Medikamente richtig entsorgen

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (23. Februar 2017)

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Ob Tabletten, Kapseln oder Tropfen – abgelaufene oder nicht verbrauchte Medikamente sammeln sich schnell in der Hausapotheke an. Doch wie und wo sollte man alte Medikamente entsorgen?

Alte Medikamente in den Hausmüll

Sofern der Beipackzettel keine speziellen Hinweise zur Entsorgung enthält, können Sie Medikamente in haushaltsüblichen Mengen einfach über den Hausmüll (Restmüll) entsorgen. Voraussetzung dafür ist, dass der Hausmüll am Ende in einer Verbrennungsanlage landet. Das ist in vielen Regionen Deutschlands der Fall. Belassen Sie die Tabletten dafür am besten im Blister und Flüssigkeiten im Behälter. Damit die abgelaufenen Medikamente aus der Hausapotheke nicht in falsche Hände geraten und zum Beispiel von spielenden Kindern gefunden werden, können Sie die Arzneimittel in Zeitungspapier oder Ähnliches einwickeln.

Ob Sie in Ihrer Region Medikamente in den Hausmüll geben dürfen, können Sie hier herausfinden: www.arzneimittelentsorgung.de

Schadstoffmobile nehmen alte Medikamente an

In manchen Gemeinden können Sie alte Medikamente bei sogenannten Schadstoffmobilen abgeben. Ob und wann diese mobilen Schadstoff-Sammelstellen in Ihrer Nähe sind, erfahren Sie über Ihren Entsorgungsdienstleister oder über den Abfallkalender.

Alte Medikamente zum Recyclinghof bringen

Alternativ können Sie abgelaufene Medikamente selbst zum Recyclinghof bringen. In der Regel nehmen Recyclinghöfe auch alte Arzneimittel an.

Fragen Sie Ihren Apotheker

Früher konnte man alte Medikamente einfach zur Apotheke bringen. Die weitere Entsorgung von dort aus war bundesweit geregelt und verursachte keine zusätzlichen Kosten für die Apotheken. Im Juni 2009 stellte die zuständige Recyclingfirma ihren Service jedoch ein. Seitdem nehmen zwar immer noch viele Apotheken alte Medikamente kostenlos zurück, verpflichtet sind sie dazu jedoch nicht. Den Apotheken entstehen durch die freiwillige Rücknahme Kosten, denn sie müssen Spezialfirmen beauftragen, die größere Medikamentenmengen abholen und fachgerecht entsorgen.

Bevor Sie abgelaufene Medikamente zur Apotheke bringen, fragen Sie deshalb am besten nach, ob diese dort auch wirklich zurückgenommen werden.

Medikamente gehören nicht in die Toilette oder in die Spüle

Abgelaufene flüssige oder feste Medikamente gehören nicht in den Abfluss der Spüle oder in die Toilette. Denn so können die Wirkstoffe ins Grundwasser und unter Umständen auch ins Trinkwasser gelangen, da Kläranlagen die Substanzen nicht vollständig herausfiltern können.

Für den Menschen gelten diese Rückstände zwar bislang als meist unbedenklich. Dennoch können solche Rückstände Folgen für die Umwelt beziehungsweise für das oft sensible Gleichgewicht in Ökosystemen haben – und dadurch möglicherweise auch indirekt auf den Menschen. Im Einflussgebiet von Kläranlagenabläufen etwa konnten Veränderungen an Fischen festgestellt werden: Enthielt das Wasser dort noch Reste von Arzneimitteln mit hormonartiger Wirkung, entwickelten männliche Fische teilweise weibliche Geschlechtsmerkmale.

Einer Umfrage aus dem Jahr 2013 zufolge landen 47 Prozent der abgelaufenen flüssigen Medikamente immer noch in der Toilette oder Spüle.

Aber nicht alles darf in den Hausmüll

  • Spritzen und Kanülen: Sie dürfen nur dann in den Hausmüll, wenn sie so verpackt sind, dass keine Verletzungsgefahr besteht.
  • Medikamente gegen Krebs: Mittel, die für eine Chemotherapie vorgesehen sind, dürfen nicht in den Hausmüll, sondern gelten als Sondermüll.
  • Asthma-Sprays: Leere Asthma-Spraybehälter enthalten chemische Reste wie Dosier-Aerosole und gelten deswegen als Sondermüll.
  • Opioidpflaster: Schmerzpflaster mit Wirkstoffen wie Fentanyl oder Buprenorphin können auch nach Gebrauch noch bis zu 50 Prozent des Wirkstoffs enthalten. Sie dürfen nach Gebrauch deshalb nur dann in den Hausmüll, wenn man sie vorher zusammenklebt, damit sie sich nicht z.B. spielende Kinder versehentlich aufkleben. Außerdem sollten die zusammengeklebten Pflaster unauffällig eingewickelt werden (z.B. in Zeitungspapier oder eine Tüte). Nicht benutzte Pflaster geben Sie am besten in einer Apotheke oder in Schadstoffsammelstellen ab.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Forum Arzneimittel & Arzneitherapie (mit Expertenrat)
Hausapotheke

Linktipps:

www.arzneimittelentsorgung.de Auf dieser Website erfahren Sie, welche Entsorgungsmöglichkeiten in Ihrer Region empfohlen werden.

Quellen:

Online-Informationen von „Arzneimittel – richtig entsorgt“: www.arzneimittelentsorgung.de (Abrufdatum: 23.2.2017)

Arzneimittel richtig aufbewahren und entsorgen. Online-Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit: www.bundesgesundheitsministerium.de (Stand: 22.4.2016)

Alte Arzneimittel – ein Fall für die Tonne. Online-Informationen des Umweltbundesamts: www.umweltbundesamt.de (Stand: 25.11.2015)

Wohin mit abgelaufenen Medikamenten? Online-Informationen der Bundesregierung: www.bundesregierung.de (Stand: 15.7.2014)

Sichere Entsorgung von gebrauchten Opioid-Pflastern (Fentanyl, Buprenorphin). Online-Informationen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: www.abda.de (Stand: 20.8.2013)

Altmedikamente – Wohin mit dem Müll? Online-Informationen der Pharmazeutischen Zeitung: www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: 2011)

Stand: 23. Februar 2017



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