Kaugummi schützt vor Mittelohrentzündung

Veröffentlicht von: Till von Bracht (12. August 2016)

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Gerade kleine Kinder leiden oft unter schmerzhaften Mittelohrentzündungen. Das muss vielleicht gar nicht sein: Wissenschaftlicher haben herausgefunden, wie man Kinder vor einer Mittelohrentzündung schützen kann – und zwar mit Kaugummi kauen!

Dabei gilt allerdings: Nicht jeder x-beliebige Kaugummi hilft!

Verantwortlich für die vorbeugende Wirkung ist der Zuckeraustauschstoff Xylit, der in vielen Zahnpflegekaugummis eingesetzt wird. Bereits seit den 1970er-Jahren weiß man, dass Xylit gut für die Zähne ist: Er vermindert die Plaquebildung und die Produktion von zahnschädigenden Säuren.

Und wie sollen Zahnpflegekaugummis nun das Risiko für eine Mittelohrentzündung senken?

Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: Wenn Xylit Karies vorbeugen kann, weil er die Säureproduktion und das Wachstum von Bakterien hemmt, dann müsste er die Bakterien auch davon abhalten können, über den Mund ins Mittelohr zu wandern.

Und genau das scheint der Fall sein: Forscher analysierten fünf placebokontrollierte Studien mit insgesamt 3.405 Kindern unter 12 Jahren. Die Hälfte der Kinder erhielt mehrmals täglich entweder Kaugummis, Lutschtabletten oder einen Sirup mit Xylit – die andere Hälfte eben solche Präparate ohne den Süßstoff.

Das eindeutige Ergebnis: Die Kinder, die Xylit zu sich nahmen, erkrankten deutlich seltener an Mittelohrentzündungen als die anderen Kinder. Statistisch gesehen lässt sich mit Xylit-haltigen Präparaten jede vierte Mittelohrentzündung vermeiden.

Am effektivsten schnitt dabei das Kaugummi ab: Hier konnte das Erkrankungsrisiko sogar um 40 Prozent reduziert werden.

Ein weiteres Ergebnis der Studien ist aber auch: Wenn die Kinder bereits eine Infektion der oberen Atemwege haben, hilft Xylit-Kaugummi nicht mehr.

Wie viele Kaugummis muss ein Kind kauen, damit es keine Mittelohrentzündung bekommt?

Zunächst einmal gilt: Einen 100-prozentigen Schutz bieten diese Kaugummis nicht! Damit das Risiko für eine Mittelohrentzündung aber wenigstens vermindert werden kann, müssen die Kinder mindestens fünfmal täglich über mehrere Monate Xylit-Kaugummis kauen. In Studien, in denen die Kinder sie nur dreimal pro Tag kauten, wirkten die Kaugummis nicht.

Eltern sollten sich also fragen,

  • ob dies im Alltag überhaupt umsetzbar wäre (an vielen Schulen ist das Kaugummikauen ja z.B. verboten)
  • und ob sie generell damit einverstanden wären, wenn ihre Kinder ständig Kaugummi schmatzten.

Was ist Xylit (Xylitol)?

Xylit, auch Birkenzucker genannt, sieht aus wie gewöhnlicher Zucker und schmeckt auch ähnlich, hat aber weniger Kalorien. Chemisch gesehen ist es Zuckeralkohol, weshalb man Xylit oft auch als Xylitol bezeichnet.

Gewonnen wird Xylit meist aus Laubhölzern wie Birke oder Buche – aber auch aus den Resten von Maiskolben. Da die Herstellung relativ aufwendig und teuer ist, wird Xylit bislang hauptsächlich in Kaugummis und Bonbons verwendet. In größeren Mengen kann Xylit eine abführende Wirkung haben.

Nicht alle Kaugummis können vor einer Mittelohrentzündung schützen. Wichtig ist, dass sie den Zuckeraustauschstoff Xylit enthalten. © Flickr

Nicht alle Kaugummis können vor einer Mittelohrentzündung schützen. Wichtig ist, dass sie den Zuckeraustauschstoff Xylit enthalten. (Quelle: Flicker hugovk, CC BY-NC-SA 2.0)

Quellen:

Azarpazhooh A., Lawrence, H.P., Shah, P.S.: Xylitol for preventing acute otitis media in children up to 12 years of age. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 8. Art. No.: CD007095

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: Mai 2013)

Stand: 12. August 2016


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