Riskante Kombination: Grapefruit und Medikamente

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (14. September 2017)

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Ob als Saft oder als Frucht – viele Menschen lieben die herb-bittere Süße der Grapefruit. Die große Zitrusfrucht hat es jedoch in sich, jedenfalls wenn man Medikamente einnimmt. Denn in Kombination mit bestimmten Wirkstoffen kann Grapefruit ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko werden.

Warum kann Grapefruit ein Problem sein?

Grapefruit führt bei vielen Medikamenten, die über den Mund eingenommen werden, zu Wechselwirkungen – unter Umständen sogar zu lebensbedrohlichen. Bestimmte Inhaltsstoffe der Grapefruit hemmen ein körpereigenes Enzym namens CYP3A4, das normalerweise dafür sorgt, dass die Wirkstoffe des Medikaments im Darm verstoffwechselt werden. Als Folge bleiben die jeweiligen Wirkstoffe zu lang im Körper.

Außerdem ist das Enzym CYP3A4 bei jedem Mensch unterschiedlich stark aktiv, was die Effekte von Grapefruit unberechenbar macht. Während das CYP3A4-Enzym bei manchen Menschen in der Darmwand von Natur aus eher schwach aktiv ist, ist es bei anderen bis zu achtmal so aktiv. Und je aktiver das Enzym ist, desto stärker ist auch der Effekt durch Grapefruit.

Beispiel:
Bereits täglich ein Glas (200 ml) Grapefruitsaft drei Tage lang in Folge können dazu führen, dass der Wirkstoff Simvastatin (ein Cholesterinsenker) im Körper dreimal höher konzentriert vorliegt als geplant. Dadurch steigt das Risiko für Leberschäden und eine Zersetzung der Muskulatur, was wiederum zu Nierenversagen führen kann.

Außerdem blockieren Inhaltstoffe der Grapefruit bestimmte Proteine, die eigentlich als Transporter dienen und dafür sorgen, dass bestimmte Wirkstoffe in die Zellen reingeschleust werden. Auf diese Weise führt Grapefruit dazu, dass diese Wirkstoffe nicht ausreichend vom Körper aufgenommen werden können und sie viel schwächer als sonst wirken.

So oder so kann Grapefruit also problematisch sein, denn ein zu rasch abgebauter Wirkstoff kann dazu führen, dass das eingenommene Medikament viel zu schwach wirkt. Wird der Wirkstoff dagegen langsamer als üblich abgebaut und bleibt länger im Körper als gedacht, können die Wirkstoffmengen im Körper gefährliche Konzentrationen annehmen.

Wie lange hält der Grapefruit-Effekt an?

Leider reicht es nicht aus, zwischen Grapefruit-Genuss und Medikamenteneinnahme ein paar Stunden Abstand zu lassen. Denn der Effekt hält mindestens 24 Stunden bis hin zu mehreren Tagen an.

Ist nur frische Grapefruit riskant?

Das Risiko in Bezug auf Wechselwirkungen mit Medikamenten besteht nicht nur bei frischer Grapefruit, sondern im Grunde bei allen Grapefruit-Produkten, also auch bei frisch gepressten oder gekauften Säften. Das heißt, bei der Einnahme bestimmter Medikamente sollte man Grapefruit besser ganz aus dem Ernährungsplan streichen.

Sind auch andere Zitrusfrüchte ein Risiko?

Ähnliche Effekte wie Grapefruit haben auch folgende Zitrusfrüchte:

  • Pampelmusen
  • Pomeranzen (Bitterorangen), oft in Orangenmarmelade enthalten
  • Pomelo-Früchte (Kreuzung aus Pampelmuse und Grapefruit)

Denn diese Früchte enthalten, genauso wie die Grapefruit, bestimmte Stoffe, nämlich:

  • Naringenin,
  • Naringin und
  • Dihydroxybergamottin.
Diese Stoffe sind bei der Grapefruit für den hemmenden Effekt auf das Enzym CYP3A4 verantwortlich.

Orangen oder Orangensaft haben dagegen keinen Effekt auf das Enzym CYP3A4, hier bestehen deshalb keine Wechselwirkungen wie bei der Grapefruit.

Beeinträchtigt Grapefruit die Wirkung der Pille?

Tatsächlich gibt es auch zwischen Grapefruit und der Pille Wechselwirkungen, jedenfalls wenn diese Östrogene enthält. Die Wirkung wird dadurch jedoch nicht abgeschwächt – das heißt, der Verhütungsschutz ist dadurch nicht gefährdet. Vielmehr verstärkt Grapefruit die Wirkung der Pille, da die Konzentration des Wirkstoffs beziehungsweise der Hormonspiegel als Folge steigt. Das kann auf Dauer zu Beschwerden wie Brustspannen führen, aber auch das Risiko für Thrombosen und Brustkrebs steigern. Das gleiche Risiko besteht auch bei Frauen in den Wechseljahren, die Hormonersatzpräparate mit Östrogenen einnehmen.

Welche Wirkstoffe vertragen sich nicht mit Grapefruit?

Die Zahl der Arzneimittel, bei denen man Wechselwirkungen mit Grapefruit feststellt, wächst ständig weiter. Um vollkommen sicherzugehen, fragen Sie deshalb am besten Ihren Arzt oder Apotheker, ob bei der Einnahme Ihres Medikaments Wechselwirkungen mit Grapefruit (oder anderen Lebensmitteln) möglich sind.

Zu den Wirkstoffen, die sich durch Grapefruit verstärkt werden, zählen beispielsweise:

Wirkstoffe, die durch Grapefruit schwächer wirken, sind zum Beispiel:

Weitere Informationen

Quellen:

Does grapefruit affect my medicine? Online-Informationen des National Health Service: www.fda.gov (Stand: 12.5.2015)

Grapefruit Juice and Medicine May Not Mix. Online-Informationen der Food and Drug Administration: www.fda.gov (Stand: Januar 2014)

Arneimittelinteraktionen – Update zu Grapefruit. Online-Informationen der Pharmazeutischen Zeitung: www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: Mai 2013)

Grapefruit: Wechselwirkung mit Medikamenten. Online-Informationen der Stiftung Warentest: www.test.de (24.1.2013)

Monroe, K. R., et al.: Prospective study of grapefruit intake and risk of breast cancer in postmenopausal women: the Multiethnic Cohort Study. British Journal of Cancer, Nr. 97, pp. 440–445 (Stand: 2007)

Aktualisiert am: 14. September 2017



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