Kokosfett: Gesunder Trend – oder alles erfunden?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Oktober 2017)

© iStock

Kokosfett und Kokosöl sind voll im Trend. Es wird als "Superfood" beworben und Anbieter der Öle aus der Kokosnuss behaupten, es habe eine gesundheitsfördernde Wirkung. Zum Beispiel soll es Karies und Alzheimer bekämpfen. Was ist dran an den Werbeaussagen?

Kokosfett wird seit Langem in Form von Plattenfett angeboten und in weißen Blöcken als Brat- und Frittierfett verkauft. So ist es hierzulande bekannt geworden. Dazu wird es nach der Gewinnung aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss industriell verarbeitet: Es wird raffiniert, gebleicht und desodoriert – das heißt, der typische Kokosgeruch wird neutralisiert.

Inzwischen wird Kokosöl vielfach als weißliches streichfestes Fett in Gläsern verkauft. Das Öl ist bei Zimmertemperatur nicht flüssig, sondern cremig.

Sogenanntes natives Kokosöl wird hingegen aus dem frischen, nicht getrockneten Fruchtfleisch oder der Kokosmilch extrahiert und nicht weiter chemisch behandelt. Der Zusatz "nativ" besagt, dass das Öl kaltgepresst und naturbelassen ist. Auch das Kokosöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt erst ab circa 25 Grad Celsius.

Kokosöl und -fett ist beliebt, weil es sehr hitzebeständig und wohlschmeckend ist. Aber es wird auch behauptet, Kokosöl würde kariesauslösende Bakterien im Mund zerstören und könne der Demenzerkrankung Alzheimer vorbeugen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Belege.

Wo kommt Kokosöl zum Einsatz?

Als Brat- und Frittierfett wird es häufig bei der Herstellung von Kartoffelchips, Pommes frites und süßen Backwaren verwendet. Es kommt zudem häufig in der industriellen Fertigung von Süßigkeiten zum Einsatz. So ist es etwa fester Bestandteil von Eiskonfekt und verleiht diesem die kühlende Wirkung. Denn das in dem Konfekt enthaltene Kokosfett schmilzt bereits bei unter 24 Grad Celsius und liegt damit deutlich unter der Körpertemperatur von 37 Grad. Das bedeutet, dass es im Mund beim Schmelzen Wärme entzieht – so entsteht der beliebte kühlende Effekt.

Die Kosmetikindustrie verwendet Kokosöl in Haut- und Haarpflegeprodukten.

Kokosöl enthält mehrfach gesättigte Fettsäuren

Die in Kokosfett oder -öl enthaltenen Fettsäuren sind überwiegend mehrfach gesättigt. Der Anteil liegt bei rund 85 Prozent. Butter enthält dagegen gut 50 Prozent gesättigte Fettsäuren.

Gesättigte Fettsäuren gelten jedoch als weniger günstig für den Körper, weil sie bestimmte Blutfettwerte steigern, nämlich das LDL-Cholesterin (sog. „schlechtes“ Cholesterin) und die Triglyceride. Ein erhöhter Spiegel kann zu einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle führen.

Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor Kokosfett

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor dem übermäßigen Verzehr von Kokosfetten und -ölen und verweist dabei auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Die Empfehlung lautet deshalb ganz klar, den Verbrauch von Kokosöl zu begrenzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt ebenfalls die Empfehlung, sparsam mit gesättigten Fettsäuren zu sein: "Verwenden Sie feste Pflanzenfette wie Kokosfett und Palmkernfett, wenn überhaupt, nur selten. Sie erhalten einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die für den Körper ungünstig sind."

Es sollten stattdessen mehrfach ungesättigte Fettsäuren bevorzugt werden, raten die Ernährungsexperten der DGE. Dies sind Pflanzenöle wie Raps-, Oliven-, oder Sonnenblumenöl.

Wie ist die Studienlage?

Die Studienlage bestätigt die Empfehlungen von WHO und DGE. Eine Übersichtsstudie hat ergeben, dass Kokosnussöl grundsätzlich das Gesamtcholesterin im Blut erhöht und außerdem das LDL-Cholesterin. Dieser Effekt ist stärker als bei ungesättigten Pflanzenölen. Allerdings steigt das LDL-Cholesterin durch Kokosöl weniger stark, als dies bei Butter der Fall ist. Das tierische Streichfett ist demnach mit Blick auf den Fettstoffwechsel noch ungeeigneter als Kokosöl beziehungsweise Kokosfett.

Weitere Informationen

Quellen:

Stellungnahme zu Studien über Kokosöl. Online-Information der Verbraucherzentrale Hamburg: www.vzhh.de (Stand: 7.9.2016)

Lockyer, S., Stanner, S.: Coconut oil – a nutty idea? Nutrition Bulletin, Vol. 41, Iss. 1, pp. 42–54 (16.2.2016)

Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): DGE empfiehlt: Auf Fettmenge und -qualität achten. Fettzufuhr spielt Rolle für die Prävention von Krankheiten (24.3.2015)

Avoiding Heart Attacks and Strokes. Online-Information der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.de (Stand: 2015)

Aktualisiert am: 2. Oktober 2017



Apotheken-Notdienst