Kindersicherheit im Auto

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (19. September 2017)

© iStock

Die Zahlen stimmen nachdenklich: 135 Kinder waren im Saarland alleine im August nicht richtig im Auto gesichert. Innerhalb einer Woche waren 27 Kinder in kontrollierten Autos in Osnabrück nicht oder nicht richtig angeschnallt. Rund 10.000 Kinder, die im Auto mitfahren, werden jährlich in Deutschland bei Unfällen verletzt oder getötet.  

Trotz dieser Zahlen hört man immer wieder Aussagen wie: "Wir haben damals auch ohne den ganzen Schnickschnack überlebt." "Ich kann die Kinder doch nicht permanent angeschnallt lassen." Und kürzlich sorgte eine Familie für Schlagzeilen, die ihren Zweijährigen während der Fahrt auf der Autobahn auf der Hutablage schlafen ließ.

Kinder werden aber nicht nur aufgrund einer solch nachlässigen Einstellung ungenügend gesichert. Viele Eltern oder andere Aufsichtspersonen wissen es schlicht nicht besser oder bedienen die für Kinder nötigen Rückhaltesysteme falsch.

Tatsächlich hat sich die Zahl der im Verkehr verletzten und getöteten Kinder von 1990 bis 2016 mehr als halbiert. Doch noch immer werden jährlich zu viele Kinder verletzt oder sterben, weil sie im Auto nicht ausreichend gesichert waren. Dabei ist es so einfach, Kinder im Auto richtig mitfahren zu lassen.

Was kann passieren, wenn das Kind nicht richtig gesichert ist?

  • Wenn das Kind gar nicht angeschnallt ist, wird es beim starken Abbremsen oder bei einem Unfall durch das Auto geschleudert. Hier kann es sich selbst, aber auch andere Insassen schwer bis tödlich verletzen.
  • Ist das Kind nicht in einem geeigneten Kindersitz gesichert, sondern nur mit dem Autogurt angeschnallt, kann der Gurt
    • schon beim Abbremsen in den Bauch des Kindes einschneiden und schwere innere Verletzungen hervorrufen.
    • in den Hals einschneiden und das Kind strangulieren.
  •    Trägt das Kind dicke Kleidung unterm Gurt (Winterjacke, Schneeanzug, ...), sitzt der Gurt auch in einem geeigneten Kindersitz nicht stramm genug und kann in den Bauchraum verrutschen. Hier kann er schwere Verletzungen verursachen, wenn Sie abbremsen müssen.

Das müssen Sie beachten (Rechtliches)

  • Seit dem 16.12.1991 gilt im Auto für alle Insassen die Gurtanlegepflicht.
  • Kinder müssen mit einem Kindersitz oder einer entsprechenden altersgerechten Rückhaltevorrichtung gesichert werden, und zwar
    • bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres ODER
    • bis zu einer Größe von 1,50 Meter.
  • Kinder bis 15 Monate müssen in einem Babysitz transportiert werden.
  • Ist ein Kind im Auto nicht entsprechend gesichert, droht ein Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.
  • Babyschalen müssen rückwärts gerichtet montiert werden.
  • Der Airbag auf dem Beifahrersitz muss ausgeschaltet sein, wenn eine Babyschale verwendet wird. Wer sich nicht danach richtet, muss mit einer Strafe rechnen.
  • Der verwendete Kindersitz muss ein Prüfsiegel aufweisen.
  • Ist das Kind nicht entsprechend gesichert, kann es passieren, dass die Versicherung bei einem Unfall nicht für die nötigen medizinischen Folgekosten aufkommt.

Wenn das Kind nach dem 12. Lebensjahr noch kleiner als 1,50 Meter ist, wird eine Sitzerhöhung empfohlen, ist aber nicht mehr Pflicht.

Das sollten Sie beachten (Tipps)

Einige Dinge bezüglich der Kindersicherung im Auto sind rechtlich vorgegeben. Andere sind dringend empfehlenswert. Dazu gehört beispielsweise, dass Sie den richtigen Kindersitz für Ihr Kind verwenden. Dabei sollten Sie auf Folgendes achten:

  • Kaufen Sie keinen gebrauchten Sitz. Schäden sind oft nicht direkt sichtbar.
  • Der Sitz sollte den neusten Standards entsprechen.
  • Kinder sollten immer auf der Rückbank sitzen. Wenn es doch mal der Beifahrersitz sein soll: Stellen Sie den Airbag ab! Bei Babyschalen ist das rechtlich vorgegeben, für weitere Kindersitze empfohlen und deutlich sicherer für ihr Kind.
  • Schnallen Sie das Kind nie mit Winterjacke oder Schneeanzug an. Der Gurt sitzt dann nicht stramm genug.
  • Kaufen Sie den Sitz am besten mit Kind und Auto, denn der Kindersitz muss zu Größe und Gewicht Ihres Kindes passen:
    • Gruppe 0: 10-13 kg, Babyschalen mit Hosenträgergurt
    • Gruppe 1: 9-18 kg, Kindersitz mit Hosenträgergurt
    • Gruppe 2: 15-25 kg: Sitzerhöhung mit oder ohne Rückenlehne, eventuell mit Fangkörper (werden mit Dreipunktgurt des Autos gesichert)
    • Gruppe 3: 22-36 kg: Sitzerhöhung mit oder ohne Rückenlehne (werden mit Dreipunktgurt des Autos gesichert)

Neben dem richtigen Sitz gibt es aber noch ein paar andere Dinge, auf die Sie achten sollten, wenn Sie mit Kind Auto fahren:

  • Aktivieren Sie immer die Kindersicherung (und, wenn möglich, die Fenstersicherung) der Tür.
  • Der Gurt muss immer stramm sitzen.
  • Lassen Sie sich nicht durch das Kind / die Kinder ablenken. Sorgen Sie im Vorfeld für ausreichend Beschäftigung.

Ob das Kind im Sitz oder, wenn es älter als 12 Jahre oder größer als 1,50 Meter ist, nur mit dem Gurt gesichert ist – der Gurt muss tief am Beckenknochen sitzen und nicht zu nah am Hals:

  • Rutscht der Gurt in den Bauchbereich, kann ein Unfall schwere innere Verletzungen verursachen.
  • Sitzt der Gurt zu nah am Hals, kann er dort Abschürfungen verursachen oder das Kind strangulieren.

Dreipunktgurte müssen daher bei Kindersitzen immer durch die vorgesehenen Gurtführungen verlaufen. Hosenträgergurte müssen stramm sitzen und an die Größe des Kindes angepasst werden.

Weitere Informationen

Linktipps:

ADAC-Test Kindersitze 2017

ADAC Sicher im Auto

Bußgeldkatalog 2017

Quellen:

Online-Informationen des ADAC: www.adac.de (Abrufdatum: 18.9.2017)

Online-Informationen des Bußgeld-Katalogs: www.bussgeld-info.de (Abrufdatum: 18.9.2017)

Polizeidirektion Osnabrück verzeichnet Hunderte Verstöße. Online-Pressemitteilung der Osnabrücker Zeitung: www.noz.de (18.9.2017)

135 Kinder auf dem Schulweg nicht sicher im Auto. Online-Pressemitteilung der Saarbrücker Zeitung: www.saarbruecker-zeitung.de (12.9.2017)

Eltern lassen zweijähriges Kind ungesichert auf Hutablage schlafen. Online-Pressemitteilung des Kölner Stadtanzeigers: www.ksta.de (12.9.2017)

Kinderunfälle im Straßenverkehr 2016. Statistisches Bundesamt (Destatis): www.destatis.de (16.8.2017)

Die richtige Kindersicherung. Broschüre des ADAC e.V., München 2017

Straßenverkehrsordnung (StVO) vom 6. März 2013 (BGBl. I S. 367), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 18. Mai 2017 (BGBl. I S. 1282)


Wie lange wurde Ihr Kind gestillt?