Gänsehaut, Schluckauf & Co.: Was steckt dahinter?

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (09. November 2017)

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Schluckauf, knackende Gelenke, Gänsehaut, der eine oder andere blaue Fleck und weitere Signale des Körpers zeigen uns, dass etwas im sonst reibungslosen Ablauf nicht stimmt. Der Grund dafür ist meist harmlos und geht bald vorüber. Doch wann sollte man genauer auf diese Körpersignale achten und zum Arzt gehen?

Unser Körper ist ein faszinierender Mechanismus: Zahlreiche Funktionen arbeiten meist ohne Probleme zusammen und machen es möglich, dass wir tagtäglich unserem Alltag nachgehen. Normal, dass es da auch mal im Getriebe klemmt. Meistens können Sie die Anzeichen hierfür ignorieren. Manchmal aber leuchten die Warnlampen rot auf und zeigen Ihnen, dass Sie zum Arzt gehen oder etwas an Ihren Lebensgewohnheiten ändern sollten.

Aufstoßen

Daher kommt's:

Die meisten Menschen müssen aufstoßen, weil sie zu schnell oder zu viel gegessen haben oder weil das Essen zu fettig, zu scharf oder zu süß war.

Auch Getränke wie Kaffee und schwarzer Tee, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke können der Grund sein.

Neben der Ernährung können Stress oder eine Schwangerschaft zum Aufstoßen führen.

Wann muss man handeln?

Wenn Sie häufig aufstoßen müssen und es praktisch zu Ihrem Alltag gehört, sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Eventuell reicht es schon aus, Ihre Ernährung umzustellen und die Lebensgewohnheiten zu ändern.

Augenringe

Daher kommt's:

Die Haut unter den Augen ist besonders dünn. Wenn die kleinen Blutgefäße stärker durchblutet werden, erscheint diese Region darum dunkler.

Augenringe entstehen am häufigsten durch Stress oder Übermüdung. Aber auch Rauchen oder ein plötzlicher großer Gewichtsverlust kann Augenringe verursachen.

Bei Kindern treten Augenringe meist auf, wenn die Nase verstopft ist, aber auch, wenn sie zu wenig trinken.

Wann muss man handeln?

Kinder sollten immer genug trinken! Wenn die Augenringe mit vermehrtem Trinken oder nach der Erkältung nicht verschwinden, sollten Sie zum Kinderarzt gehen. 

Erwachsene sollten Augenringe ärztlich abklären lassen, wenn diese ohne ersichtlichen Grund oder anhaltend auftreten.

Blähungen

Daher kommt's:

Schlechte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sind der häufigste Grund für Blähungen. Blähendes, üppiges, fettes und süßes Essen, womöglich noch zu schnell hinuntergeschlungen, kann für unangenehme Luftansammlungen im Magen-Darm-Bereich sorgen. Auch Kaffee und Süßstoffe können Blähungen verursachen.

Aber auch wer zu viel Luft schluckt (stressbedingt oder bspw. Säuglinge beim Trinken), hat schnell mit Blähungen zu kämpfen. Schwangere können aufgrund der hormonellen Umstellung mit Blähungen rechnen.

Wann muss man handeln?

Wenn die Blähungen hartnäckig sind, sehr plötzlich ohne ersichtlichen (oben genannten) Grund auftreten oder Sie zusätzlich Bauchschmerzen bekommen und/oder sich übergeben müssen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Blaue Flecken

Daher kommt's:

Ein Sturz, ein heftiger Aufprall, ein festerer Knuff oder mit dem Oberschenkel gegen die Tischkante gelaufen: Blaue Flecken hatte vermutlich schon jeder, und das nicht zu selten. Grund sind verletzte Blutgefäße unter der Haut, aus denen Blut ins umliegende Gewebe fließt.

Wann muss man handeln?

Meist müssen blaue Flecken nicht versorgt werden. Sie breiten sich allmählich aus, ändern mit den Tagen ihre Farbe und verschwinden dann von selbst wieder.

Breitet sich der Fleck aber sehr schnell aus, sollten Sie umgehend zum Arzt gehen: Es könnte ein größeres Blutgefäß verletzt sein.

Auch wenn Sie häufig blaue Flecken bekommen oder diese ohne ersichtlichen Grund auftreten oder wenn zusätzlich starke oder anhaltende Schmerzen hinzukommen, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Gänsehaut

Daher kommt's:

Ferne Vorfahren der Menschen hatten ein Fell, und an der Wurzel jedes Haares saßen Muskeln. Heute haben wir gewöhnlich weniger und feinere Haare am Körper, doch diese sind weiterhin an ihrer Basis mit Muskeln versehen. Gänsehaut entsteht, wenn sich diese Muskeln zusammenziehen.

Ursprünglich wurden die Muskeln vermutlich aktiv, wenn es kalt wurde, sodass sich die Haare aufstellten und sich Luft dazwischen sammelte und als Wärmedämmung diente. Eine andere Erklärung wäre, dass die aufgestellten Haare imponieren sollten. Heute haben die aufgestellten Haare keine Funktion mehr, die Muskeln funktionieren aber immer noch wie zu Urzeiten, wenn sie gereizt werden.

Mechanisch können Kälte, Wind und Streicheln die Muskeln reizen. Aber auch starke Emotionen wie große Freude, Spannung, Grusel oder Angst können die Muskeln kontrahieren lassen und so für Gänsehaut sorgen.

Wann muss man handeln?

Gar nicht. Außer Ihnen ist zu kalt: Dann sollten Sie sich wärmer anziehen.

Juckreiz

Daher kommt's:

Naheliegende Ursache: Trockene Haut kann jucken, weil ihr Feuchtigkeit fehlt. Allerdings kann auch Stress Juckreiz auslösen. Während einer Schwangerschaft verändert sich die Beschaffenheit der Haut, außerdem wird die Haut durch das zunehmende Gewicht gedehnt – daher ist Juckreiz in der Schwangerschaft nicht selten.

Außerdem können mechanische Reize ein Jucken auslösen, etwa ein loses Haar, das sich im Kragen verfangen hat, oder ein krabbelndes Insekt.

Wann muss man handeln?

Gegen trockene Haut kann eine entsprechende Creme helfen. Wer da unsicher ist, sollte sich von einer Kosmetikerin beraten lassen.

Anhaltendes Jucken sollte allerdings vom Hautarzt untersucht werden, besonders wenn Hautveränderungen dazukommen.

Knackende Gelenke

Daher kommt's:

Schon bei jungen Menschen knackt es manchmal im Gebälk, wenn sie sich aufrichten, Treppen steigen oder bewusst die Finger knacken lassen. Knackende Gelenke gehören also anscheinend zum Alltag dazu.

Der Grund dafür ist nicht wirklich bekannt. Eine Vermutung ist, dass sich die Gelenkflüssigkeit kurzzeitig verschiebt. Ein anderer Grund könnte schwache Muskulatur beziehungsweise ein schwaches Bindegewebe sein.

Wann muss man handeln?

Wenn die Gelenke beim Knacken schmerzen oder in der Bewegung eingeschränkt sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch wenn es eher knirscht als knackt, ist der Arztbesuch angesagt.

Und: Lassen Sie das Fingerknacken! Das kann auf Dauer die Gelenke schädigen.

Schluckauf

Daher kommt's:

Wird der Zwerchfellnerv gereizt, zieht sich das Zwerchfell ruckartig zusammen und ein Schluckauf entsteht. Aber wodurch wird der Nerv gereizt? Grund können kalte Nahrungsmittel oder Getränke sein, aber auch kohlensäurehaltige Getränke und zu große Mahlzeiten.

Auch wer viel Alkohol trinkt, raucht oder sein Essen zu schnell in sich hineinstopft, riskiert einen Schluckauf. Nicht zuletzt kann Nervosität einen Schluckauf auslösen.

Wann muss man handeln?

Schluckauf kann ganz schön hartnäckig sein. Wenn er aber länger als 48 Stunden – also ganze zwei Tage – andauert, sollten Sie sich auf den Weg zum Arzt machen.

Taube Finger

Daher kommt's:

Für taube Finger ist immer ein eingeklemmter Nerv verantwortlich. Sie liegen nachts ungünstig auf dem Arm, legen den Arm eine Weile auf einer schmalen Kante (etwa einer Stuhl-Rückenlehne) ab oder sind im Bereich der Halswirbelsäule stark verspannt: All das beeinträchtigt die Nerven, die durch den Arm verlaufen, sodass sich die Finger taub anfühlen können.

Wann muss man handeln?

Gewöhnlich kehrt das Gefühl nach kurzer Zeit in die Finger zurück. Ist das nicht der Fall, sollte die Taubheit ärztlich abgeklärt werden.

Weiche Knie

Daher kommt's:

Nicht ungewöhnlich: Weiche Knie vor Aufregung, bei Stress, nach großer Anstrengung, vor Angst oder wenn Sie zu wenig gegessen oder getrunken haben. Oft werden die weichen Knie von Schwindel begleitet.

Wann muss man handeln?

Wenn Sie häufig weiche Knie bekommen oder das Gummigefühl in den Beinen nicht verschwindet, obwohl die auslösende Situation vorüber ist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Zuckende Muskeln

Daher kommt's:

Ein zuckendes Augenlid oder Zuckungen in den Waden – viele kennen das. Meist ist Stress, Müdigkeit oder Überanstrengung der Grund. Aber auch Alkohol oder Magnesiummangel kommen dafür infrage. Und – naheliegend – Kälte. Wird uns zu kalt, beginnen die Muskeln zu zucken, um Wärme zu erzeugen. Dann klappern wir auch gerne mal mit den Zähnen …

Wann muss man handeln?

Häufige und anhaltende Muskelzuckungen müssen ärztlich abgeklärt werden. Oft reicht es dann aus, wenn der Arzt Ihnen ein Magnesiumpräparat verschreibt oder Sie den Stresslevel senken und mehr schlafen.

Weitere Informationen

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 9.11.2017)

Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 9.11.2017)

Bräutigam, W.; Christian, P.; von Rad, M.: Psychosomatische Medizin. Thieme, Stuttgart 1997

Aktualisiert am: 9. November 2017



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