Kryolipolyse: Fett weg mit Kälte?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (12. April 2017)

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Fett weg mit Low-Carb-Diäten und hochintensiven Workouts? Von gestern! Der neueste Trend aus Hollywood heißt Kryolipolyse. Dieses Verfahren verspricht, überschüssige Fettzellen einfach dahinschmelzen zu lassen – ohne Skalpell, ohne Schweiß und (fast) ohne Risiken. Cool.

Mithilfe der Kryolipolyse lassen sich angeblich auch die hartnäckigen, sportresistenten Fettpölsterchen an Bauch und Hüfte reduzieren, die trotz Diät und Sport einfach nicht verschwinden wollen. Fett wegfrieren statt Fett absaugen, mit diesem Beauty-Geheimnis wollen einige nun also ihrem Traumbody ein Stück näherkommen.

Und was sagt die Wissenschaft? Nun, anhand der Studienlage geht man aktuell davon aus, dass die Kältebehandlung eine Möglichkeit darstellt, zumindest ein bisschen schlanker zu werden. Zwar nicht ganz preiswert, aber dafür relativ sicher. Zu diesem Ergebnis kam auch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA.

Wahre Wunder darf man von der Kryolipolyse aber nicht erwarten: Für übergewichtige Menschen, die abnehmen wollen, ist die Kältebehandlung zum Beispiel nichts. Das Verfahren ist vielmehr für normalgewichtige Menschen gedacht, die ihrer Figur ein bisschen auf die Sprünge helfen wollen.

Wie funktioniert die Kryolipolyse?

Fettzellen mögen keine Kälte – ganz im Gegenteil: Schon bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius stirbt die Fettzelle den Zelltod. Andere Zellen hingegen bleiben verschont.

Die abgestorbenen Fettzellen und ihre Bestandteile werden über mehrere Wochen hinweg von den Fresszellen (Makrophagen) abgebaut, wodurch sich nach und nach die behandelte Fettschicht verringert.

Das Bild zeigt eine Frau bei der Kryolipolyse. © iStock

Fett reduzieren, ohne zu schwitzen? Das verspricht die Kryolipolyse.

Um ganz gezielt die Fettpölsterchen wegfrieren zu können, trägt der behandelnde Arzt zunächst ein gelgetränktes Tuch auf die ausgewählten Körperareale auf und streicht es luftblasenfrei aus. Dieses Tuch schützt die Haut während der Kältebehandlung. 

Anschließend legt er eine oder mehrere Kälteplatten auf die Fettdepots, die weggefroren werden sollen. Die Applikatoren sind an ein Kryolipolyse-Gerät angeschlossen, mit dem der Arzt ganz genau die Temperatur der Kryoplatten einstellen kann.

Wie mit einem Staubsauger wird anschließend das störende Fett an Bauch, Oberschenkel, Hüfte, Oberarm oder an der Brust angesaugt und heruntergekühlt. Behandlungsdauer: etwa 60 Minuten. Danach nimmt der Arzt den Saugkopf wieder ab und massiert eventuell das gefrostete Fettgewebe.

Wann sieht man die ersten Ergebnisse?

Durch das Vakuum, das von den Kryolipolyse-Applikationen erzeugt wird, können die Körperareale direkt nach der Behandlung etwas deformiert und gerötet aussehen – möglicherweise tritt auch eine leichte Taubheit der behandelten Zonen auf. In der Regel verschwinden diese Beschwerden aber innerhalb weniger Tage.

Bis der Bauch flacher oder die Oberschenkel schlanker wirken, dauert es aber etwas länger: Die ersten Ergebnisse der Kryolipolyse sind oft erst nach 4 bis 12 Wochen sichtbar – und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Klinische Studien legen nahe, dass sich das behandelte Fettgewebe bei fachgerechter Anwendung im Durchschnitt um 10 bis 25 Prozent reduzieren lässt.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Insgesamt handelt es sich bei der Kryolipolyse um ein relativ sicheres Verfahren. In Studien lag die Rate der Nebenwirkungen bei knapp einem Prozent. Die bedeutsamsten Nebenwirkungen, die bei dieser Kältebehandlung auftreten können, sind Sensibilitätsstörungen und eine sogenannte paradoxe adipöse Hyperplasie (PAH). Hierbei schwillt einige Monate nach der Behandlung die Behandlungsstelle dauerhaft an, da sich dort – aus noch ungeklärter Ursache – Fettzellen ansammeln. Diese muss der Arzt über eine Fettabsaugung entfernen.

Was kostet die Behandlung?

Die Kryolipolyse ist noch nicht an die sogenannte Gebührenordnung für Ärzte gebunden. Das heißt, es gibt noch keinen gesetzlich festgelegten Preis für die Behandlung.

Bei den meisten Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie liegen die Kosten bei etwa 400 bis 800 Euro pro Behandlung – und pro Areal. Wer sich also zum Beispiel den Hüftspeck wegeisen lassen möchte, zahlt doppelt: einmal für die linke, einmal für die rechte Seite.

Mittlerweile bieten auch immer mehr Fitness- oder Sonnenstudios eine Kryolipolyse zur lokalen Fettreduktion an – teilweise für unter 100 Euro pro Behandlung. Von solchen medizinischen Laien sollte man aber lieber die Finger lassen.

Kryolipolyse für Zuhause: Kann ich mit Coolpacks auch einfach selbst mein Fett wegfrieren?

Bei den Preisen mag so mancher Hobby-Schönheitschirurg nun auf die Idee kommen, die unliebsamen Fettpolster mithilfe von Eiswürfeln oder Coolpacks einfach selbst wegzufrieren. Hierbei ist allerdings keine kontrollierte und exakte Kühlung möglich, was eher zu lokalen Erfrierungen der Haut und dem darunterliegenden Gewebe führt als zur Fettreduktion.  

Fazit:

Nach heutigen Erkenntnissen handelt es sich bei der Kryolipolyse insgesamt um eine wirksame nicht-invasive Methode zur Körperformung. Die Behandlungsergebnisse der Kryolipolyse fallen zwar nicht ganz so deutlich aus wie bei der operativen Fettabsaugung, dafür gibt es kaum Risiken oder Nebenwirkungen.

Allerdings sind nicht alle Patienten für das Fettwegfrieren geeignet, zum Beispiel Schwangere, kälteempfindliche Menschen oder Menschen mit Hautkrankheiten, einer Autoimmunerkrankung oder mit peripheren Durchblutungsstörungen. Daher sollte man sich vor der Behandlung gut von einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie beraten lassen.

Langfristig abnehmen kann man damit allerdings nicht! Die Kryolipolyse kann aus dicken Menschen keine dünnen machen, sondern eignet sich eher für ohnehin schlanke Menschen, die ihrer Figur noch den letzten Schliff geben wollen. 

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipp:

Forum: Plastische & Ästhetische Chirurgie

Quellen:

Ho, D., Jagdeo, J.: A Systematic Review of Paradoxical Adipose Hyperplasia (PAH) Post-Cryolipolysis. Journal of drugs in dermatology: JDD, Vol. 16, Iss. 1, p. 62 (2017)

Herold, C., et al.: Kryolipolyse – wissenschaftlicher Hintergrund eines aktuellen Hypes in der ästhetischen Medizin. Handchirurgie, Mikrochirurgie, Plastische Chirurgie, Ausg. 48 Nr. 4, S. 247-251 (2016)

Derrick, C. D., Shridharani, S. M., Broyles, J. M.: The safety and efficacy of cryolipolysis: a systematic review of available literature. Aesthetic Surgery Journal, Vol. 35, Iss. 7, pp. 830-836 (2015)

Fischer, T. C.: Kryolipolyse: Wirkungsweise und Anwendung in der Praxis. HAUT, Ausg. 5, S. 232-238 (2014)

Bernstein, E. F.: Longitudinal evaluation of cryolipolysis efficacy: two case studies. Journal of cosmetic dermatology, Vol. 12, Iss. 2, pp. 149-152 (2013)

Dierickx, C. C., et al.: Safety, tolerance, and patient satisfaction with noninvasive cryolipolysis. Dermatologic Surgery, Vol. 39, Iss. 8, pp. 1209-1216 (2013)

Stand: 12. April 2017



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