15 Wochenstunden vor.


Das Pflegeunterstützungsgeld: Wenn es schnell gehen muss

Einer Ihrer Angehörigen ist ganz plötzlich so krank, dass er Pflege braucht? In diesem Fall haben Sie gesetzlichen Anspruch auf eine kurzzeitige Auszeit vom Job. Bis zu zehn Arbeitstage können Sie dem Beruf fernbleiben, um eine Pflege für den Kranken zu organisieren. Während Ihrer Abwesenheit vom Arbeitsplatz bekommen Sie als Ausgleich für den fehlenden Lohn ein Pflegeunterstützungsgeld.

Um Pflegeunterstützungsgeld zu erhalten, stellen Sie bei der Pflegekasse beziehungsweise beim privaten Pflegeversicherungsunternehmen des Kranken einen Antrag. Dabei müssen Sie eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, die nachweist, dass eine entsprechende Pflegesituation besteht. Sie bekommen dann eine sogenannte Lohnersatzleistung, die den finanziellen Verlust zum größten Teil ausgleicht. 

Auf einen Blick: Das Pflegeunterstützungsgeld

Was? kurzfristige Auszeit und Pflegeunterstützungsgeld
Wann? wenn ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird (akute Pflegesituation) und Sie die Pflege organisieren müssen
Wer hat Anspruch? alle Arbeitnehmer, unabhängig von der Größe des Unternehmens
Wie lange? bis zu 10 Arbeitstage
Ankündigungsfrist? keine Ankündigungsfrist

Die Pflegezeit: Bis zu sechs Monate Zeit zum Pflegen

Die Pflegezeit ist die zeitlich ausgedehnte Variante der Pflegeunterstützung. Pflegezeit bedeutet, dass Arbeitnehmer für einen gewissen Zeitraum vom Job pausieren oder die Stunden reduzieren können, um einen Angehörigen zu Hause zu pflegen – bis zu sechs Monate lang. Die Pflege des Nahestehenden müssen Sie dabei selbst übernehmen, ein Pflegedienst kann Ihnen dabei jedoch helfend zur Hand gehen. Handelt es sich um einen minderjährigen Pflegebedürftigen, gilt der Anspruch auf Pflegezeit auch für eine Betreuung, die nicht zu Hause stattfindet, etwa, wenn das eigene Kind dauerhaft in der Klinik untergebracht ist.

Die Pflegezeit ist gesetzlich verankert und bedarf keiner Zustimmung Ihres Arbeitgebers – vorausgesetzt, im Unternehmen sind mehr als 15 Personen beschäftigt. Handelt es sich um ein kleineres Unternehmen, bleibt nur, direkt mit dem Chef zu verhandeln.

Wenn Sie nicht komplett aussteigen, sondern die Arbeitszeit verringern möchten, müssen Sie dies mit Ihrem Arbeitgeber schriftlich festhalten. Sofern keine dringenden Gründe dagegen sprechen, muss sich Ihr Chef nach Ihren Wünschen richten.

Wichtig: Während Ihrer Pflegezeit erhalten Sie kein Gehalt bzw. keinen Lohn. Allerdings haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Zeit für die Oma: Die Pflegezeit ermöglicht Ihnen, sich um einen nahen Angehörigen zu kümmern. © iStock

Zeit für die Oma: Die Pflegezeit ermöglicht Ihnen, sich um einen nahen Angehörigen zu kümmern.

Um die Pflegezeit nehmen zu können, müssen Sie nachweisen, dass Ihr Angehöriger tatsächlich pflegebedürftig ist. Dafür brauchen Sie eine entsprechende Bescheinigung der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung.

Gut zu wissen: Wenn Sie die Pflegezeit angekündigt haben und Ihre Pflegezeit in spätestens drei Monaten antreten, darf Ihnen Ihr Arbeitgeber bis zum Ende der Pflegezeit nicht kündigen. Eine Kündigung ist nur in besonderen Ausnahmefällen möglich und bedarf einer Zustimmung der obersten Landesbehörde.

Angehörige auf ihrem letzten Weg begleiten

Auch für Angehörige, die sich in der letzten Lebensphase befinden, gibt es eine Regelung im Rahmen der Pflegezeit: Sie können die nahestehende Person bis zu drei Monate lang begleiten, ohne arbeiten zu müssen. Dies kann entweder im häuslichen Rahmen oder an einem anderen Ort stattfinden, zum Beispiel in einem Hospiz.

Auf einen Blick: Die Pflegezeit

Was? bis zu 6 Monate Auszeit + Anspruch auf ein zinsloses Darlehen
Wann? wenn Sie einen nahen Angehörigen zur Hause pflegen möchten; bei minderjährigen Pflegebedürftigen ist die Pflege auch außer Haus möglich oder

wenn Sie einen nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase begleiten möchten
Wer hat Anspruch? Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten
Wie lange? bei pflegebedürftigen Angehörigen: bis zu 6 Monate

bei Angehörigen in der letzten Lebensphase: bis zu 3 Monate
Ankündigungsfrist? bis zu 10 Tage vor Beginn

Familienpflegezeit: Pflege und Beruf längerfristig unter einen Hut bringen

Wenn eine nahestehende Person über einen längeren Zeitraum hinweg pflegebedürftig ist und Sie sie zu Hause pflegen möchten, haben Sie Anspruch auf Familienpflegezeit. Voraussetzung: In dem Unternehmen, in dem Sie tätig sind, müssen mehr als 25 Personen arbeiten. Minderjährige Pflegebedürftige können auch außer Haus gepflegt werden.

Ziel der Familienpflegezeit ist, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren. Dafür können Sie Ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren auf mindestens 15 Stunden pro Woche reduzieren. Die 15 Stunden sind dabei ein Durchschnittswert, der im Laufe eines Jahres erreicht werden muss, das heißt: Es ist möglich, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten und mal etwas weniger, mal etwas mehr zu arbeiten – Hauptsache, im Durchschnitt werden mindestens 15 Stunden pro Woche erreicht. Wie genau die vorübergehende Freistellung aussieht, legen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertraglich fest. Während der Familienpflegezeit darf Ihnen der Arbeitgeber nicht kündigen.

Wie auch bei der Pflegezeit erhalten Sie keinen Verdienstausfall. Während der Freistellung haben Sie laut Familienpflegezeitgesetz Anspruch auf ein zinsloses Darlehen durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, um den Verdienstausfall ein wenig abzupuffern.

Auf einen Blick: Die Familienpflegezeit

Was? Reduzierung der Arbeitszeit (durchschnittliche Mindestarbeitszeit 15 Stunden pro Woche) +
Anspruch auf ein zinsloses Darlehen
Wann? längerfristiger Pflegebedarf: hPflege eines nahen Angehörigen, bei minderjährigen Pflegebedürftigen auch außer Haus
(mindestens Pflegegrad 1)
Wer hat Anspruch? Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten
Wie lange? bis zu 24 Monate
Ankündigungsfrist? bis zu 8 Wochen vor Beginn

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Forum Altenpflege & Krankenpflege

Linktipps:

Wege zur Pflege: Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Quellen:

Online-Informationen des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: www.pflege-zur-pflege (Abrufdatum: 13.3.2017)

Pflegezeit des Arbeitnehmers. Online-Informationen des Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: www.justiz.nrw.de (Stand: 2017)

Pflege und Beruf vereinbaren. Online-Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: www.bmas.de (Stand: 13.1.2015)

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Online-Informationen der Verbraucherzentralen in Deutschland: www.verbraucherzentrale.de (Stand: 18.1.2017)

Stand: 21. März 2017



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