So gefährlich ist Herpes für Babys

Veröffentlicht von: Till von Bracht (06. Juli 2016)

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Herpes kennen die meisten Menschen als lästige Bläschen an den Lippen, die immer genau dann auftreten, wenn man sie überhaupt nicht gebrauchen kann. So unangenehm und optisch störend Lippenherpes für die Betroffenen auch sein mag: Gefährlich ist eine Infektion mit Herpesviren für gesunde Menschen nicht.

Bei Babys und Neugeborenen hingegen ist das anders: Bei ihnen kann eine Herpesinfektion lebensgefährliche Komplikationen und bleibende Schäden verursachen! Das Immunsystem von Babys ist noch zu schwach, um sich gegen die Herpesviren zu wehren. Die Herpesviren können sich dadurch leichter mit dem Blutstrom im Körper ausbreiten und zum Beispiel

  • die Leber,
  • die Lunge
  • oder das Gehirn

befallen.

Im schlimmsten Fall kann das Herpesvirus bei Neugeborenen eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung verursachen – die sogenannte Herpes-Enzephalitis.

Wie stecken sich Babys mit Herpes an?

Fast alle Menschen tragen das Herpesvirus in sich – viele von ihnen, ohne es zu wissen. Denn nur bei etwa jedem Dritten kommt es regelmäßig zu der bekannten Bläschenbildung am Mund; bei rund einem Prozent der Betroffenen tritt Lippenherpes etwa einmal im Monat auf.

Herpes ist sehr leicht übertragbar! Bei Erwachsenen erfolgt die Ansteckung meist über eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion – beispielsweise durch Husten, Niesen oder Küssen.

Neugeborene können sich grundsätzlich über drei Wege mit Herpes infizieren:

  • über den Mutterkuchen (wenn sich die Viren nach einer Herpesinfektion im ganzen Körper der Mutter ausbreiten),
  • während der Geburt (im Geburtskanal)
  • und direkt nach der Geburt (z.B. durch Küssen).

In den meisten Fällen stecken sich Babys während der Geburt mit Herpes an – genauer gesagt mit Genitalherpes. Die Viren werden dann im Geburtskanal von der Mutter direkt an das Kind weitergegeben. Dies kommt bei etwa einer von 7.500 Geburten vor. Um die Ansteckung zu vermeiden, kann es vorkommen, dass Ärzte das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt holen, wenn die Schwangere am Geburtstermin an Genitalherpes leidet.

Knuddeln, küssen, knutschen? Verboten!

Gerade in den ersten Lebenstagen brauchen Neugeborene viel Zuneigung – und Eltern können in der Regel nicht von ihnen lassen. Häufig kommen auch Verwandte und Freunde vorbei und knuddeln oder küssen den kleinen Nachwuchs.

Doch Vorsicht: Personen mit einer aktiven Herpesinfektion sollten keinen Kontakt mit dem Neugeborenen haben. "Wenn Eltern oder Verwandte das Baby mit dem Herpesvirus anstecken, kann es im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung bekommen. Diese kann tödlich verlaufen", warnt Dr. Marko Ostendorf, Arzt beim Infocenter der R+V Versicherung.

Dies lässt sich allerdings nicht immer vermeiden – zum Beispiel wenn die Mutter nach der Geburt des Kindes einen Lippenherpes entwickelt hat. Um das Ansteckungsrisiko dennoch gering zu halten, sollten verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:

  • Auch wenn es schwerfällt: Solange die Bläschen nicht verschwunden sind, sollten Sie Ihr Baby nicht küssen oder mit ihm schmusen.
  • Berühren Sie die Herpesbläschen nicht mit Ihren Händen und waschen Sie stets Ihre Hände, bevor Sie Ihr Baby anfassen.
  • Tragen Sie einen Mundschutz oder kleben Sie die Herpesbläschen mit einem Herpespflaster ab.
  • Wenn an der Brust keine Herpesbläschen vorhanden sind, dürfen Sie Ihr Neugeborenes weiter stillen.

Quellen:

Schuster, N.: Herpes-Infektion ist lebensgefährlich. Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 25 / 2016 (Stand: 2016)

Herpes simplex. Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. (Hrsg.): www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: 28.3.2016)

Thompson, C., Whitley, R.: Neonatal herpes simplex virus infections: where are we now? Hot Topics in Infection and Immunity in Children VII. Springer, New York, 2011

Kainer, F., Nolden, A.: Das große Buch zur Schwangerschaft. Gräfe und Unzer, München 2009

Stand: 6. Juli 2016


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